"Was ist er denn, was kann er denn?"

11. Februar 2008, 15:50
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Michael Patrick Simoner ist nicht irgendein Falco-Darsteller. Er darf sogar zu Falcos Mutter Maria Hölzel "Mama" sagen. Warum, beantwortet er im STANDARD-Interview

Wien – Vor zehn Jahren kam Hans Hölzel bei einem Verkehrsunfall in der Dominikanischen Republik ums Leben. Von allen Falco-Darstellern, die den Mythos des "ersten weißen Rappers" weltweit weiterleben lassen, hat der Wiener Frisör Michael Patrick Simoner als einziger den offiziellen Segen von Falcos Mutter Maria Hölzel.

Er darf sie sogar "Mama" nennen. Ein Schlaganfall hat die Sprachfähigkeit der 82-Jährigen stark eingeschränkt, sie versteht aber jedes Wort und lässt sich möglichst keine Falco-Show entgehen. der Standard traf beide in der Senioren-Residenz beim Kurpark Oberlaa am Stadtrand von Wien, wo Frau Hölzel inmitten von hunderten Fotos und Andenken an ihren Sohn wohnt.

Standard: Was sagt Ihnen der Sportclub Traktor Oberwiesenthal?

Simoner: Eigentlich nichts.

Standard: Das war der Verein in der DDR, für den der erfolgreiche Skispringer Falko Weißpflog aktiv war.

Simoner: Nach dem sich der Hans Hölzel benannt hat. Anfangs noch mit K geschrieben wie der sportliche Falke, dann, weil das internationaler wirkte, wurde daraus Falco.

Standard: Sie sind zehn Jahre jünger als Falco. Wann kreuzten sich Ihre Biografien?

Simoner: 1985 hab ich den Stefan Weber von "Drahdiwaberl", wo Hans Bassist war, kennengelernt. Ich war 18 und Friseurlehrling, und Weber fragte: "Was kannst denn noch außer Haareschneiden?" Und ich sag: Falco imitieren.

Standard: Damals war Falco längst als Kommissar berühmt.

Simoner: Ja, und er wollte eigentlich nicht mehr mit Drahdiwaberl, dieser Anarchoband, auftreten. Also hatte Stefan Weber die Idee, aus mir einen speziellen Drahdiwaberl-Falco zu machen, um dem Hans Hölzel eines auszuwischen. Und so ist es geschehen vor 20.000 Leuten auf der Wiener Donauinsel. Danach ist Falco hinter die Bühne gekommen und hat zu mir gesagt: "Oida, du mochst des guat." Ich war dann zwei Jahre lang der Drahdiwaberl-Falco.

Standard: Haben Sie damals schon Falcos Mutter gekannt?

Simoner: Die Mama kannte ich lange nur vom Sehen. Erst nachdem der Hans von uns gegangen ist, stand sie bei einem meiner Auftritte im Roten Hiasl (ein Gasthaus in der Wiener Lobau; Anm.) plötzlich da und sagte: "Ich weiß nicht, ob ich lachen oder schreien soll." Dann hat sie mich minutenlang umarmt. Seither waren wir immer wieder gemeinsam unterwegs. "Ham gfoan wird erst, wenn ich es will", hat die Mama immer gesagt.

Standard: Sind Sie der Ersatzsohn?

Simoner: Nein, oder vielleicht ja. Was sagst du, Mama?

Frau Hölzel meint nein.

Simoner: Leider Gottes war dann das mit dem Schlaganfall. Aber wer frech wird, kann immer noch gleich eine Detschn von ihr haben.

Frau Hölzel lächelt.

Simoner: Auch heute nehmen wir die Mama überall hin mit. Erst am Freitag waren wir gemeinsam bei der Präsentation der neuen, großartigen CD/DVD "Falco Symphonic" in Wiener Neustadt.

