Oba Córdoba Oba

26. Mai 2008, 20:55
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In meiner Erinnerung war jener 21. Juni 1978, an dem es zur Transsubstantiation...

...eines Fußballspieles kommen sollte, ein unerträglich heißer Sommertag. In meiner Familie aber, wir wohnten noch in Gurk, hingen tiefschwarze Gewitterwolken. Schon morgens waren die Eltern schlecht gelaunt, stritten, wem die untere, wem die obere Semmelhälfte zustand. Als zu Mittag dann auch noch der Gurkeneintopf zu grün war, erschien das Unwetter als Gezänk; erste Blitze gingen nieder. Den Rest des Tages verkroch man sich im Donnergrollen, bis Österreich gegen BRD angepfiffen wurde. Während die Partie anfangs ein Gegurke war, Willi Kreuz sich in Rolf Rüssmann festbiss wie eine Schnecke am Salatblatt, verzahnten sich meine Eltern, sonst ein Herz und eine Seele, in ihren Schimpfwörtern: Gurke, Gurkerich! Kaltz passte zu Hölzenbein, und meine Eltern waren im Getriebe ihrer Streiterei, schalteten Gang um Gang hinzu.

Als Karl-Heinz Rummenigge das 1:0 für Deutschland hachelte, wurde es handgreiflich, Türen flogen, die Tränen hatten Ausgang. Bruno Pezzey stoppte Dieter Müller, und meine Eltern liefen kreischend um das gurkengrüne Haus. Die reinste Hölle! Dann der Umschwung. Berti Vogts, der Terrier, gurkte ein Eigentor, und Hans Krankl pfefferte die Unsrigen in Führung. Jetzt hatte man den Salat. Bei uns flogen Schallplatten durchs Wohnzimmer, Disco '77 und Udo Jürgens größte Hits. Angeblich ist ja Jürgens Gurkensalatstimme bei Frauen so beliebt, weil seine Refrains ähnliche Wellen hobeln wie die weibliche Klimax.

Postwendend schlug nicht nur der Ausgleich in den konziliant gehüteten Kasten, sondern auch ein Glas Znaimer Delikatessgurken auf den Spannteppich, so dass die kleinen Gürkchen wie verendende, aus dem Aquarium gefallene Goldfische am Boden zuckelten. Ich bin übrigens der Meinung, der damalige österreichische Bundeskanzler entstammte einer glücklichen Gurkendynastie, während sich sein deutsches Pendant noch heute in die Gurkengrüne raucht. Der Siegestreffer, wo der Sohn eines Straßenbahnfahrers dem deutschen Hühnerfänger ein Gurkerl durch die Beine seppelte, ging ungesehen an mir vorbei, da just in diesem Augenblick der Fernseher durchs Fenster meierte. Damit war der Streit beendet. Im Radio brüllte Edi Finger I wer narrisch, und meine Eltern waren wieder ein Herz und eine Gurke, äh Seele. Auch später stritten sie kaum noch. Nur der Gurkensaftfleck am Teppich sollte uns lange noch an diesen vergurkten Tag erinnern, an dem aus einem Fußballspiel etwas Bedeutenderes werden sollte, ein Essiggurkerl der Nation. (Franzobel, DER STANDARD Printausgabe 5. Februar 2008)

  • Der Ball [3]

    Geboren ist der Ball in Pirmasens - am 22. Februar 1886 - In einer streng katholischen, gutbürgerlichen Familie wuchs er auf

  • Sommermärchen [12]

    Es war einmal in einem Land der grantigen Zwerge und mieselsüchtigen Riesenherzen...

  • Es wird Zeit [3]

    Es wird nun wirklich Zeit, dass sich die EURO aus ihrer Höhle traut und sich den Menschen zeigt

  • Bitte Zahlen! [13]

    Ich sage ja nicht, dass ich ruhig schlafe. Im Gegenteil mitten in der Nacht...

  • Das Blau Algeriens [2]

    Algier, Karwoche, frühsommerliche Temperaturen. Gelb blühende Mimosen, wilde Orchideen, ein strahlend blauer Himmel und...

  • Fußballfrühling [86]

    In den niederträchtigen niederländischen Medien hieß man Österreich ei­ne C-Klasse-Mannschaft und das schwächste Team der EURO...

  • Gewaltig [20]

    Wie sagte einst der unfassbare Helmut Qualtinger? Simmering gegen Kapfenberg, das ist Brutalität...

  • Schiedsrichters Einsamkeit [26]

    Während meiner Schülerligazeit gab es die Legende, ein Schüler hätte auf eine rote Karte dermaßen respondiert,...

  • Imageschaden [40]

    Der eigentliche Skandal um den Amstettener Keller ist nicht, dass man nun bei Sisi und Franzl nicht mehr...

