Pantomime Samy Molcho erklärte Körpersprache, Interkulturalität, die Zusammenhänge unterschiedlicher Kommunikationsebenen und so manch Menschliches - Mit Ansichtssache
"Existenz ist gleich Wirkung", stellt Samy Molcho in den Raum. Bei einem Seminar über intra- und interkulturelles Führen, veranstaltet von Kick Off, einem Wiener Management Consulting Unternehmen, beweist er das auch selbst, indem er seine Theorie auch gleich anschaulich für das Publikum darstellt.
Körpersprache ist abhängig von der biologischen Struktur, den Gefühlen und der verbalen Sprache, weiß er. Die Sprache muss dabei auf das System Körper übersetzt werden und das birgt so manche Tücken, auch im interkulturellen Berufsleben. Denn nicht alle Sprachen haben dieselben Begriffe. "Die Inuit haben alleine 24 Begriffe für verschiedene Zustände von Schnee", nennt er ein Paradebeispiel dafür. "Die Begriffe prägen aber das Denksystem und daraus entstehen die kulturellen Unterschiede."
Gefühle – Denken
"Kommunikation basiert in erster Linie auf emotionalem Verständnis. Man arbeitet ja auch nicht für Geld, sondern dafür, was man damit machen wird, Gefühle stecken dahinter", ist er überzeugt. "Gefühle sind das Ich, Gefühle motivieren - daher keine Angst vor Gefühlen", verkündet der Pantomime. Gefühle nicht zu zeigen, verbrauche hingegen nur viel Energie.
Doch Gefühl verlange auch Wahrnehmung - nur so könne Kommunikation entstehen. Erst danach kann rational über die Lösung eines Problems nachgedacht werden. "Bei einem Geschäftstreffen in der Türkei fängt man vielleicht erst am dritten Tag an Geschäfte zu machen, vorher geht man essen, in ein Hamam und so weiter", nennt Molcho ein Beispiel aus der Geschäftswelt.
Wirkung von innen nach außen
Alles, was man denkt, hat Wirkung auf den Körper: "Hormone, Drüsen, motorische Reaktion - wir müssen einen Übersetzungscode finden. Es gibt keine Zufallsbewegungen, sondern nur Resultate von inneren Bewegungen." Etwas pantomimisch wegschieben, etwas hinter sich werfen, eine 'Idee' eines Mitarbeiters mit einer symbolischen Handbewegung vom Jackett wischen - das sind Beispiele für scheinbar beiläufige Bewegungen, die oft gar nicht richtig als Körpersprache wahrgenommen werden.
Wahrnehmen
Auch die Kleidung des Gegenübers kann Informationen transportieren: Habe jemand zum Beispiel bei einem Seminar einen Pullover locker herum gebunden, wolle er Lockerheit demonstrieren, doch eigentlich beweise es das Gegenteil, weil die Bewegungsfreiheit offensichtlich eingeschränkt ist. "Aber man kann nie sagen etwas ist richtig oder falsch, man sollte nie darüber urteilen, sondern sich fragen wie weit man dem anderen entgegen kommen kann. Die Lösung ist beide Standpunkte zu verlassen um gemeinsam einen neuen zu finden." Samy Molchos Motto: Wahrnehmen nicht werten. (mat)
--> Zur Ansichtssache: Samy Molcho in Aktion