Alte Liebe, alte Wickel: "District Line"

7. Februar 2008, 17:00
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Zähneknirschend zur Kenntnis genommen: Bob Mould (Hüsker Dü, Sugar) veröffentlicht ein neues Album

Bob Dylan wird von seinen Fans oft ehrfürchtig "His Bobness" genannt. Dasselbe tut die Generation Hardcore mit Bob Mould. Beiden gemeinsam ist, dass sie es einem nicht leicht machen. Sie gelten als schwierig bis zart misanthropisch. Bob Mould hat in den 80ern als Gitarrist von Hüsker Dü die Melodie des Pop in den lärmenden Sturm des US-Hardcore eingeführt, sich diese Errungenschaft nach dem Ende von Hüsker Dü mit der Band Sugar (Copper Blue, 1992) vergoldet und gilt als einer der Pioniere und Säulenheiligen dessen, was zuerst Hardcore, dann Grunge und später Alternative genannt wurde und wird.

Auch unter eigenem Namen veröffentlichte er tolle Alben, um die Jahrtausendwende widmete er sich elektronischen Arbeiten, schwor, nie wieder eine Rockband zu beschäftigen - und brach dieses Versprechen 2005 mit dem großartigen Album Body Of Song. Auf der darauffolgenden Tour spielte er erstmals wieder alte Hüsker-Dü-Stücke, Sugar-Songs sowieso und erwies sich - der Standard berichtete - nach wie vor als Naturgewalt. Nun hat der in Washington D. C. lebende 47-Jährige, der dort mit Rich Morel den angesagten Club Blowoff betreibt, was sich in ein bisserl Disco-Rock niederschlägt, District Line veröffentlicht. Darauf befindet sich ein vielsagender Titel: Old Highs, New Lows.

Dieses Stück lässt sich auf das ganze Album übertragen. Auch wenn man es umdreht und von alten Hängern und neuen Hochs berichten wollte - es findet sich alles darauf. Was fehlt, sind die vielschichtig produzierten Killer-Songs des Vorgängers. Mould spielt wieder verstärkt akustische Gitarre, womit das Album zwar immer noch gut im Saft steht, das extrem physische Spiel jedoch, das Body Of Song auszeichnete und seine drückenden Liveshows charakterisiert, sich hier nur selten zeigt. District Line klingt wie ein Nachfolger von File Under: Easy Listening (1994) von Sugar. Nicht dass das schlecht wäre, doch die Tiefe und die Mächtigkeit von Body Of Song fehlen hier. Ohne diesen Vorgänger hätte man sich über District Line gefreut: Jö, der Bob ist wieder da, schön. Ein toller Songwriter, der seine Dämonen heute gut im Griff hat.

Dass es da draußen immer noch genug Gründe gibt, die ihm die Kabel im Hals anschwellen lassen, hört man immer noch. Wer die stellenweise eingesetzten Vocoder-Vocals am letzten Album nicht gemocht hat - er spielt wieder damit. Brendan Canty von Fugazi trommelt wie ein Berserker, Jason Carduci spielt einen geilen Bass, wie man ihn seit Sugar-Tagen kennt, der beste Song ist The Silence Between Us, und eigentlich ist eh alles super - nur ein bisschen zu bekannt. Alte Liebe, alte Wickel. "His Bobness" eben.

Und was treibt eigentlich Grant Hart dieser Tage, Moulds "Partner in crime" aus Hüsker-Dü-Zeiten? Der hat zuletzt eine sehr strenge Single mit den Melvins beim Label AmRep veröffentlicht, dazu heißt es seit bald zwei Jahren, es würde eine Kooperation von Hart mit Godspeed You! Black Emperor erscheinen. Wir üben uns weiter in Geduld, vertreiben uns die Zeit mit Bob Mould - und wünschen uns ganz, ganz fest, dass er auf der nächsten Tour auch nach Österreich kommt. (Karl Fluch / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.2.2008)

Bob Mould: "District Line" (Anti/Edel)
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    foto: anti/edel
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