  • Luxusproblem [18]

    Manchmal drückt die Sprache etwas aus, das es gar nicht gibt. In der Autobiografie des bekannten Fußballkommentators...

  • Europameister! [30]

    Auch wenn es niemand für möglich hält, wird Österreich bei der EURO...

  • Harlem Rapid [39]

    Eigentlich wollte ich eine Weile lang nichts mehr von Fußball hören, nichts von Hörn­chen, die Schneckerl heißen, nichts von Gurkerln und Jausengegnern ...

  • Fußball, Porno, Pyramiden [70]

    Manchmal denke ich, dass Fußball eine Art Ersatzbefriedigung ist, die vor allem junge Menschen...

  • Matchbox [18]

    Ein Afrikaner hat unlängst gemeint, dass ihm das Leben in Mitteleuropa wie zwischen zwei elektrischen Drähten vorkommt - wehe...

  • Bärlauchparty [28]

    Ich kann mich noch gut an die Enttäuschung meiner Frau erinnern, als sie erstmals einen Vanillerostbraten serviert bekam...

  • Zum Niederknien [12]

    Es begann mit einem geschwollenen Knie. Als gelernter Hypochonder bin ich gleich zur Not­fall­medizin, Wartezeit drei Stunden...

  • Wuzl und Wuzlerin [23]

    Meine Tante Karin trinkt nicht nur, sie ist auch Kettenraucherin. Früher hat sie Rothändle...

  • Fremdschämen [30]

    Tiere haben sich im Laufe der Evolution enorm entwickelt. Fledermäuse...

  • Hurenwurst [36]

    Einmal habe ich einem fremden Autofahrer beim Radwechsel geholfen. Zum Dank...

  • Oba Córdoba Oba [43]

  • Der Stimmenimitator [23]

    Zumindest in Filmen werden ausdauernd Leichen und Bewusstlose im Kofferraum eines Autos transportiert. Ich erinnere nur...

  • Torstangenbewässerer [70]

    In Österreich etwa hat in den letzten 20 Jahren eine beispiellose Verdeutschung...

  • Pflanzerei [1]

    Warum weinen Menschen? Woher kommt die vermehrte Augenflüssigkeit bei Traurigkeit? Weil...

  • Über die Ungerechtigkeit [1]

    Im Zentrum von Buenos Aires gibt es ein unscheinbares Parkstück...

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Kruemelmonster
00
20.2.2008, 18:03
Die Parallelen zur DDR sind hier erschreckend.

Ich denke da an das "legendäre" 1974er 1:0 Spiel der DDR gegen die BRD. Ähnlich ist es hier. Bis zum bitteren Ende hat man in der DDR das Spiel hochgepuscht. Der selbsternannte "Erzrivale" (damals noch Westdeutschland, DDR komischerweise nicht) war für beide Westdeutschland. Spiele Österreich gegen DDR also eigentlich fast dasselbe (3:0 1989 WM Q) verblassen da völlig. Irgendwie ist die Denkstruktur der Österreicher ähnlich der der jungen DDR, im Streben nach Abgrenzung und Identität.

Günther Hase
 
03
SKANDAL !!!

Herr Franzobel, sehen Sie mal was Sie angerichtet haben ---> http://noe.orf.at/stories/255175/

Da beutelts sogar meinen Nasenpolypen.

drei.bier
10
wia kum dazua

das i vielleicht a no mitdengga
miassat bei dem wos in da zeidung steht
i bin do auf da spuatseitn!

hextns no bis seitefünf oda zeilesiem
oba daun is gnua !

vastehst

Peter Jahn
23
kann mich nur anschliessen

franzobel nervt! und bis zur Euro täglich im standard, in diesem arena08-Kasblattl, und sonst noch überall. Bitte Herr Schriftsteller ziehen Sie die Konsequenzen aus dem Umstand, dass Ihnen schon im Februar nix mehr zu Euro einfällt und schreiben Sie einen Entwicklungsroman! Das ist Ihr erlernter Beruf.

el grande burrito
00
mein favorit von franzobel

das gedicht vom blunzngröstl

Werwurm Fennklupp
 
00

und er nervt weiter...

Fußballgott Acimovic
01
Seids froh, daß er nicht seinen lyrischen Tag hatte

Ode an die Gurke, gurkt so richtig

cycas revoluta
01
mir hat es gefallen

ist doch schön, ein ulkig gurkiger Text über ein überschätztes Gegurke auf gurkengrünem Sport-Grund. Ziemlich fein angerichtet. Oder lesen hier alle wirklich nur die ersten 7 Zeilen?

