Österreichisches Bundesheer hält an Einsatzplan fest

4. Februar 2008, 11:09
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Soldaten sollen heute verlegt werden - Offizier: "Was zwischen Regierung und Rebellen passiert, das geht uns nichts an" - Französischer Sprecher: "Wir beobachten genau" - mit Grafik

Ein mit der Verlegung österreichischer Soldaten befasster Offizier kommentiert die Kämpfe im Tschad mit distanzierter Trockenheit: "Was zwischen Regierung und Rebellen passiert, das geht uns nichts an." Tatsächlich ist die gesamte Eufor-Mission als neutrale Schutztruppe für die Flüchtlinge im Osten des Tschad konzipiert - und dass jetzt einige Bundesheer-Soldaten in N'Djamena festsitzen, hat mehr mit dem durch die schlechte tschadische Infrastruktur geprägten Aufmarschplan als mit dem eigentlichen Auftrag zu tun.

Nach offiziellen Angaben sitzen derzeit 14 Bundesheer-Angehörige in N'Djamena fest, im Hotel Libya, wie das Kempinski-Hotel auch genannt wird. Sie sollen heute zum Flughafen verlegt werden, wie Verteidigungsminister Norbert Darabos heute im Ö1 Morgenjournal angekündigt hat.

Gefahr

Es sei derzeit nämlich gefährlicher, sich innerhalb von N'Djamena zu bewegen als in den Unterkünften zu bleiben, sagte Generalleutnant Christian Ségur-Cabanac gestern unter Verweis auf die andauernden Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen in der tschadischen Hauptstadt der Austria Presse Agentur. Diese Kämpfe hätten am Sonntag auch die Franzosen zur Einstellung ihrer begonnenen Evakuierungsflüge bewogen. Ségur-Cabanac betonte, dass sich nicht nur die Österreicher außerhalb des besonders gesicherten französischen Stützpunkts aufhalten. Die Eufor-Soldaten seien auf unterschiedliche Orte innerhalb von N'Djamena verteilt.

Was der Generalleutnant nicht sagte: Offenbar sind außer diesen 14 Soldaten noch weitere Angehörige des Bundesheeres in verschiedenen Einsatzgebieten des Tschad unterwegs. Sie sind sowohl mit Stabsarbeit für die Eufor als auch mit nachrichtendienstlicher Tätigkeit befasst, um den Einsatzraum zu sichern, in den das österreichische Kontingent verlegt werden soll.

Keine Änderungen

Und an diesem Aufmarschplan hat sich, wie dem STANDARD versichert wird, nichts geändert, auch wenn Verteidigungsminister Norbert Darabos Andeutungen gemacht hat, dass österreichische Soldaten bei einer besonderen Gefahrensituation zurückgerufen werden könnten.

Ein österreichischer Offizier: "Force Protection müssen wir - gemeinsam mit den anderen Streitkräften - sowieso machen, je nachdem, wie sich die Lage entwickelt." Entscheidend sei, ob der von der UN zum Schutz der Flüchtlinge erteilte Auftrag erfüllt werden könne. Wenn das der Fall sei, werde wohl an der Mission festgehalten werden, wenn auch unter erschwerten Umständen. Allenfalls werde sich der Aufmarsch um einige Tage verzögern.

"Wir beobachten genau"

Im Pariser Hauptquartier der Eufor-Truppen geht man davon aus, dass sich die Lage rund um die Hauptstadt N'Djamena in den nächsten zwei Tagen klären wird. "Wir beobachten genau, die Dinge können sich in Afrika schnell ändern", sagte der Sprecher der Mission, Oberst Philippe de Cussac, zum Standard.

Die Verzögerung könne einige wenige Tage, aber auch Wochen betragen. "Wenn es länger dauert, überlegen wir natürlich auch, die Truppen, die bereits vor Ort sind, wieder zurückzuholen."

Keine Absage der Mission

Sie würden dann in ihren Heimatländern "standby", also auf Abruf, zur Verfügung stehen. Eine Absage der Mission stehe sicher nicht zur Debatte. Eine solche Absage wünschen sich die österreichischen Oppositionsparteien - zumindest was das Bundesheer-Kontingent betrifft.

Er werde bei der Sitzung des (auf Initiative der FPÖ einberufenen) Nationalen Sicherheitsrates am Donnerstag einen entsprechenden Antrag einbringen, kündigte der Grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz am Sonntag an. Die österreichische Beteiligung an Eufor drohe nämlich zu einem "Desaster zu werden". Pilz wiederholte, dass der Einsatz schlecht vorbereitet sei und nicht mit der Neutralität vereinbart werden könnte. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Peter Fichtenbauer (FPÖ), spricht von blankem Chaos. (Conrad Seidl und Michael Moravec, DER STANDARD, Printausgabe 4.2.2008)

  • Beim Bundesheer hält man an den Einsatzplänen fest.
    foto: corn

    Beim Bundesheer hält man an den Einsatzplänen fest.

  • Warten auf Klärung der Lage: Jean-Philippe Ganascia, französischer Brigadegeneral, ist Kommandant der Eufor-Mission im Tschad.
    foto: epa/brahim

    Warten auf Klärung der Lage: Jean-Philippe Ganascia, französischer Brigadegeneral, ist Kommandant der Eufor-Mission im Tschad.

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