Kostenstelle Kindergarten

29. Februar 2008, 11:35
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Zwei Drittel der Wiener könnten sich keinen Kindergarten leisten - In Niederösterreich führte Gratis-Vormittag zu Schließungen

Wien - In den vergangenen sieben Jahren sind die Gebühren in Wien gestiegen, laut Statistik Austria in Wien mehr als in den Bundesländern. Im Fall der Kindergärten stiegen die Gebühren zwischen 2001 und dem vergangenem Jahr um 15 Prozent.

Um 15 Prozent sind laut einer Rechnung der Wiener ÖVP auch die Ausgaben für Kinderbetreuung einer durchschnittlichen Familie gestiegen, woraus VP-Bildungssprecherin Katharina Cortolezis-Schlager folgerte, dass sich viele Wiener Eltern die Kinderbetreuung nicht leisten könnten. Die nichtamtsführende Stadträtin zitiert eine Studie des Institutes für Familienforschung (ÖIF) zur "Situation der Kinderbetreuung im Bundesländervergleich", wonach für zwei Drittel der Mütter von drei- bis sechsjährigen Kindern den Kindergartenbesuch aufgrund hoher Kosten unerschwinglich sei.

Eltern fehle das Geld auch für die Betreuung ihrer Sprösslinge bis zum dritten Lebensjahr, sagt Cortolezis-Schlager. Ihre Forderung ist daher, den Kindergarten ab dem vierten Lebensjahr gebührenfrei zu machen, um Kindern, auch aus Migrantenfamilien, den frühen Spracherwerb zu ermöglichen.

Grüne wollen's gratis

Aus diesem Grund forderte auch die Wiener Grünen-Chefin Maria Vassilakou den "Gratiskindergarten" für alle, "dann aber verpflichtend". Die Position der rot regierten Stadt zum Thema Gratiskindergarten bleibt dabei unverändert: In Wien seien die Kosten für einen Kindergartenplatz sozial gestaffelt, heißt es seitens Bildungstadträtin Grete Laska. Laut MA 10 (Kindergärten) können Eltern mit einem Familien-Nettoeinkommen bis 2373 Euro mit einer Ermäßigung des Vollpreises (215 Euro monatlich, ohne Essen) rechnen. Vorausgesetzt, dass in ihrer Berechnung auch Familienbeihilfe, Kinderbetreuungsgeld, gegebenenfalls Alimente und alle sonstigen Einkünfte eingerechnet wurden.

Wenn das Nettoeinkommen bis zu 874 Euro beträgt, werden die Kinder gratis betreut. Noch ein Vorteil, den sich die Stadt Wien auch durch eine Studie der Arbeiterkammer bestätigen ließ: Im Gegensatz zu anderen Bundesländern hätten die Wiener Kindergärten auch im Sommer geöffnet, und auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei besser, da Betreuungseinrichtungen länger offen hielten.

Cortolezis-Schlager, die das gerade wahlkämpfende schwarz regierte Niederösterreich als Beispiel für gelungene Kinderbetreuung heranzieht, weist darauf hin, dass nur 80 Prozent der Wiener Drei- bis Fünfjährigen in den Kindergarten gehen, während es in Niederösterreich 90 Prozent seien. Der Grund für den Rückgang in Wien: Hohe Kosten und der Umstand, dass Familienbeihilfe und andere Zahlungen in die soziale Staffelung einberechnet werden.

Gratis Vormittag führte zu Schließungen

Sonja Dörfler, Co-Autorin der ÖIF-Studie, bestätigt, dass die Kinderbetreuung in Wien am teuersten sei, sagt jedoch, dass Betreuung im europäischen Vergleich in Großstädten generell teurer kommt als im ländlichen Raum. Und auch wenn das Angebot in Niederösterreich, wo der Kindergarten am Vormittag gratis ist und Eltern erst am Nachmittag einen Fixpreis von 80 Euro zahlen, "löblich" sei: "Dort gibt es am Nachmittag zu wenig Angebot. Mit dem Gratis-Vormittag konnten einige private Kindergärten nicht mithalten und mussten schließen", sagte Dörfler. (Marijana Miljkovic, DER STANDARD Printausgabe, 6.2.2008)

  • Gratiskinderbetreuung versus soziale Staffelung: Viele Eltern können sich den Kindergarten nicht leisten
    foto: standard/corn

    Gratiskinderbetreuung versus soziale Staffelung: Viele Eltern können sich den Kindergarten nicht leisten

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