Kunstmarkt: Franz Marc vor Pablo Picasso

11. Februar 2008, 15:55
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"Weidende Pferde III" erzielte bei Sotheby's mit umgerechnet 18,11 Millionen Euro einen neuen Weltrekord

Es war das letzte Werk aus Franz Marcs legendärer Serie weidender Pferde, das noch in Privatbesitz war. Zwischen sechs und acht Millionen Pfund hatten die Experten von Sotheby's die Erwartungen beziffert.


London – Allein das Interesse am Abend des 5. Februar überstieg die Erwartungen dann deutlich: 12,34 Millionen Pfund oder umgerechnet 18,11 Millionen Euro und damit ein neuer Künstlerrekord war einem europäischen Privatsammler diese Ikone des Deutschen Expressionismus in London wert:

Franz Marc führt damit die Liste der zehn höchsten Zuschläge an und verwies nicht nur Auguste Renoir (La Loge, 7,4 Mio. Pfund), Pablo Picasso (Tête de Femme – Dora Maar, 7,41 Mio. Pfund) oder Alberto Giacometti (Buste, 5,62 Mio. Pfund) klar auf die Ränge. Einen Künstlerrekord notierte man auch für Alexej von Jawlenskys Schokko, ein Porträt seines bevorzugten Modells, für das ebenfalls ein europäischer Privatsammler 9,42 Millionen Pfund (13,83 Mio. Euro) bewilligte und damit den bisherigen Rekord – für ebendieses Werk, das bei Sotheby's in New York 2003 4,92 Millionen Pfund erzielt hatte. Überhaupt schlug sich die Sektion "German & Austrian Art" innerhalb des "Impressionist & Modern Art" Sales famos – satte 58,19 Millionen Euro (39,64 Mio. Pfund) spielte die Gruppe von 25 Werken ein, die höchste jemals in Europa erzielte Summe dieser Sparte.

Dazu trugen auch fünf über die Wiener Niederlassung von Sotheby's akquirierte Arbeiten auf Papier mit insgesamt 1,66 Millionen Pfund bzw. umgerechnet 2,44 Millionen Euro brutto bei. Etwas unter den angesetzten Taxen musste sich Egon Schieles Halbakt geschlagen geben, 602.900 Pfund (884.939 Euro) war die 1911 datierte Gouache dem Bieter schließlich wert. Deutlich besser lief es im Verhältnis für Arbeiten Gustav Klimts: Den höchsten Zuschlag innerhalb des Quartetts heimste der etwa um 1907 mit Rötel gezeichnete stehende Mädchenakt ein, entgegen der Taxe von 100.000 bis 150.000 fiel der Hammer bei 378.900 Pfund (556.151 Euro).

Für Sotheby's markiert dieser Evening Sale in mehrerlei Hinsicht einen Meilenstein: Vier neue Weltrekorde, fünf Zuschläge jenseits der Fünf-Millionen-Pfund-Marke (Christie's drei), 30 über der Ein-Millionen-Pfund-Grenze (Christie's 29) und insgesamt 67 Besitzerwechsel – 60 Prozent davon deutlich über den angesetzten Taxen – summierten sich auf stolze 116,69 Millionen Pfund oder 171,29 Millionen Euro, dem bislang höchsten Umsatz einer Auktion in Europa.

Zum Vergleich, die bisherige Bestleistung lag hausintern bei 95 Millionen Pfund, die im Rahmen der Vergleichssitzung 2007 eingespielt werden konnten. Das aktuelle Resultat lässt Kontrahent Christie's wohl etwas blass um die Nase werden, dort hatten sich am Abend zuvor exakt 100 Besitzerwechsel der Sparten "Impressionist & Modern Art" und "The Art of the Surreal" zusammen auf 105,37 Millionen Pfund oder 139,61 Millionen Euro zu Buche geschlagen.

Die Liste der Top-Zuschläge führt Pablo Picasso (Femme au chapeau, 1938, 5,73 Mio. Pfund od. 7,59 Mio. Euro) an, gefolgt von Kees van Dongen (L'Ouled Nail, 1910, 5,62 Mio. Pfund oder 7,44 Mio. Euro).

Etwas über den Erwartungen durfte sich Ronald S. Lauder über den Absatz seiner kleinen Sammlung freuen, sechs von acht Arbeiten Egon Schieles wechselten schließlich den Besitzer, womit sich seine Rückzahlungsrate aus dem Finanzierungsdeal für Gustav Klimts Goldene Adele mit Christie's um 11,65 Millionen Pfund (15,44 Mio. Euro) reduziert. Den höchsten Zuschlag der Sammlung – Platz zehn im Ranking der höchsten Zuschläge des Abends – hatte der europäische Handel für Mutter und Kind von 1910 bei 2,93 Millionen Pfund (3,88 Millionen Euro).

Im Gegensatz zur Sektion Alter Meister – die Auktionen fanden am 24. und 25. Jänner in London statt – war der Handel im oberen Preissegment aktuell deutlich weniger aktiv. Bei Sotheby's reichte man kein einziges der zehn teuersten Kunstwerke an den Handel weiter, bei Christie's neben erwähntem Schiele noch Paul Signacs Pont des Arts von 1925, für das eine asiatische Galerie 3,04 Millionen Pfund (4,03 Mio. Euro) berappte. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.2.2008)

  • Artikelbild
    foto: sotheby's
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