Patent für Gravitations-Generator angemeldet

Redaktion, 04. Februar 2008 15:42
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    Foto: apa/dpa/michael hanschke

    Der Forscher Martin Tajmar will in fünf Jahren einen Milli-g-Generator bauen, der ein Kraftfeld von einem Tausendstel der Erdschwerkraft erzeugt.

Falls sich Experimente eines Seibersdorfer Forschers bestätigen, könnte Schwerelosigkeit auf der Erde simuliert werden

Wien - Seit mittlerweile zwei Jahren experimentiert der Physiker Martin Tajmar von den Austrian Research Centers (ARC) mit der Erzeugung eines Gravitationsfeldes und hat nun ein internationales Patent für ein "Verfahren zur Erzeugung eines Gravitationsfeldes und Gravitationsfeldgenerators" angemeldet.

"Möglicherweise gelungene" Experimente

Bisher galt es als unmöglich, Gravitationsfelder ohne Einsatz riesiger Massen künstlich zu erzeugen - denn Masse ist sowohl im Newtonschen Gravitationsgesetz als auch in der Allgemeinen Relativitätstheorie die ausschlaggebende Größe. Doch Tajmar ist es nach eigenen Angaben "möglicherweise gelungen", in seinem Experiment solche Felder zu erzeugen. Diese würden zwar nur 0,001 Prozent der Erdgravitation ausmachen, liegen damit aber dennoch um rund 20 Größenordnungen über dem, was laut Relativitätstheorie möglich sein sollte.

"Frame-dragging"

Hintergrund des Experiments ist ein Effekt, den die österreichischen Physiker Hans Thirring und Joseph Lense in den 1920er-Jahren vorhergesagt haben, wonach ein rotierender Körper durch seine Masse auch den Raum um sich verdreht. Dieser Thirring-Lense-Effekt, auch "Frame-dragging" genannt, ist ein Phänomen, das erst 2004 durch die exakte Vermessung von Satellitenbahnen bestätigt wurde. Doch dieser Effekt ist so klein, dass an Laborexperimente nicht zu denken war.

Kraftfeld gemessen

Bis sich Tajmar, der das ARC-Geschäftsfeld für Weltraum-Antriebe leitet, diesem Thema widmete und ein Experiment mit einem 15 Zentimeter großen, rotierenden Ring aus supraleitendem Material entwarf. Als bewegte Masse sollte dieser Ring - ähnlich wie die Erde - auch eine Kraft erzeugen, allerdings viel, viel kleiner. Nach anfänglichen Misserfolgen gelang es Tajmar dennoch ein Kraftfeld zu messen - vorerst mit Bewegungssensoren (Accelerometern).

Kollegen in Berkeley rieten dem Physiker, die Messungen mit Laser-Gyroskopen, hochpräzisen optischen Sensoren, zu wiederholen. Auch mit diesen viel genaueren Instrumenten gelang es Tajmar, den bisher registrierten Effekt nachzuweisen, "das wäre wirklich die allererste Messung von Frame-dragging in einem Erdlabor", ist Tajmar überzeugt, arbeitet aber an weiteren Verbesserungen des Experiments, um tatsächlich alle möglichen Fehlerquellen auszuschließen.

Unglückliche Materialwahl

Vermutete er zuerst, dass das Phänomen mit Supraleitung zu tun hat, musste er diese Annahme später verwerfen. Der Effekt tritt zwar erst ab einer bestimmten Temperatur auf, das hat aber nichts mit der Sprungtemperatur zu tun, bei der Supraleitung beginnt. "Ich habe mit Niob unglücklicherweise ein Material für den Ring gewählt, bei dem der Effekt nahe der Sprungtemperatur auftritt", so Tajmar. Er verweist aber auf Aluminium, das gar kein Supraleiter ist, und bei dem "Frame-Dragging" trotzdem zu beobachten sei.

