Bluthochdruck macht Männer impotent

Redaktion
6. Februar 2008, 19:42
  • Bis über 80 Prozent der Männer sind betroffen.
    foto: apa/dpa/peer grimm

    Bis über 80 Prozent der Männer sind betroffen.

Über die Hälfte der Männer haben Probleme, auch hypertone Frauen haben keine Lust - Arznei­mittel und Be­ratung der Patienten entscheidend

Am Stammtisch wird darüber halblustig gescherzt, für die Betroffenen und ihre Partner ist die erektile Dysfunktion ein Riesenproblem. Zumeist geht sie auf Schäden der Endothelschicht der Blutgefäße zurück. Sie verlieren die Fähigkeit, sich zu entspannen beziehungsweise zu erweitern. Genau das ist aber auch der Bluthochdruck.

Medikamente führen zum Libidoverlust

Doch viele Medikamente zur Behandlung der Hypertonie führen erst recht zur erektilen Dysfunktion und bei Frauen zum Libidoverlust. Dazu zählen Thiazide, die als Entwässerungsmittel auch in fast allen Kombi-Präparaten enthalten sind. Genauso können ältere Betablocker sowie die eher seltener eingesetzten Alpha-Blocker zwar den Blutdruck senken, aber in vielen Fällen auch zu einer erektilen Dysfunktion führen.

Bis zu 88 Prozent der Männer betroffen

"Die erektile Dysfunktion hat eine große Häufigkeit. Unter den 40- bis 70-jährigen Männern berichten zehn Prozent von schweren Problemen, 25 Prozent von mäßigen und 17 Prozent von leichten. Das sind immerhin 52 Prozent", so die Kardiologin Jeanette Strametz-Juranek. Männer im mittleren Alter mit Hypertonie, zu viel Cholesterin im Blut und Nikotinkonsum sind gar zu 88 Prozent betroffen.

Keine Compliance: Sex statt Medikamente

Die Konsequenz: Nach einem Jahr nehmen nur noch 30 Prozent der Behandelten das Diuretikum (Entwässerungsmittel) und nur noch 40 Prozent den Beta-Blocker. Auch die Kalzium-Antagonisten liegen mit einer Einnahmerate von 38 Prozent schlechter als andere Blutdrucksenker. Auf Sex wollen die Männer wegen ihrer Hypertonie nicht verzichten.

Betablocker senken Testosteronspiegel

"Betablocker wie Atenolol und Carvedilol senken den Testeronspiegel im Blutserum. Da ist auch bei Frauen so", betont die Expetin. Was sich als therapiebedingte Impotenz beim Mann zeigt, präsentiert sich bei den Frauen als sprichwörtliche Unlust.

Moderne Medikamententherapie wählen

Der Urologe Georg Schatzl von der Urologische Universitätsklinik Wien rät in vielen Fällen, mit einer geschickteren Auswahl der Hypertonie-Medikamente das Problem zu beheben. Angiotensinrezeptor-Antagonisten, moderne Betablocker wie Nebivolol, ACE-Hemmer und Kalzium-Antagonisten dürften weniger Nebenwirkungen in diesem Bereich verursachen.

Problem beim Arzt ansprechen

Entscheidend, so der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin, Erwin Rebhandl, ist aber die Beratung durch den Arzt, denn sonst kämen langfristig weitere Erkrankungen hinzu. Nicht zuletzt weil die Hypertonie als größter Risikofaktor für den Schlaganfall und einer der größten für den Herzinfarkt bleibt.

Von 100 Betroffenen ist nur bei 60 Prozent die Krankheit überhaupt diagnostiziert, nur 40 Prozent werden behandelt und nur bei 30 Prozent wird er Erfolg auch kontrolliert. (APA, red)

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16 Postings
Bekannte Sache!

Deswegen messe ich potenziellen Gespielinnen beim ersten Date den Blutdruck. Ist er zu hoch, verabschiede ich mich sofort.

ich denk es kommt auf die körperstellen an, in denen bluthochdruck vorhanden ist

Warum um Gottes Willen Entwässerungsmittel gegen Blutdruck?

Das ist doch ungesund!
Tät ich auch nicht nehmen.
Auch der Rest der Medikamente hört sich ungesünder an als der hohe Blutdruck selbst.
Und weil im Artikel immer von Sex die Rede ist: Das beste Mittel gegen hohen Blutdruck ist regelmäßiger Sex. Aber nicht regelmäßig einmal in der Woche, sondern mindestens täglich.

Aha ...

vermutlich sind Sie jetzt gerade dabei. Um der Gesundheit wegen.

Warum nur Medikamente ?

Warum wird nur von medikamentöser Beeinflussung des Bluthochdruckes gesprochen ? (Die noch dazu oft nicht funktioniert und massive Nebenwirkungen hat - bis hin zu Depressionen.)

Entspannungsformen wie Autogenes Training, Ernährungsumstellungen, Stressreduktion, Psychotherapie etc. sind viel effektiver und führen anstatt belastender Nebenwirkungen meist zu gesteigerter Lebensqualität.

Und kosten viel weniger ...

Vielleicht spricht man gerade deswegen (aus Sicht der Pharma-Unternehmen) nicht so gerne über wirksamere und besser verträgliche Alternativen ...

die meisten leute schlucken aber lieber tabletten, als ihren lebensstil zu ändern. traurig - ist aber so..

regelmässige körperliche bewegung fördert die durchblutung ALLER körperregionen, senkt den blutdruck, fördert das abnehmen, vermindert die gefahr an diabetes zu erkranken (auch ein impotenz-macher!!!)...

und nicht vergessen: regelmässiger sex, onanieren und zeit für erotik - damit lassen sich schon mal ein grossteil der impotenzler auf lange sicht therapieren.

Impotenz mit Sex therapieren? Das ist aber schwer unlogisch... schließlich können diese Männer keinen Sex haben, deswegen bezeichnet man sie ja als impotent...

Na, dann halt erst ein bissl bewegen, dann steht wieder ein bissl was, das gleich in die Hand nehmen, radfahren oder schwimmen gehen, und dann geht alles wieder wie vorher.

Ihr Wort in Göttinnen Ohr ;-), oder anders ausgedrückt, das hilft vielleicht bei kleineren Problemchen, aber nicht bei jemand, der wirklich impotent ist.

Was heißt bei dir "wirklich impotent"?

Wenn es der Blutdruck ist, der impotent macht, dann weiß mann ja das eine Weile vorher und kann dem entgegen wirken - u.a. händisch.

heißt, dass der Mann keine Erektion bekommen kann - egal ob er Hand anlegt oder sie das macht. Ich glaub vorher wissen das die wenigsten, irgendwann klappt's einfach nicht mehr, manche nehmen Viagra und andre geben auf... und ganz wenige gehen zum Urologen, was das Gescheiteste wär.

Stimmt.

Sex ist so gesund. Wenn es den als Medikament in der Apotheke zu kaufen gäbe, würde er 70% der alten Medikamente verdrängen.

Ich hoffe,

Sie meinen "Masturbieren" - ist im Vergleich zur Onanie die schönere Variante....

Diese Zahlen sind noch viel zu optimistisch.

Nach ernst zu nehmenden Untersuchungen sind tatsächlich weniger als 5% (sic!) aller Hypertoniker wirklich gut eingestellt.

Und ich würde auch wagen, zu behaupten, dass mehr erektile Dysfunktion durch Antihypertensiva als durch die Grundkrankheit selber entsteht, was in dem Artikel ja eigentlich auch angedeutet wird, aber nicht ganz klar herauskommt.

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