Geht der Gletscher, kommen die Pflanzen schnell und dauerhaft

6. Februar 2008, 10:14
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Innsbrucker Studie zeigt, dass Samen im Boden innerhalb von wenigen Jahrzehnten eine wachsende Vielfalt produzieren

Innsbruck/Wien - Weicht ein Gletscher zurück und gibt alpine Böden frei, dann bleibt dem Areal nur eine kurze Zeit als unbewachsenes Ödland. Rasch erobern Pflanzen die neuen Lebensräume - und zwar überraschend nachhaltig. Die sogenannte Samenbank, also das Reservoir an lebensfähigen Samen im Boden, wird bereits innerhalb von wenigen Jahrzehnten aufgebaut, stellt eine Studie des Instituts für Botanik der Universität Innsbruck fest. Die Arbeiten wurden vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützt.

Als Samenbanken bezeichnen die Botaniker jene Samen, die nicht sofort wieder austreiben, sondern Jahre, Jahrzehnte und manchmal sogar 100 Jahre im Boden überdauern. Durch diese Strategie sorgen Pflanzen gleichsam vor, dass sie kurzfristig ungünstige Witterungsbedingungen oder auch Naturkatastrophen wie Muren mehr oder weniger unbeschadet überstehen. Sobald die Bedingungen wieder günstig sind, sorgt das Reservoir an Samen für eine fast sofortige Wiederbesiedelung.

273 Samen pro Quadratmeter nach 35 Jahren

Die Wissenschafter um Projektleiterin Brigitta Erschbamer untersuchten Areale, die vor unterschiedlichen Zeiträumen von Gletschern freigegeben wurden. Bereits nach einem Zeitraum von 35 Jahren zählten die Botaniker eine Samenbank von 273 Samen pro Quadratmeter. Auf seit 150 Jahren eisfreien Flächen ergab die Analyse bereits 3.527 Samen pro Quadratmeter, ein Wert, der mit einem Areal außerhalb des Gletschervorfelds vergleichbar ist.

Generell sind es meist Steinbrech-Arten, welche sich als Wiederbesiedler nach einem Gletscherrückzug betätigen. Bereits zwei bis drei Jahre ohne Eis reichen für die Ansiedelung etwa von Bach-Steinbrech oder Roten Steinbrech. Wenig später folgen etwa Alpenrispengras oder auch Moränenklee. (APA/red)

  • Weicht der Gletscher (im Bild: die Zungen des Similaun und Niederferner in den Ötztaler Alpen) zurück, rücken die Pflanzen rasch nach.
    foto: der standard/schlosser

    Weicht der Gletscher (im Bild: die Zungen des Similaun und Niederferner in den Ötztaler Alpen) zurück, rücken die Pflanzen rasch nach.

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