Dem Ferromagnetismus ähnlich

Die Erklärung des Phänomens will Tajmar nun den Theoretikern überlassen, die auch schon daran arbeiten würden. Dennoch nennt er ein "Bild", das alle bisherigen Daten "sehr gut beschreiben kann". Und dieses ähnelt sehr dem Ferromagnetismus: Dort verstärkt ein Eisenkern das in einer stromdurchflossenen Spule entstehende Magnetfeld stark. Ein solcher Ferromagnet funktioniert aber nur bis zur sogenannten "Curie-Temperatur" (bei Eisen 768 Grad Celsius).
Möglicherweise, so vermutet Tajmar, macht der rotierende Ring unterhalb einer bestimmten Temperatur nichts anderes als der Eisenkern: Er verstärkt das von ihm erzeugte Frame-dragging-Feld so stark, dass man es im Labor messen kann.

In Neuseeland genau umgekehrt

Experimente von Forschern in Neuseeland würden nicht nur den von ihm gemessenen Effekt bestätigen, sondern auch Hinweise für diese Erklärung liefern: Das in Österreich, also auf der Nordhalbkugel, erzeugte Fram-dragging-Feld ist viel stärker, wenn sich der Ring im Uhrzeigersinn bewegt, als in der anderen Drehrichtung. "Und in Neuseeland ist es genau umgekehrt", so der Forscher.

So wie etwa die Corioliskraft die Luft der Atmosphäre auf der Nordhalbkugel immer nach rechts ablenkt, auf der Südhalbkugel nach links, könnte es durch das "Frame-dragging"-Feld der Erde eine Art Vormagnetisierung des Rings geben - und zwar in unterschiedlicher Richtung auf der Nord- und der Südhalbkugel. Dreht sich die Scheibe dann in Richtung dieser Vormagnetisierung, könne man den Effekt schön sehen, im anderen Fall messe man kaum etwas.

Eine weitere mögliche Bestätigung seiner Messergebnisse sieht Tajmar in den bisher veröffentlichten Daten der US-Raumsonde "Gravity Probe B", die u.a. den Thirring-Lense-Effekt bestätigen sollte. Dazu rotieren in dem Satelliten vier absolut runde Quarzkugeln im Hochvakuum nahe dem absoluten Nullpunkt (minus 273 Grad Celsius). Festgestellte und bisher unerklärliche Anomalien in der Bewegung der Kugeln würden exakt mit dem von ihm gemessenen Effekt übereinstimmen, meinte Tajmar.

"Gravitationsvariante eines Gleichstromgenerators"

Was auch immer nun hinter dem gemessenen Effekt stecken mag, Tajmar denkt bereits an die Anwendung. "Der Knüller daran ist, dass man einfach eine Kraft auf einen Körper übertragen kann. Wenn man ein Kraftfeld aufbaut, das der Erdbeschleunigung (Abkürzung: g) entgegen wirkt, kann man auf der Erde Mikro-Gravitation simulieren", sagte Tajmar, also Schwerelosigkeit.

Ein solches Verfahren hat Tajmar bereits zum Patent angemeldet. Bei so einem Gravitationsfeld-Generator handelt es sich im Prinzip um "die Gravitationsvariante eines Gleichstromgenerators", sagte der Physiker. Damit ließe sich zum Beispiel in einem Bereich der Maschine Mikro-Gravitation erzeugen, in einem anderen Bereich die zweifache Erdbeschleunigung - beides wäre für verschiedenste Experimente von großem Interesse, ist der Forscher überzeugt.

Milli-g-Generator in fünf Jahren

Ein Ein-g-Generator, der ein gleich starkes Gravitationsfeld wie die Erde erzeugt, müsste einen Durchmesser von rund 200 Meter haben "und ist mit gegenwärtigen Technologien zu bauen, das wäre machbar", sagte Tajmar. Noch hat er aber bescheidenere Ziele: Er will in fünf Jahren einen Milli-g-Generator bauen, der ein Kraftfeld von einem Tausendstel der Erdschwerkraft erzeugt. Gegenüber dem derzeitigen Experiment müsste man den Effekt dafür mindestens um den Faktor 100 verstärken. Dies wäre durchaus noch in den Seibersdorfer Labors möglich, meinte Tajmar.

