Die Suche nach dem Beifahrer

11. Februar 2008, 13:20
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Mit dem Super Tuesday und dem näher-rückenden Tag der Nominierung der Bewerber wird auch über Anwärter auf die US-Vizepräsidentschaft spekuliert

Kann Hillary mit Barack? Barack mit Hillary? John mit Mitt und umgekehrt? Die Frage wird sich demnächst in den Vordergrund schieben. Gesucht ist ein "Running Mate", ein Gefährte, mit dem der Anwärter aufs Oval Office ins Wahlfinale zieht und dem als Preis eine schöne Villa an der Washingtoner Sternwarte winkt. Number One Observatory Circle, die Residenz des Vizepräsidenten.

Hillary Clinton und Barack Obama. Natürlich wollen sie jetzt nicht öffentlich darüber spekulieren. Das hieße ja, die Rolle des Zweitplatzierten ins Auge zu fassen. Eine Zeit lang konnte sich kaum jemand vorstellen, dass dieses Paar überhaupt eine Option wäre. Zu heftig hatten sich die beiden in die Haare gekriegt. Aber das war vor dem Debattenabend, als im Kodak Theatre zu Hollywood der Jubel losbrach, kaum hatte der Moderator vom Traumticket Clinton/Obama gesprochen.

Schwierig ist es bei den Republikanern, John McCain und Mitt Romney. McCain, der polternde Kriegsveteran. Romney, der glatte Geschäftsmann. Sie duellieren sich geradezu giftig. "Konsequent sind Sie nur, indem Sie zu jeder Frage konsequenterweise zwei Positionen beziehen", kanzelt McCain den Rivalen ab. Romney versucht, den Konkurrenten zum unsicheren Kantonisten zu stempeln.

Doch die Geschichte lehrt, dass nichts unmöglich ist. 1960 holte John F. Kennedy den erfahrenen Lyndon B. Johnson ins Boot. LBJ hatte die Vorwahlen ausgelassen: Als Mehrheitsführer des Senats habe er keine Zeit für so ein Schaulaufen. Den Strahlemann Kennedy mochte der Poltergeist nicht, am Ende behielt nüchternes Kalkül die Oberhand. Johnson, ein Texaner, half JFK in den Südstaaten, trug dazu bei, das Misstrauen der Protestanten gegenüber dem Katholiken irischer Herkunft zu bannen.

Bill Clinton schlug 1992 die Weisheit in den Wind, wonach Number Two aus einer anderen Ecke Amerikas stammen soll. Clinton kam aus Arkansas, Al Gore aus dem Nachbarstaat Tennessee. Clinton, Gouverneur aus der Provinz, hatte die weltpolitische Erfahrung Al Gores ins Zentrum gestellt.

"Im Idealfall gleicht der Vize die Schwächen des anderen aus", sagt Umfrageexperte John Zogby. Bei Clinton/Obama würde es passen: Sie verströmt eine Aura von Fachkompetenz, er besitzt Charisma. Auch John Edwards, vor kurzem ausgeschieden, wird genannt. Der Regress-Anwalt streicht als Stärke seine Beliebtheit bei einfachen Leuten heraus. Bill Richardson ist ein Name, der öfter fällt. Als Ex-UN-Botschafter kennt der Gouverneur New Mexicos die Welt der Diplomatie, als Sohn einer Mexikanerin und eines Bostoner Bankers könnte er bei den Hispanics punkten.

McCain braucht einen Wirtschaftsexperten, denn Ökonomie ist nicht sein Feld. Theoretisch wäre Romney ideal. Derzeit liegt aber Rudy Giuliani in der Gunst des Senators vorn, ein Haudegen, der sich als Sicherheitsexperte versteht. Mike Huckabee wäre der Richtige, um die sozial Konservativen bei der Stange zu halten. Typisch McCain, dass er den Schulterschluss mit Joe Lieberman suchte, dem Tandempartner Al Gores (2000). Lieberman ließ die Luft aus der Spekulationsblase: "Danke, John, aber ich hab es schon einmal gemacht. Du wirst etwas Besseres finden." (Frank Herrmann aus New York/DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2008)

  • Clinton mit Obama oder Obama mit Clinton? McCain mit Romney oder umgekehrt? Die Frage nach möglichen Vizepräsidenten schiebt sich in den Vordergrund.
    fotomontage: l. friesenbichler

    Clinton mit Obama oder Obama mit Clinton? McCain mit Romney oder umgekehrt? Die Frage nach möglichen Vizepräsidenten schiebt sich in den Vordergrund.

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