Standard: In der Öffentlichkeit ist dieses enge Verhältnis zwischen Ihrer Familie und Mutter Hölzel kaum bekannt. Für viele sind Sie nur ein Falco-Darsteller von vielen.

Frau Hölzel schüttelt den Kopf.

Standard: Ums Geschäft geht es aber auch.

Simoner: Warum soll ich kein Geld verdienen? Es hätte ja alles vollkommen schiefgehen können. Viele haben gemeint: Der klane Frisör schafft das nie. Was ist er denn, was kann er denn? Aber es hat geklappt. In den vergangenen Jahren haben wir 110 Konzerte in Österreich, Deutschland und in Las Vegas gespielt. Und eine größere Auszeichnung, als im U4 mit der Falco-Band zu spielen, gibt es ja gar nicht.

Standard: Es gibt kaum Fotos von Ihnen, die Sie als Privatmann zeigen.

Simoner: Das Privatleben ist mir heilig. Aber auch auf der Bühne bin ich ein halber Simoner, weil ich die Shows ja weiter entwickle. Dazu trete ich in Originalkostümen auf. Im neuen Film "Verdammt, wir leben noch" ist nichts original.

Standard: Warum haben Sie nicht die Hauptrolle in Thomas Roths Film?

Simoner: Mutter Hölzel hat das Drehbuch nicht für gut befunden, also war für mich das Thema von vornherein abgehakt. Man hat die Mama ja nicht einmal gefragt, man ist, wie es so schön heißt, einfach drübergefahren. Ich glaub, dass die Filmleute Angst vor ihr hatten. Herausgekommen ist eine Pulp Fiction. Von der Biografie des Hans Hölzel ist nichts übrig geblieben.

Frau Hölzel gibt zu verstehen, dass sie befüchtet, dass junge Kinobesucher den Film für bare Münze nehmen könnten.

Standard: Waren Sie ein persönlicher Freund von Falco?

Simoner: Wir haben einander gekannt, aber wir waren nicht befreundet. Seine Mutter ist zur Freundin geworden.

Simoners Handy läutet, Klingelton: die Ouvertüre von Falcos "Sound of Music".

Standard: Was wurde aus dem Frisör Simoner?

Simoner: Den gibts auch noch, der Salon liegt am Getreidemarkt, gleich neben dem Palais Eschenbach, wo Falco seinen letzten Auftritt hatte.

Standard: Noch was Persönliches: Wir heißen beide Michael Simoner, meine Ahnenforschung ergab aber kein Verwandtschaftsverhältnis.

Simoner: Ich weiß auch nicht, aber Dein Simoner-Kinn ist mir gleich aufgefallen.

(Michael Maria Simoner, DER STANDARD/Printausgabe, 06.02.2008)

>>> Ein echter Wiener geht unter
Thomas Roth bemüht sich gerade sehr erfolgreich, mit der filmischen Biografie "Falco – Verdammt, wir leben noch!" das Andenken des Künstlers zu schmälern

Zu den Personen:
Maria Hölzel wurde 1925 geboren. Sie war Filialleiterin einer Wiener Wäscherei, als sie am 19.Februar 1957 ihren Sohn Johann als einzigen Überlebenden von Drillingen zur Welt brachte. Bevor Falco ihr Leben bestimmte, war sie unter anderem gefeierte Laienschauspielerin in Rotenturm im Burgenland. Im Jahr 2000 erlitt sie einen Schlaganfall.

Michael Patrick Simoner ist 42 Jahre alt und gelernter Frisör. Der Falco-Darsteller (unter anderem "Falco, A Cyber Show, "A Tribute to Falco") aus Wien ist verheiratet und hat mit Gattin Ulli zwei Töchter. Mama Hölzel gehört mit zur Familie.
  • Falco-Darsteller Michael Patrick Simoner und "Mama" Maria Hölzel.
    foto: christian fischer

    Falco-Darsteller Michael Patrick Simoner und "Mama" Maria Hölzel.

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