Kostenfrage

Kosten würde ein solcher Milli-g-Demonstrator nach Berechnungen des Physikers zwei bis 2,5 Mio. Euro. Das sei eine Summe, die aufzutreiben sei, ist Tajmar überzeugt. Interesse an einem solchen Projekt gebe es bereits seitens der EU-Kommission, der ESA und auch von Seibersdorf selbst. Doch die Konkurrenz schlafe nicht: Das US-Unternehmen "The Aerospace Corporation" hat laut Tajmar schon eine Studie begonnen, die zeigen soll, was an der Sache dran ist. (APA)
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Ravi Ravendro
06.02.2008 22:12

gratuliere

PostIt
05.02.2008 19:56
Nasa Institute for Advanced Concepts

http://niac.usra.edu/studies/s... udies.html

die finanzieren derartige forschungen. da sind auch eine menge recht futuristischer sachen dabei. bis auf die technischen details teilweise auch recht lesenswert.

Dust von Dust
05.02.2008 20:18

und bei uns führt man studiengebühren ein und hungert dir forschung aus.

movgp1
06.02.2008 18:44
die AMIs

sparen dafür an anderer Stelle. Deren Bildungssystem ist auch nicht grade berauschend. Außerdem wurden unlängst die Mittel für Teilchenbeschleuniger ordentlich gestrichen.

Hierzulande wird, wenn auch nicht in unsere Schulen, in Projekte wie CERN und ITER investiert.

Dust von Dust
06.02.2008 19:04

in den usa ist das bildungssystem eine katastrophe, ich kenne dort einen lehrer und leute die drüben unterrichtet haben...

cern und iter werden international finanziert, ja stimmt österreich ist auch dabei.

ich meinte hier in österreich werden wir verdummt und die unis sind leider nicht einen mausklick entfernt sondern durch gebühren abgeschottet.

Sogenet
05.02.2008 18:25
Wenn es jemanden interessiert:

Die veröffentlichte internationale Patentanmeldung lautet:

WO 2007/082324 A1



Dust von Dust
05.02.2008 19:00
langsam frage ich mich wie sehr man die menschen verdummen will indem man wissen und bildung einschränkt

danke habe mir das angesehen.

so wie es aussieht ist es nicht patentwürdig da sowas bereits publiziert wurde. frag mich bitte nicht wo, ist über 10 jahre her, gab es damals schon zu kaufen. auf ufo seiten gibt es solche sachen oft, die haben den gleichen aufbau, nach antigravity suchen. die konstruktionen gehen bis in die 1940er jahre zurück.

http://www.heise.de/tp/r4/art... 550/1.html
Zeilinger: Es stellt sich letztlich heraus, dass Information ein wesentlicher Grundbaustein der Welt ist. Wir müssen uns wohl von dem naiven Realismus, nach dem die Welt an sich existiert, ohne unser Zutun und unabhängig von unserer Beobachtung, irgendwann verabschieden.

http://www.zeitgeistmovie.com/

die ufo seiten sind also doch kein unsinn... hehe

Michael Bakunin
11.02.2008 12:31

also wenn du mir nur ein einziges beispiel zeigt, wo hirngespinste wie ufos und antigravitation nachweisbar belegt wurden, würd ich dir ja recht geben. aber so... ist deine aussage "die ufo seiten sind also doch kein unsinn" eine reine nullaussage.

Dust von Dust
11.02.2008 12:39

macht nix, bleib bei deiner meinung und vertritt sie möglichst weiter so lautstark.

Turnham Green
08.02.2008 06:04

ich hab zu diesem thema sogar schon eine doku gesehn,
vor ca 3 bis 5 jahren, da gings auch um supraleiter, die die schwerkraft abschirmen, der film heisst "auf dem weg zum ufo antrieb - von experimenten zur abschirmung der schwerkraft" und hier gibts weiteres darüber:
http://www.science-explorer.de/reports/a... tation.htm

Pumuckel Salzstreuer
07.02.2008 22:26
Antwort von Radio Eriwan...

