"Wenn schon auftreten, dann richtig"

18. Februar 2008, 10:14
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Der Bär ist auf der österreichischen Computermesse iTnT nicht gerade los. Es geht um Image und persönlichen Kontakt mit dem Kunden. Ein Lokalaugenschein.

Es sind zwar keine Massen, doch schon um neun Uhr eilt am ersten Tag der iTnT eine beachtliche Zahl Anzug und Krawatte tragende IT-Fachleute durch die Messeeingänge. Ein Werbetafelträger im Mozart-Kostüm sowie einige mit Schmetterlingsflügeln bestückte Girls versuchen im Foyer einen Hauch Eventcharakter zu verbreiten.

Die (noch) gute Konjunktur

Rund 440 Aussteller aus dem In- und Ausland sind angetreten, die derzeit (noch) gute Konjunkturlage zu nutzen und Kunden von ihren Produkten und Dienstleistungen zu überzeugen. Auch das offizielle Österreich preist hier seine Errungenschaften im Bereich E-Government. "Bereits mehr als 80 Prozent der Betriebe nehmen Online-Dienste im Bereich E-Government in Anspruch, und auch die Bürger zählen immer stärker zu den elektronischen Kunden der Verwaltung", erklärt Verwaltungs-Staatssekretärin Heidrun Silhavy bei der Eröffnungspressekonferenz.

"Wenn schon auftreten, dann aber richtig"

In den Messegängen schlendern indessen Frau Osterhase und Frau Weihnachtsmann im schulterfreien Dress und mit hochhackigen Stiefeln. Je älter die ihnen entgegenkommenden (männlichen) Messebesucher sind, desto aufmerksamere Blicke gelten ihnen. Die verkleideten Studentinnen verteilen Werbematerial für Kinamu. Der österreichische ERP-Anbieter ist das erste Mal auf der iTnT. "Wir haben lange über unseren Auftritt diskutiert und uns dann entschieden: wenn schon auftreten, dann aber richtig", sagt CEO Christian Knoll zum Standard. Einen fünfstelligen Betrag nimmt der SAP-Spin-off in die Hand, um durch die Messe seinen Bekanntheitsgrad zu steigern.

Ein wichtiges Marketinginstrument

Bereits zum dritten Mal ist die russische IT-Securityfirma Kaspersky Lab auf der iTnT. Auch im Internet-Zeitalter ist für Territory Manager Bernhard Oberhauser eine Messe ein wichtiges Marketinginstrument. "Gerade in unserem Bereich geht es um Vertrauensbildung", sagt er. Die schnelle Information über das Internet könne die vielen Gespräche vor Ort mit Kunden nicht ersetzen.

Eine Erfahrung, die auch Christine Hofmann von Data Systems Austria bestätigt. "Man kann zwar über das Internet informieren, aber das persönliche Feeling wie auf einer Messe kriege ich damit nicht hin", weiß sie aus langjähriger Erfahrung.

Die Schweiz ist da

Mit einem Gruppenstand, der 15 Unternehmen umfasst, ist die Schweiz angetreten, "Swiss Solutions" aus dem IT-Bereich den österreichischen Nachbarn näherzubringen. "Wir Schweizer schielen ein wenig neidisch auf die Österreicher, was die Exportförderung anbelangt", verrät Alex Becker von der Handelskammer Schweiz. Die Nachfrage nach Messepräsenz auf der iTnt lege jährlich zu. Allerdings müssten die Eidgenossen teilweise noch lernen, dass sich IT nicht so einfach wie Schokolade präsentieren lasse, sagt Becker.

Tor in den Westen - oder Osten

In einem hinteren Messewinkel findet sich der tschechische Telekomausrüster Micos. Er nutzt die iTnT, um seine Geschäfte in den deutschsprachigen Raum auszubauen. Auf der CeBIT in Hannover habe man dies auch schon versucht, aber das sei viel weiter von Tschechien entfernt, und in Wien gebe es zudem nicht so viele Chinesen wie dort, so die Meinung eines Firmenmitarbeiters.

Und was suchen Besucher auf der iTnT? "Man kann sich über neue Produkte einen guten Überblick verschaffen", meint dazu Daniel Mere, IT-Manager von Magna Racino. "Und genauso wichtig sind die menschlichen Kontakte."(Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe vom 6.2.2008)

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iTnT

Ansichtssache

Ein Rundgang auf der IT'nT

  • Noch bis 7. Februar gibt die iTnT auf dem Wiener Messegelände einen Überblick über neue IT-Produkte und Dienstleistungen.
    foto: standard/newald

    Noch bis 7. Februar gibt die iTnT auf dem Wiener Messegelände einen Überblick über neue IT-Produkte und Dienstleistungen.

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