Linz: Hetzjagd über den Zebrastreifen

11. Februar 2008, 22:09
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In Linz sei die Grünphase an Fußgängerampeln zu kurz, sagen die grünen Senioren - und ernten Kritik aus der eigenen Partei

Linz - "So etwas Blödes habe ich noch nie gehört", Jürgen Himmelbauer, grüner Mobilitätsstadtrat in Linz, spart nicht mit deutlichen Worten - und zwar in Richtung eigene Partei. Zwei Mitglieder der Grünen 50+ sind im Dezember, ausgerüstet mit einer Stoppuhr, durch Linz marschiert. Ihre Vorhaben: Die Dauer der Grünphasen an Zebrastreifen zu messen. Für Dienstag luden die grünen Senioren dann unter dem Titel "Hetzjagd über den Zebrastreifen" zur Pressekonferenz.

Anlass des Ampeltests war die Beschwerde einer Linzerin. Ihr passiere es regelmäßig, dass es beim Übergang der Franckstraße auf Höhe der Bushaltestelle "Lohnstorfer Platz" "immer dann rot wird, wenn ich erst bei der Hälfte bin". Die beiden Testpersonen nahmen deshalb die Zeit an Schutzübergängen in der Nähe von Linzer Senioren- und Pflegeheimen. "Die Dame fühlt sich zurecht gehetzt", mussten sie feststellen. Denn die Fußgängerampeln orientieren sich in Linz am Autoverkehr. "Je höher die Verkehrsfrequenz, desto schneller wird man über den Zebrastreifen gescheucht." An genannter Ampel in der Franckstraße blieben für die Überquerung acht Sekunden Zeit. Laut DIN-Norm müssten es jedoch 15 Sekunden sein. Die Messwerte an den anderen Zebrastreifen fielen ähnlich aus. Doris Eisenriegler, Obfrau der Grünen 50+ und dritte Landtagspräsidentin, will daher "ausreichend lange Grünphasen in Linz".

Lange "Räumungsphase"

Als ihr Kollege Himmelbauer von dieser Forderung erfuhr, entschied er sich, auch an der Pressekonferenz teilzunehmen. Allerdings, um diese ad absurdum zu führen. Die Behauptung, man habe zu wenig Zeit, um über die Straße zu kommen, könne nur jemand aufstellen, der sich in Linz nicht auskenne. "Frau Eisenriegler, die in Wilhering (ein Vorort von Linz) wohnt, kennt von dort eben keine Fußgängerampel", ätzt Himmelbauer. Sonst wisse sie, dass es eine "Räumungsphase" gebe. Diese dauere in Linz sogar länger als vorgeschrieben.

Mit Räumungsphase ist jene Zeitspanne vom Umspringen der Fußgängerampel auf Rot bis zur Grünphase für die Autofahrer gemeint. "Wer noch bei Grün losgeht, kommt in Linz immer gefahrlos über die Straße", versichert Himmelbauer.

"Der Herr Himmelbauer ist noch nicht über 60, und kann nur schlecht mitreden", kontert der Pressesprecher der oberösterreichischen Grünen, Dietmar Spöcker, nicht minder deutlich. Die Stadt müsse seniorenfreundlicher werden, an dieser Forderung hält die Landespartei fest. Nicht zum ersten Mal schert der grünen Stadtrat von der Parteilinie aus. Er sagte schon Nein zur grünen Regierungsbeteiligung auf Landesebene und stimmte auch dem von der schwarz-grünen Regierungskoalition beschlossenen Börsengang der Energie AG nicht zu. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe, 6.2.2008)

  • Selbst wenn die Ampel auf Rot umspringt - in Linz bleibt angeblich noch genug Zeit, um sicher über die Straße zu kommen
    foto: standard/ regine hendrich

    Selbst wenn die Ampel auf Rot umspringt - in Linz bleibt angeblich noch genug Zeit, um sicher über die Straße zu kommen

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