Ein Platz am Stockerl der Ideen

5. Februar 2008, 21:14
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Der Staatspreis Innovation bringt vor allem eines: Präsenz für innovationsfreudige Unternehmen - DER STANDARD stellt die sechs besten Ideen vor

Der Staatspreis Innovation, der am Mittwoch zum 28. Mal verliehen wird, bringt vor allem eines: Präsenz für innovationsfreudige Unternehmen. Und die werden immer mehr, wie der Anstieg der Einreichungen zeigt.

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Ein Unternehmen, das Lichtquellen mit bis zu 85 Prozent Energieersparnis gegenüber den bisher eingesetzten Beleuchtungskörpern entwickelt, will in Zeiten des Klimawandels natürlich vor den Vorhang treten. Genauso wie Firmen, die mit ihren innovativen Ideen den Treibstoffverbrauch reduzieren, besonders widerstandsfähige, leichte textile Seile für die Forstarbeit produzieren, neuartige Steckverbindungen für Rohre produzieren oder zukunftsweisende Medikamenten-Hilfsstoffe entwickeln.

Die Bühne, auf der österreichische Unternehmen auf einen Stockerlplatz - und damit auf mediale Präsenz und Sachpreise - hoffen, ist der Staatspreis Innovation, der heute, Mittwoch, im Wiener Museumsquartier zum 28. Mal verliehen wird. Das wachsende Interesse der heimischen Unternehmen an dieser Auszeichnung zeigt sich nicht zuletzt daran, dass heuer fast 20 Prozent mehr Projekte als im Vorjahr eingereicht wurden. Sechs von 529 Kandidaten schafften es ins Finale. Bevor das Siegerprojekt gekürt wird, können sich erfinderische Unternehmer bei der Tagung "Leidenschaf(f)t Innovation" Tipps von erfolgreichen Innovatoren holen. Hier die sechs Staatspreis-Finalisten im Einzelnen:

  • Die Emissionen und den Kraftstoffverbrauch schwerer Nutzfahrzeuge reduzieren will die im steirischen Frauental ansässige Firma Ceram Catalysts mithilfe ihrer SCR-Dieselkatalysatoren. In der Vergangenheit führten die Drei-Wege-Katalysatoren bei Pkws systembedingt zu einem Mehrverbrauch von zirka zehn Prozent. Mit der neuen Technologie sollte durch einen auf sein Verbrennungsoptimum eingestellten Dieselmotor mehr Leistung erreicht und gleichzeitig weniger verbraucht werden. Das führt zu reduzierten CO2-Emissionen und geringerer Bildung von Dieselrußpartikeln, nämlich bis zu 50 Prozent weniger ohne weitere Abgasnachbehandlung.
  • Reduzierte Emissionen sind auch der Effekt des Projektes, mit dem die Firma Mahle Filtersysteme aus St. Michael ob Bleiburg in Kärnten die Endausscheidung erreicht hat. In diesem Fall vermindert ein neuartiges elektrisches Abgasrückführventil durch niedrigere Ladungswechselverluste bei Diesel- und Ottomotoren die Stickoxide. Mithilfe der neuen Technologie gibt es einen geringeren Treibstoffverbrauch und somit auch eine Reduktion aller Schadstoffkomponenten, insbesondere auch der maßgeblich für den Treibhauseffekt verantwortlichen Kohlendioxid-Emissionen. Abgesehen von Kostenvorteilen und einer verbesserten Funktionalität ist der eigentliche Nutzen ökologischer Natur.
  • Besonders starke, strapazierfähige Seile sind die Innovation der Firma Teufelberger aus Wels. Bisher mussten bei der Waldarbeit immer Stahlseile verwendet werden, textile Modelle erwiesen sich als nicht widerstandsfähig genug. Das neue Produkt des Textilherstellers weist höhere Bruchkräfte als Stahl auf, und das bei einem um 80 Prozent geringeren Gewicht. Die Seile werden mit einem extrem abriebbeständigen Material umgeben, ein spezielles Manteldesign mit Längs- und Querstreifen ermöglicht eine Torsions- und Materialermüdungskontrolle. Neben ökonomischen Vorteilen wird auch die Umwelt geschont - durch weniger Flurschäden wegen des geringen Gewichts.
  • Neuartige Steckverbinder für Rohrleitungssysteme hat die Linzer Firma Ke Kelit entwickelt. Diese ermöglichen bei Wasser- oder Heizungsrohren eine einfache, schnelle Anwendung und dadurch verkürzte Arbeitszeiten. Es wird nicht mehr geklebt, geschweißt oder verpresst, sondern einfach zusammengesteckt. Die eigentliche Innovation dabei ist, dass Halterung und Dichtung an der Innenseite des Rohres angeordnet sind und damit auch bei extremer Beanspruchung auf der Baustelle nicht gefährdet werden. Unter dem Namen "Blue-Fix-Stecksystem" bietet Ke Kelit mittlerweile eine große Auswahl dieser Rohrverbindungen an.
  • Ewiges LED-Licht

  • Weniger um Arbeitszeitersparnis, sondern um geringen Stromverbrauch geht es beim nominierten Produkt der Firma Lumitech aus Jennersdorf im Burgenland. Entwickelt wurden Lampen in PI-LED-Technologie, die mit ihren Eigenschaften bis zu 85 Prozent weniger Strom als eine normale Glühbirne verbrauchen und sogar noch um 30 Prozent effizienter sind als die herkömmliche LED-Technologie. Erreicht wurde das alles durch eine neuartige Kombination aus Phosphoren und LEDs. Außerdem bieten die Lampen mit bis zu 30.000 Stunden Lebensdauer gegenüber Glühbirnen (ca. 1000 Stunden) oder Energiesparlampen (bis zu 7500 Stunden) eine ordentliche Leistungssteigerung und tragen damit zum Klimaschutz bei.
  • Die Thiomer-Technologie der Firma ThioMatrix aus Innsbruck soll in Zukunft eine Verbesserung der medizinischen Behandlung bei verschiedensten Krankheiten bringen. Damit werden beispielsweise Insulin-Tabletten entwickelt, die die Verabreichung von Spritzen für Diabetiker unnötig machen könnten. Bisheriges Problem bei der oralen Einnahme von Insulin war der Abbau im Darm, bevor der Wirkstoff in die Darmschleimhaut aufgenommen wurde. Das wird mithilfe der Thiomere verhindert, da sie an den Schleimschichten haften bleiben. Weiters werden mit diesem Medikamenten-Hilfsstoff Heparin-Tabletten entwickelt und die Effizienz von Chemotherapeutika bei der Krebsbehandlung entscheidend verbessert.
  • (Martin Grabner/DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2008)
    • Welcher der sechs Final-Kandidaten für den Staatspreis Innovation einen Platz am Siegerpodest erklimmt, ist noch offen. Auffallend ist das Interesse an umweltfreundlichen Technologien, die breit vertreten sind.
      illustration: der standard/michael köck

      Welcher der sechs Final-Kandidaten für den Staatspreis Innovation einen Platz am Siegerpodest erklimmt, ist noch offen. Auffallend ist das Interesse an umweltfreundlichen Technologien, die breit vertreten sind.

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