
Hinweis:
Die Platte "obituary for a lost mind" von Marilies Jagsch wird am 21.02.2008 in der fluc_wanne präsentiert.
Die Sinnsuche ist in der Musik wieder angesagt und wo – wenn nicht im Folk – ist sie gut aufgehoben. Von der Folkwelle getragen lässt sich so einiges neu erzählen, ohne in den Verdacht des Plagiats zu kommen. Hübsch gewobene Klanggespinste trägt Marilies Jagsch da vor mit sanfter, bisweilen ins Brüchige abgleitender Stimme, ganz wie es dem Stoff, aus dem ihre Lieder sind, geziemt. Thank you tränkt den grauschwarzen Nachmittag mit Melancholie. Mit zwischendurch engelsgleicher Stimme hingepinselte Impressionen flimmern in Ghosts. PJ Harvey lässt grüßen, manchmal kommt man auch in Versuchung an die Stimme der traurigen Patty Smith zu denken.
Protest vom Wurm
Mit dem grau-schwarz-weißen Cover mit melancholischem Motiv und dem Titel Obituary ("Nachruf") drängt sich das "Weltschmerzklischee" schnell auf. Auch weil Marilies Jagsch optisch selbigem zumindest nicht entgegen wirkt. Gott sei Dank gibt es da Textstellen wie Rainworm’s singing a protest song/about being chopped in two aus Concrete Garden, die sich zwischen Klischee und Realität drängen. Das beste aber ist, dass man der Sängerin glaubt, dass sie fühlt was sie singt. Was können Künstler mehr wollen. Auch gut, dass ihr Kosmos sich nicht nur auf schwarz-weiß beschränkt, sondern dazwischen viel grau Raum greift. Je öfter man zuhört, um so mehr grau verdrängt schwarz-weiß. Sollte man die Musik in Bilder übersetzen, so tauchen Winterauen auf, nebelig verhangene Wälder und einsame Landstriche. Das Debütalbum der Musikerin (Asinella Records) ist für ein Erstlingswerk recht gelungen. Wohldosierte Traurigkeit für die mit Pathos sparsam umgehende Jugend, für ein bisschen Theater, nur soviel, dass man sich den Spaß nicht verdirbt. Eine musikalische Predigerin mit viel Inbrunst und das ganz in jugendlichem Überschwang, puristisch instrumentiert von bekannten Gesichtern.
Musikalische Miniaturen
Unter der Leitung vom Münchner Produzenten Kalle Laar klingen die Beats von B. Fleischmann (Concrete Garden), in die Tasten greifen Clara Luzia-Sideman und Producer Alexander Nefzger. Zu "Wort" kommen außerdem die Gitarre von Ernst Molden (Ghosts) und Konstantin Jagsch am Bass und die halben A Life, A Song, A Cigarette drechseln Orchesterminiaturen (Stephan Stanzel voc & slide guit, Daniel Grailach drums, Lukas Lauermann cello). Auch ein Banjo (Christina Hubauer) und das Vibraphon von Gernot Scheithauer (Liger) mischen.
Alle zusammen lassen viel Raum für die Protagonistin – "und den nimmt Marilies Jagsch mit großem Atmen und enormer Kraft" heißt es im Promotion-Text. Und das kann man durchaus so stehen lassen. (mareb)
Neues von Velojet, Fehlfarben, den Magnetic Fields, Neoangin und - huch! - auch wieder von Shakespears Sister
Jackie Oates, junge Folkfrau aus England, füllt auf ihrem dritten Album "Hyperboreans" gekonnt neuen Wein in alte Schläuche
Grob skizziert wider die Beliebigkeit: Mit "Goodnight Unknown" zieht sich Lou Barlow wieder in die Intimsphäre zurück
Verruchte Vamps und Desperate Housewives der 70er Jahre: Ein vergessenes Kapitel deutschsprachiger Musikgeschichte
Der US-Singer/Songwriter seziert auf seinem jüngsten Album den American Dream und lässt wieder die Gitarren regieren
Rock-Zampano Jack White gönnt sich mit Dead Weather eine Drittband und entführt lustvoll in die düsteren Untiefen des Dies- und Jenseits
Das zweite, bessere Best-of-Album der Post-Britpopper Blur erzählt die Geschichte von Aufstieg und Wandel von Cool Britannia
Reiche Jungs, dumme Mädchen und alte Drecksäcke: Was Linda Carlsson alias "Miss Li" auf "Dancing The Whole Way Home" bewegt
Vom Bisamberg nach Hernals oder die Suche nach dem Entrischen: Schön schauriger Streifzug durch die "Woed" in Wien
Regina Spektor breitet mit ihrem fünften Album "Far" ihren eigenen musikalischen Kosmos weiter aus
25 Jahre nach ihrer Gründung klingt die Band Dinosaur Jr. auf "Farm" frischer, fröhlicher und melodischer als jemals zuvor
Das dritte Album der Lieblingsband aus Newcastle bietet neben Krisensound vor allem Stagnation auf hohem Niveau
Patrick Wolf hat sein viertes Album "The Bachelor" durch Fan-Unterstützung finanziert - zwei InvestorInnen ziehen Bilanz
Ein Tribute-Sampler zu Ehren der Goldenen Ära des Neuseeland-Pop: "Not Given Lightly" aus dem Hause Morr
Der letzte aller Jahresrückblicke wird auf die Musik geworfen: Dreimal subjektiv das Beste in Sachen Pop - Ergänzungen Ihrerseits sind wie immer willkommen
Sex, Sünde und Religion: Amos verhandelt auf ihrem zehnten Studioalbum die Geschlechterrollen neu
Love can do you like a Shotgun: Die Cardigans sind in die Pause gegangen, aus der sie vielleicht nicht mehr zurückkommen, und Nina Persson haucht ihrem Zweitprojekt neues Leben ein
Mit ihrem zehnten Studioalbum schließen die englischen Meister der düsteren Romantik an ihre besten Zeiten an
Der Frontalzusammenstoß der Cello streichenden Finnen spielt sich nicht nur zwischen den Genres ab. Gäste sorgen dafür, dass die Welt am Untergang vorbeischrammt
Der Himmel weiß, was ihm im sonnigen Frankreich widerfuhr, sau(teu)rer Wein oder ein existenzielles schwarzes Loch: Kevin Ayers oder wie das Leben tönt
Dialekt und Dialektik ... "I hob ma die zedeh aukoarcht und mi gfreit wia da wö"
Das Duo bat um Remixes - geliefert wurden sie unter anderem von Mr Oizo und The Neptunes
Sehr frühe und bislang unveröffentlichte Stücke des US-amerikanischen Komponisten
Erliegen wir dem Hype? Kein Kauf, den man bereuen würde, aber ...
Soundpolitisierung in Reinkultur vom britisch-asiatischen Kollektiv
Kritische Texte und tanzbare Musik vom Londoner Sound-Kollektiv
Ein geglückter Wechsel vom Französischen zum Englischen
Weder Abstraktion noch Hermetismus: Das englische Computermusik-Duo mit seinem achten Album
Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.