Fade Frösche in Mantua

  • Kein Pflichtprogramm in Mantua.

Osteria ai Ranari
Via Trieste 11
Mantua
00390376328431
Lunch zu zweit mit Wein, Wasser, Kaffee: rund 85 Euro.
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    Kein Pflichtprogramm in Mantua.
    Osteria ai Ranari Via Trieste 11 Mantua 00390376328431 Lunch zu zweit mit Wein, Wasser, Kaffee: rund 85 Euro.

Gewaltige Portionen, aber überschaubare Freude zwischen den Palazzi, schmollt Harald Fidler

Man hat immer zuwenig Zeit in Italien. Nicht, weil wir hier besonders langsam essen, wie das Mantra der roten Bibel für Schneckenfreunde nahe legt. Und ganz gegen Slow Food hab ich dauernd Stress: Dieses oder jenes Lokal? Beide gehen sich bei meinen Rundreisen praktisch nie aus. Meist liege ich eh goldrichtig. Aber in Mantua bin ich unsicher, ob ich mich richtig entschieden habe.

Mittags braucht es Stärkung zwischen der größten zusammenhängenden Palastanlage Italiens und dem Palazzo del Te. Nach langem Hin und Her entscheide ich mich für die im Osteriaführer als neu gelistete Osteria ai Ranari. Frösche, ich gebe es zu, mag ich schon ganz gerne - auch wenn ich stets hoffe, dass sie einigermaßen schonend zu Tode gekommen sind. Ranari, das sind die Frösche hier.

Trockene Amphibie

Diesmal landen die Tiere allerdings in einer an sich anständigen (und gewaltig portionierten) Frittata mit viel Zwiebel, wo sich die sonst sympathischen Amphibien geschmacklich alleine durch eine gewisse Trockenheit hervortun. Für ein so feuchtigkeitsaffines Tier fast eine Kunst.

Sehr trocken (und etwas lieblos) fiel hier schon das Risotto al pilota (mit Wurst) aus, auf das man in der Gegend öfter trifft. Nicht trocken, aber dafür viel zu penetrant süß die Tortelli di Zuccha - dank noch viel mehr Amaretto als vor einiger Zeit die Bergamasker Wurst-Casoncelli, nachzulesen mit einem Klick hier. Ich bin ja bei süß sehr empfindlich, aber auch meine Begleitung schreckte das geradezu ab. Sättigung nach drei Bissen.

Toller Hecht

Dabei hatte das Essen so nett begonnen mit Hecht mit gebratenen Zwiebeln, Pinienkernen, Rosinen und getrockneten Paradeisern auf Polenta - zwei Rufzeichen von drei in der Schmecks-Wertung. Die Schnecken in Umido indes schmeckten vor allem nach der Gemüsebrühe.

Vielleicht hätten wir uns doch nach dem Hecht einfach auf die unglaublich umfangreiche Schinkenauswahl stürzen sollen, die eine ganze Seite in der Speisekarte füllt. Auch der Käsewagen stank so einladend herüber - aber dafür war nach Frittata und Risotto einfach kein Platz mehr. Mein Faible für Frösche überdenke ich erst einmal. Und das nächste Mal in Mantua probier ich die Trattoria Due Cavallini. Ich sag nur: Kutteln und Pferdefleisch! Warum nicht gleich, Fidler?

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.
Warnhinweis: Dass ich die eine oder andere Speise fehlerhaft ab- und/oder aufgeschrieben habe, kann ich jetzt schon garantieren. Für Korrekturen und Anregungen stets dankbar. Warnhinweis 2: Versuchen Sie besser nicht, diese Italienische Reise in der Schmecks-Reihenfolge auf der Landkarte oder gar in der Realität nachzufahren - die Route entspricht nicht der Abfolge in dieser Kolumne :)

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