Haiders Tsunami-Hilfe im Zwielicht

6. Februar 2008, 15:25
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"Kärnten-Dorf" für Tsunami-Opfer in Banda Aceh war laut Rechnungshof zu teuer - SPÖ und ÖVP schalten Staatsanwalt ein

Klagenfurt - "An den Dächern buckelförmige Verformungen, Risse in der Dachhaut, zahlreiche Feuchtigkeitsschäden in einzelnen Häusern, die Elektro- und Sanitäteinrichtungen teilweise defekt und in äußerst schlechtem hygienischen Zustand ...": Die Mängel, die der Kärntner Landesrechnungshof beim Spendenprojekt "Kärnten-Dorf" für Tsunami-Opfer in der indonesischen Provinz Banda Aceh auflistete, wurden mittlerweile behoben. Doch was mit rund 1,2 Millionen Euro Steuermitteln von Land und Bund sowie Spendengeldern (331.000 Euro) passiert ist, beschäftigt nach dem Lautwerden weiterer Details aus dem Rohbericht des Rechnungshofes nun die Klagenfurter Staatsanwaltschaft.

Die erste Anzeige wurde vergangenen Freitag von BZÖ-Obmann Stefan Petzner erstattet. Sie betrifft den indonesischen Honorarkonsul Christian Bradach sowie die "Kärnten-Dorf"-Architektin Jana Revedin. Revedin weist die Vorwürfe empört zurück. Allein Bradach wäre zu einer Kontrolle befugt gewesen.

"Sittenbild" mit Spendern

"Die Anzeige des BZÖ ist nur eine Flucht nach vorn: Verantwortlich sind Haider, Bradach sowie der Haider-Vertraute vor Ort, Franz Koloini, und der Leiter von Haiders Bürgerbüro, Siegfried Wuzella", glaubt SPÖ-Geschäftsführer Gerhard Passegger. Die SPÖ hat am Montag ihrerseits mit Anzeigen reagiert, gleichzeitig mit der ÖVP. Auch der Kärntner Landtag wird sich kommenden Donnerstag mit der Causa beschäftigen. VP-Chef Josef Martinz spricht von einem "Sittenbild, das den lockeren Umgang des BZÖ mit Spenden und Steuergeld dokumentiert".

Konkret werfen die Rechnungsprüfer den Projektverantwortlichen Geldverschwendung und völliges Versagen bei der Baukontrolle vor. So sei die Bauleistung (Gesamtkosten rund 960.000 Euro) um 204.000 Euro teurer eingekauft worden, als ursprüngliche Anbote ausweisen. Der Generalunternehmer sei überhaupt ohne Ausschreibung ausgewählt worden. Ein Vergleichsprojekt des SOS-Kinderdorfes in derselben Provinz sei um etwa 30 Prozent billiger gewesen, sagt der Rechnungshof.

Delegationen

Ungeklärt ist auch der Verbleib von 108.000 Euro, die noch auf dem Konto der in Indonesien eröffneten Carinthia-Stiftung liegen sollten, über die das Projekt finanziell abgewickelt wurde. Mehrmals flog eine Kärnten-Delegation unter der Leitung von Bradach nach Banda Aceh, teilweise sogar Business-Class, um Erkundungen durchzuführen. Das Upgrading wurde allerdings aus eigener Tasche bezahlt.

Das Vor-Ort-Projektteam bestand aus Koloini und Wuzella, Architektin Revedin sowie Erika Napetschnig, Haiders Kulturamtsleiterin. Allein der administrative Projektaufwand wurde vom Rechnungshof auf rund 180.000 Euro beziffert. Mit Bradach und Revedin gab es Werkverträge, die die Fertigstellung und Inbetriebnahme des Projekts sicherstellen sollten.

Dorf stand leer

Nach der Eröffnung 2006 mit Landeshauptmann Haider, der damals mit Kindern vom Foto lachte, blieb das Dorf lange leer. Es wurde erst besiedelt, nachdem es vom Hilfswerk saniert und übernommen worden war. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD Printausgabe, 5.2.2008)

  • Jörg Haider und Konsul Christian Bradach (hinten, v. li.) im Land der zweispra-chigen Ortstafeln. Ein Jahr nach Eröffnung des "Kärnten- Dorfs" in Banda Aceh prüft der Staatsanwalt die Geldgebarung
    foto: lpd

    Jörg Haider und Konsul Christian Bradach (hinten, v. li.) im Land der zweispra-chigen Ortstafeln. Ein Jahr nach Eröffnung des "Kärnten- Dorfs" in Banda Aceh prüft der Staatsanwalt die Geldgebarung

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