Web-Tool analysiert Online-Berichterstattung

14. Februar 2008, 12:09
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Neben Häufigkeit wird auch emotionale Wertigkeit berücksichtigt

Ein Forschungsprojekt österreichischer Universitäten hat ein Analysetool entwickelt, mit dem bestimmte Inhalte aus Online-Texten extrahiert und analysiert werden können. Zum Einsatz kommt das präsentierte System neben anderen Anwendungen derzeit vor allem als Analyse-Monitor der US-Wahlkampfsituation. Der "US Election 2008 Web Monitor" verfolgt dabei die aktuelle Berichterstattung zum Thema in mehr als 2.200 Online-Medien und ermöglicht durch ein spezielles Auswertungsverfahren die reflektierte Betrachtung des bisherigen Wahlverlaufs. Neben der Anzahl der Nennungen eines bestimmten Namens analysiert das System dabei auch, ob positiv oder negativ über die Kandidaten berichtet wird.

Wissen

"In unserem Forschungsprojekt geht es darum, aus Online-Texten Wissen zu extrahieren", erläutert Arno Scharl vom Institut für Neue Medientechnologie der MODUL University Vienna gegenüber pressetext. Der US-Wahlkampf werde deshalb analysiert, da er durch eine traditionell umfangreiche Berichterstattung viel Untersuchungsmaterial biete. "Dass Online-Medien generell immer wichtiger werden, ist mittlerweile klar", stellt Scharl fest. Insofern sei es auch eine logische Konsequenz, dass Analysen der Berichterstattung im Internet zunehmend relevanter werden. "Auch dem Trend der vermehrten Blog-Nutzung tragen wir mit unserem Analysesystem Rechnung, indem wir zusätzlich zur normalen Berichterstattung in Online-Medien auch solche Texten miteinbeziehen", so Scharl.

Monitoring

Der "US Election 2008 Web Monitor" dient dabei hauptsächlich als Spiegel der Online-Berichterstattung. "Basierend auf einer Analyse von über 2.200 Webseiten misst das System zunächst die Anzahl der Nennungen eines bestimmten Namens", erklärt Scharl. Gleichzeitig wird aber auch untersucht, wie jemand dargestellt wird. "Mit dem Web-Monitor wollen wir die Wirklichkeit so nahe wie möglich treffen", betont der Medienforscher. Das erfolgreiche Arbeiten des Systems spiegele sich zur Zeit vor allem in einem Trend wieder: "Nach dem Erfolg von Barack Obama in South Carolina steht dieser erstmalig im Zentrum des Medieninteresses", fasst Scharl die aktuelle US-Wahlkampfsituation zusammen. In diesem Punkt habe die Analyse des Web-Monitors eine starke Korrelation zu den realen Ereignissen erreicht.

Analyse

Neben der systematischen Analyse von Web-Texten eröffnet das vorgestellte System aber auch die Möglichkeit zu detaillierten Recherchen, etwa um die inhaltliche Positionierung der verschiedenen Kandidaten zu vergleichen. Zudem bietet es interessante Einblicke in die häufig kontroverse Darstellung der Ereignisse in den unterschiedlichen Medientypen. Besonders lohnenswert ist hier der Vergleich zwischen den Meldungen der Tageszeitungen und der Berichterstattung in Weblogs, welche meist spontaner und emotionaler argumentieren.

Zusammensetzung

Hinter dem Web-Monitor-Projekt steht ein dreizehnköpfiges Forscherteam verschiedener österreichischer Universitäten, das bereits auf langjährige gemeinsame Projekterfahrung zurückblickt. "Der 'US Election 2008 Web Monitor' ist eine von insgesamt drei Anwendungen, die wir derzeit im Rahmen des FIT-IT Semantic Systems Projekt IDIOM durchführen", so Scharl abschließend. (pte)

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