"Benimm ist Teil der Kommunikation"

18. März 2007, 16:00
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Thomas Schäfer-Elmayer plauderte aus seinem Knigge-Repertoire und erklärte Etikette zum Allgemeinwissen

"Etikette ist etwas Steifes", wird oft gesagt, "dabei kommt es darauf an sich in den Anderen hineinzufühlen", stellte Tanzschulenbesitzer Thomas Schäfer-Elmayer gleich zu Beginn seines Vortrags klar. Das gehöre zum Allgemeinwissen und Hilfsbereitschaft sei ein Grundelement für gutes Benehmen. An einigen Beispielen erklärte er die einfachen Kniffe des guten Benehmens und diese gelten sowohl für den Umgang mit Kunden als auch für andere zwischenmenschliche und berufliche Beziehungen.

Blickkontakt

Dem Satz 'You never get a second chance for a first impression' musste auch Schäfer-Elmayer beipflichen. Der Blickkontakt habe mit Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis zu tun. "Wir machen uns sofort ein Bild von unserem Gegenüber, sind alle stolz auf unsere Menschenkenntnis und deswegen ständig auf der Suche nach dem bestätigenden Erfolgserlebnis." Ein Negativbeispiel von ihm aus der Praxis: Beim Empfang auf Veranstaltungen ist es extrem unhöflich jemanden zu begrüßen und ihn dabei nicht anzuschauen und zum Beispiel stattdessen nach jemand anderem Ausschau zu halten. Benimm ist schließlich ein Teil der Kommunikation. Ein Positivbeispiel: "Wenn uns jemand sympathisch ist, beeinflussen wir ihn mit einem Lächeln."

Sprechen und Zuhören

Eine typische Situation während der Zugfahrt: "Man versucht mit dem Gegenüber ins Gespräch zu kommen, weil man mehr darüber herausfinden will, was für ein Mensch der Andere ist. Jeder will etwas erzählen, aber generell suchen wir die Themen, die den Anderen interessieren, denn dann wird er sich öffnen."

Ins Gespräch zu kommen ist für Schäfer-Elmayer immer eine Technik von Geben und Bekommen - dabei gibt es kulturelle Unterschiede. "In den USA kommt oft die Standardfrage 'Where are you from?', woraus sich dann ein Gespräch entwickelt - meist mit recht persönlichen Fragen. Ganz anders in Europa: Da ist man etwas reservierter, man ist die Offenheit hier nicht so gewöhnt. Daher ist eine andere Technik gefragt um ins Gespräch zu kommen. Man setzt nicht auf Fragen, sondern auf positive Feststellungen um ein Gespräch zu beginnen. Als Paradebeispiel gelten da die Briten mit 'Isn´t ist a nice day'."

Grüßen

"Grüßen ist ein natürliches Bedürfnis aller Lebewesen." Grüßen kann man auf verschiedene Arten. "Das heute immer mehr verbreitete 'Bussi-Bussi' kommt vom französischen Hof, dort hat man bei der Audienz dem König seine Probleme ins Ohr geflüstert."

"Der Händedruck beim Grüßen soll grundsätzlich von der Frau ausgehen, Männer sollten darauf warten. Ich erlebe aber oft, dass Damen erwarten, dass ich ihnen die Hand entgegenstrecke, da ist dann wieder Einfühlungsvermögen gefragt", so die Ansicht von Schäfer-Elmayer. Mit Grüßen könne man auch die Situation in Sekundenschnelle positiv ändern. Lächeln beim Grüßen kann beispielsweise die Stimmung beim Anderen heben und auch die Chance bieten, den ersten Eindruck zu verbessern.

Vorstellen

"Will man jemanden vorstellen ist die Frage 'Darf ich vorstellen…?' wichtig, um damit alle Beteiligten darauf vorzubereiten. Dabei sollten immer die Namen beider, die einander vorgestellt werden, genannt werden, sonst ist das unhöflich."

"Wir sind das Unternehmen"

"Wir sollten auch in unserer Freizeit nicht ganz vergessen, dass wir Teil des Unternehmens sind, für das wir arbeiten. Ein Beispiel: Die Umsätze einer Bankfiliale gingen zurück, man konnte aber die Ursache dafür nicht finden. Plötzlich hat man herausgefunden, dass das Gerücht im Umlauf ist, einer der Mitarbeiter sei Alkoholiker. In Wirklichkeit war der Mann am Wochenende nur ein bisschen angeheitert von einem Fest nachhause gegangen. Daraufhin musste man ihn versetzen, zum Glück war das möglich – andernfalls hätte man ihn kündigen müssen."

Tischmanieren und Kleidung

Im Kundenkontakt sei passende Kleidung noch immer das Um und Auf: "Aufgrund der Kleidung schließen Kunden auf die Kompetenz." Auch die Essmanieren sind wichtig: Das Besteck richtig zu halten sei beim Geschäftsessen ein Muss. Ein Beispiel: "Bei einem Geschäftsessen in Japan in einem Western Style Restaurant ist es peinlich, wenn ein Europäer nicht richtig mit dem Besteck umgehen kann. Das wäre so, als wenn ein Japaner nicht wüsste, wie er mit Stäbchen umgehen muss."

Die Benimmregeln sind nichts Neues und man möge von manchen halten was man will, aber der Knigge-Seminarmarkt sowohl im privaten als auch beruflichen Bereich boomt. Schäfer-Elmayers Fazit am Ende des Abends lautete: "Viele Unternehmen würden noch funktionieren, wenn die Mitarbeiter Benehmen gelernt hätten." (mat)

  • Thomas Schäfer-Elmayer bei seinen Ausführungen
    foto: derstandard.at/mat

    Thomas Schäfer-Elmayer bei seinen Ausführungen

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