Doping für Tulpen

8. Februar 2008, 10:00
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Aspirinbäder für Rosen, Kupfermünzen für Veilchen, Zucker für Hyazinthen - haben Schnittblumen das wirklich nötig, fragt sich nicht nur zu Sankt Valentin Ute Woltron

"Die Uhr schlägt. Alle." - bemerkte der 1966 verstorbene polnische Schriftsteller, Aphoristiker und Satiriker Stanislaw Jerzy Lec. Wohl wahr.

Ab dem 14. Februar, diesem von Gärtnern und Floristen zur Ankurbelung des Geschäftes weltweit ausgerufenen Schlachtdatum für Schnittblumen jeglicher Art, schlägt sie zum Beispiel all die schönen Rosen, Tulpen, Vergissmeinnichte - und das sicher früher als später.

Es ist ein Trauerspiel, wie schnell die von uns gehen. Manche welken schon, bevor sie noch überreicht werden. Aber befassen wir uns vorsichtshalber mit den anderen - denn wer will sich schon in der heiklen zwischenmenschlichen Psychologie des Blumenverschenkens verlieren?

Ungezählt sind die Hausmittelchen, die, in das Blumenwasser geträufelt, geworfen, gerührt, angeblich eine Hinauszögerung des Ablebens bewirken sollen. Nach einer gründlichen Recherche Ihres Grünzeugs lässt sich feststellen, dass die meisten von ihnen, wenn überhaupt, dann nur geringe Wirkung haben, und bestünde die lediglich darin, Ihnen, geschätzte Grünzeugkonsumenten, psychologische Unterstützung angedeihen zu lassen.

Dreck und Bakterien

Was man aber wirklich für die Abgeschnittenen tun kann, um ihren vorprogrammierten Abgang ein ganz klein wenig zu verlängern, ist schlicht Folgendes: Entfernen Sie zuallererst mit gebotener Sorgfalt die mittlerweile zu betonharten Krusten getrockneten grünlich-braunen Beläge, die verfaulende Vorgängerbouquets im Vaseninneren hinterlassen haben und die wegzukratzen Sie bis dato zu faul gewesen sind, wofür Sie sich jetzt ein bisschen schämen dürfen.

Das ist die einzige wirklich allgemeingültige Regel, denn: Das größte Übel für durstige, entwurzelte Blumen sind Dreck, Mikroorganismen, Bakterien im Blumenwasser. Eine solche Brühe verstopft die feinen Leitbahnen der Pflanzen, sie verdursten sozusagen im vollen Trog.

Deshalb sollten alle Blätter, die bis ins Wasser ragen und dort hurtig zu faulen beginnen, entfernt werden - und deshalb ist auch das berühmte regelmäßige schräge Abschneiden der Stängel so wichtig, weil dadurch verstopfte Bahnen wieder befreit werden. Wechselt man dann auch noch brav und oft das Wasser, hat sich die Sache eigentlich.

Ein paar kleine Schmähs gibt es aber zusätzlich doch noch: Das Anschneiden sollte nach Möglichkeit nicht mit einer herkömmlichen Schere erfolgen, weil die selten scharf genug ist, um die Stängel nicht zu quetschen. Letzteres bewirkt ebenfalls ein Verstopfen der bereits erwähnten Leitungsbahnen der Pflanzen durch Abzwicken. Es empfiehlt sich, ein scharfes Messer oder eine wirklich gute Gartenschere zu verwenden. Das gilt insbesondere für Rosen. Die haben besonders zarte Äderchen, und diese verstopfen sogar durch das Antrocknen der Schnittstellen innerhalb kürzester Zeit.

"Ausschleimen"

Wer Sonnenblumen und Mohn einwässern will, kann die unteren drei bis fünf Zentimeter der Stielenden für etwa zehn Sekunden in kochendes Wasser tauchen, um den Milchsaftfluss zur Gerinnung zu bringen.

Narzissen, Lilien und Hyazinthen hingegen sollte man in einem Extragefäß etwa eine Stunde lang "ausschleimen" lassen und danach nicht mehr anschneiden, bevor man sie einwässert.

Die Stiele holziger Kreaturen, wie beispielsweise Flieder, werden gerne mit dem Hammer kräftig angeklopft, um dadurch die Wasseraufnahmefläche zu vergrößern. Der damit angeblich einhergehende lebensverlängernde Effekt ist jedoch nicht verbürgt. Probieren Sie's einfach.

Um zu guter Letzt auf die Hausmittelchen und Zusätze zurückzukommen: Wenn Sie tatsächlich Blumenerfrischer verwenden wollen, greifen Sie lieber gleich auf die im Handel erhältlichen professionellen Produkte zurück. Die enthalten Bakterizide, Fungizide und Pflanzennahrung in exakter Dosierung, und nur der genaue Mix verhilft tatsächlich zum verlängerten Dasein. (Ute Woltron/Der Standard/rondo/08/02/2008)

Tipp:
Um auf das grauenerregende Innenleben Ihrer Vasen zurückzukommen: Keine Ausrede! Auch die dünnhalsigsten unter ihnen können gereinigt werden, und folgendermaßen bekommen Sie selbst die verdrecktesten Exemplare ohne Säurezugaben sauber: Wasser und Spülmittel einfüllen, ein paar Löffel nicht zu feinen Sand dazugeben, zuhalten und ordentlich in alle Richtungen schütteln. Für Uromamas feines Porzellanerbstück empfehlen wir ersatzweise Reiskörner. Sicher ist sicher.
  • Ein wirklich scharfes Messer oder eine Gartenschere sollte zum Anschneiden verwendet werden.
    foto: lederleitner

    Ein wirklich scharfes Messer oder eine Gartenschere sollte zum Anschneiden verwendet werden.

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