' ist über 10 jahre her, gab es damals schon zu kaufen'
Im Prinzip ja, ABER die damaligen Versuchsaufbauten haben alle keinen messbaren (und wiederholbaren) Effekt gezeigt - ähnlich wier die 'Cold Fusion' Experimente von Ponds et al. Demnach hat der Gute Seibersdorfer wirklich etwas entscheidendes gefunden - oder das ist ein unglaublicher Hoax, der den notleidenden österreichischen ausseruniversitären Staatsforschern die dringend benötigten Mittel zur Fortführung ihrer Lebensplanung bringen soll...

Nebenbei bemerkt - anmelden kann jeder alles zum Patent, (ein Bisschen) abgeklopft, wenn auch primär formal, ist's erst nach dem ersten Prüfbescheid.

Phil Decker
05.02.2008 18:25
Vielleicht...

versteckt sich ja die dunkle Energie in so einem g-Generator,um es auf den G-Punkt zu bringen...
Ja, es wird heller, immer heller, aber doch noch nicht ganz hell ( eben wegen der dunklen Energie)

cygnusxone
05.02.2008 17:05
Sehr bedenklich

Kann ja sein das ich jetzt total auf dem Holzweg bin, aber ist die Sache nicht eher gefährlich als hilfreich?
Man nehme an, in 40 Jahren gibt es in jedem auto einen anit g Generator. Ab wann wirkt sich das auf die Gravitations Verhältnisse im Sonnensystem aus?

Beiddenker
08.02.2008 19:08
Wird sich ungefähr so viel auswirken, wie die Albedo ...

... heller Regenschirme auf den Sonnenwind, die gleichzeitig bei Regen aufgespannt werden. Wissen Sie, lt. Reiseführer ist das Universum groß, sehr groß, eigentlich unendlich.

Anoniminia
06.02.2008 12:42

In 40 Jahren wird sich das nicht wirklich ausgehen...

unu hul
05.02.2008 16:48
Details zum Experiment unter

http://arxiv.org/ftp/gr-qc... 610015.pdf

grüße
unu hul

Kapitalismus Luege
05.02.2008 14:24
ein alter Hut,

schon zig mal ausgetestet.

Habe in ein paar Promille investiert, und schon hat sich die Schwerkraft vestaerkt. - und gedreht hat sch auch was...

penner penner
05.02.2008 16:14
ach

Du bist so neunmal klug wie?

a grünes stricherl
 
08.02.2008 07:02
und sie haben das posting ganz bestimmt verstanden?

leichen heini
 
05.02.2008 12:26
ENDLICH!

ich brauch das dringend, weil mir fallt 100 mal am tag was runter.

flaumig aber knusprig doch zugleich
05.02.2008 18:12

was sie brauchen ist kein gravitationsgenerator sondern zwei rechte hände (oder zumindest nicht zwei linke).

;)

Van Braun
05.02.2008 11:21
Die größte Innovation seit der kalten Fusion!

Dust von Dust
05.02.2008 11:10

es wird sicher noch dauern bis das in der praxis weitverbreitet ist.

unfrieden
05.02.2008 10:55

Seit langem wieder mal ein Artikel, den ich, trotz nicht unbeachtlicher Länge, gänzlich gelesen habe.

Fand ich sehr interessant.

Ich freu mich schon auf diverse Festivals und Rummelplätze in 10 Jahren, wo dann diese Schwerelosigkeitsgeneratoren stehen werden. :)

Ich weiß nicht, ob es nur am Standard und daran, dass er eine österreichische Zeitung ist, liegt, aber das frage ich mich schon seit längerer Zeit: Sind die Österreicher wirklich so gute Physiker?

Alexander Forst-Rakoczy
05.02.2008 15:58

Ja, in Österreich gibt es wirklich sehr viele, gute Physiker.

Sie haben nur das große Problem, dass es kaum Stellen für sie gibt, Projekte kaum finanziert werden, sie "zuerst ins Ausland gehen" müssen, damit sie nachher theoretisch nach Österreich zurückgeholt werden könnten aber leider dann noch immer keine Stellen für sie in Österreich da sind und noch immer nichts gscheit finanziert wird.

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