"Verlässlichere Beziehung zwischen StudentInnen und Uni"

10. Februar 2008, 21:52
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Durch die Verpflichtung zu Voll- oder Teilzeitstudium erhoffen sich Lehrende mehr Planungssicherheit und Fairness

Im Sinne der Planungssicherheit begrüßt Ulrike Felt, Vorständin am Wiener Institut für Wissenschaftsforschung, den Plan des Wissenschaftsministers Johannes Hahn, das Teilzeitstudium einzuführen (derStandard.at berichtete). "Man muss sich aber sehr genau durchdenken, was es heißt, Halbzeit zu studieren", so Felt im Gespräch mit derStandard.at. Von der Idee, in einem Semester nur beispielsweise zwei Seminare zu belegen und dafür auch nur zwei Seminare zu bezahlen, hält sie wenig: "Schon ein Bachelor-Studium dauert, wenn man es Halbzeit absolviert, sechs Jahre". Wenn man ab und an ein paar Seminare besucht, sei es schwierig, das noch als Studium zu bezeichnen. "Was hält dann das Ganze zusammen?", fragt Felt.

Studierende fair behandeln

Auch Gerhard Schaufler, stellvertretender Studienprogrammleiter am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Wien, begrüßt das Teilzeitstudium: "Es wäre uns sehr recht, wenn Teilzeitstudierende extra ausgewiesen werden." Für Teilzeit-StudentInnen könnten dann etwa die Mindeststudiendauer sowie die Konditionen für Stipendien angepasst werden. "Es ist uns ein Anliegen, alle Studierenden fair zu behandeln", sagt der Bildungswissenschafter.

"Nicht in Warteschleifen hängen lassen"

Felt spricht sich zudem für eine "verlässlichere Beziehung zwischen StudentInnen und der Universität" aus: Wenn StudentInnen sich dazu verpflichten, ein Studium tatsächlich Halbzeit zu betreiben, müssten im Gegenzug dafür die Universitäten sorgen, dass Studierende nicht in einer Warteschleife hängen bleiben. "Ich verlange von meinen StudentInnen, dass sie ihre Diplomarbeiten in einer vernünftigen Zeit schreiben. Denn um eine zuverlässige Betreuung sicherzustellen, muss ich meine Zeitressourcen planen können," sagt Felt.

Arbeit unterschiedlich organisiert

Davon, wie StudentInnen insgesamt ihre Berufstätigkeit organisieren habe Felt "keinen Überblick". Aus ihrem direkten Umfeld stelle sie fest, dass Studierende auf sehr unterschiedliche Weise erwerbstätig sind. Während die einen in relativ starren Arbeitsverhältnissen stünden, hätten andere ihre Berufstätigkeit wiederum sehr flexibel organisiert. "Ingesamt ist man von Seite der Lehrenden mit einer relativ niedrigen Planungssicherheit konfrontiert", sagt Felt.

Dass Studierende ihre Berufstätigkeit sehr unterschiedlich gestalten und deshalb die Anpassung der Studienpläne nicht einfach ist, beobachtet auch Schaufler. "In unserer Studienrichtung sind viele Studierende im sozialen Bereich tätig, das heißt sie arbeiten oft nicht zu den klassischen Bürozeiten."

Erwerbstätigkeit nimmt mit Alter zu

Aus dem Bericht zur sozialen Lage der Studierenden geht hervor, dass der Anteil wie auch das Ausmaß der Erwerbstätigkeit deutlich mit dem Alter der Studierenden ansteigt. Während von den bis 20-Jährigen 40 Prozent erwerbstätig sind, trifft dies auf mehr als 80 Prozent der über 30-Jährigen zu.

Gleichzeitig steigt mit dem Alter auch der Anteil der Studierenden, die in traditionellen Angestelltenverhältnissen tätig sind. So sind beispielsweise nur sechs Prozent der bis 20-jährigen Erwerbstätigen als ArbeiterInnen oder Angestellte tätig, jedoch 40 Prozent der über 30-Jährigen. Umgekehrt geht der Anteil der geringfügig Beschäftigten von einem Drittel bei den jüngeren Studierenden (bis 20 Jahre) auf sieben Prozent der über 30-Jährigen zurück.

Insgesamt sind elf Prozent aller Studierenden Vollzeit erwerbstätig, jeweils rund ein Viertel ist bis zu zehn Stunden berufstätig beziehungsweise geht einer Teilzeitbeschäftigung zwischen elf und 35 Wochenstunden nach. Studierende, die nicht erwerbstätig sind, wenden im Schnitt 38 Wochenstunden für ihr Studium auf. Mit steigendem Erwerbsausmaß verringert sich die Studienintensität, heißt es in der aktuellen Sozialerhebung. (burg/derStandard.at, 7. Feber 2008)

  • Berufstätigkeit und Studium sind für viele StudentInnen nicht einfach zu vereinbaren. Man müsse sehr genau durchdenken, was es heißt, Halbzeit zu studieren, sagt Ulricke Felt, Vorständin am Wiener Institut für Wissenschaftsforschung.
    foto: uni wien

    Berufstätigkeit und Studium sind für viele StudentInnen nicht einfach zu vereinbaren. Man müsse sehr genau durchdenken, was es heißt, Halbzeit zu studieren, sagt Ulricke Felt, Vorständin am Wiener Institut für Wissenschaftsforschung.

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