+ + + + gehirntier mit denkhusten + + + +
02


...das ist kein federleichtes sprachgetrippel eines grandiosen sprachbesessenen, virtuos, witzig und ironisch, geradezu sprachlich-explodierend, nein, vielmehr handelt es sich bei diesem text um ein jämmerliches klagelied des scheiterns, überkünstlich, zu dick, zu viel von allem, ein kronenzeitunghaftes sprachgesäusel: die leser der krone verstehen es nicht, und halten es fälschlich für kunst, die standard leser halten es für unsinn, weil sie es verstehen.

drei.bier
00
des is jo ka kunst

dass i des ned vasteh
waun des mit kunsdt zduan hod

litaratur und fuasboi, geh hea ma auf
des is ma zu kompliziert

ein hoch auf unsere gurkentruppe
unter den lesern

+ + + + gehirntier mit denkhusten + + + +
01


...es geht hier nicht um ein fehlendes sprachverständnis, sondern eben gerade weil dieser text so sehr "über-verständlich" ist, erscheint er uns so lächerlich, schreib den selben text in der krone, und sie werden dich einen geheimnisvollen "künstler" nennen, schreib ihn im standard, und sie werden dich einen kleinbürgerlichen scharlatan nennen, der einen "künstler" spielt.

...ich hätte mir hier so sehr einen ausgezeichneten handke text gewünscht, handke ist möglicherweise ein bisschen teurer als franzobel, aber dafür ist er um längen besser.

cycas revoluta
01
handke?

Das kann doch nicht ihr Ernst sein, lieber Husten. Eine langweilige proserbische Befindlichkeitsprosa?

z24x7
12
oiso

i vasteh euch ned.

mir hods spass gmochd, des zu lesen. echt. is do witzig.

parfen semjonowitsch rogoshin
01
sind sie das höchselbst,

... herr franzobel? wie man hört, verfassen sie sich ihre rezensionen auf amazon ja auch selbst.
schade, dass der buchdruck, der kopierer und das internetz erfunden ist, sonst könnten sie in ihrer manischen schreibwut in irgendeinem kloster sitzen und wenigstens vernünftige texte (ab)schreiben...

z24x7
00
oiso naa, oba echt ned


nein, kein bisschen, ich bin nicht franzobel.

mir hats aber wirklich spass gemacht, seine kurze geschichte zu lesen. sie sehen, sojemand gibts auch.

* * * * the truth is just a trick of light * * * *
15
...franzobel ist schwach, ich hasse diese hoch artifizielle und superintellektuelle lauwarme buchstabensuppe die er hier im saloppen tonfall über den köpfen der tapferen standard leser ausschüttet,

das ist auch garnicht scharf oder witzig formuliert, sondern einfach nur eine art dumpfer und künstlicher hausfrauenlyrik die sich im nirgendwo zwischen stilwillen und grandiosem scheitern verirrt hat.

...zeichent sich hier schon die midlifecrisis dieses mannes ab, man weiß es nicht, doch eines weiß ich sehr genau, es gibt hier jedemenge standard leser und in meinem fall auch standard leserinnen die diesen text hätten besser schreiben können, laßt doch einfach mal satndard leser texte schreiben und veröffentlicht diese, waß weiß ich, wöchentlich einmal.

...das würde der community sicherlich gefallen ;-))

igor malejewitsch pustekuchen
21
Dumpfe, künstliche Hausfrauenlyrik

Das trifft's genau! Absolut entbehrliches Geschreibsel!

Das würde gut in die Tiroler Tageszeitung oder ähnliches passen, da hält man so was für witzig und geistreich. Solche Texte im Standard lesen zu müssen, schmerzt.

Lieber Standard, hab Gnade und beende das!

Quintus Beckloeffel
42

Franzobel, hast du eigentlich Voodoopuppen deutscher Spieler zu Hause, die du, vor dem TV-Match sitzend, mit Nadeln durchbohrst, während deine zweite Hand anderweitig beschäftigt ist?

Free Jazz
24

Ich war richtig schockiert, als ich gehört habe, dass dieser Typ Literaturpreise gewonnen hat.

Laandaks
25
Toll, toll, toll

Schlage für den autor den neuen Künstlernamen Gurkhobel vor.

DPfand
00
dafür

*grünstricherlgeb*

mike sierra
01
Gurkhobel

ist wirklich der exakt passende Künstlername

Hans Pernter
13
ohne es übertreiben zu wollen mit der flamerei

diese kolumne ist mir zu fad. franzobel hatte doch irgendwo versprochen, 2008 die feder halten zu wollen zu allem, was fussball betrifft; wieso hält er das jetzt nicht ein?

Herr Gescheid
13
finde ich auch

ich mag ja sonst die sachen von franzobel. aber das liest sich wie ein schüleraufsatz, bei dem möglichst oft "gurke" vorkommen sollte. einzig der name franzobel hat mich dazu bewegt unter qualen fertigzulesen. ein echtes gegurke dieser artikel. aber möglich, dass das die absicht des autors war...

drei.bier
01
ein vorbild fuer unsere gurkentruppe

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