18. November 2008, 17:00
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Harald Fidler futtert sich durch Medienkantinen des Landes - Teil 2

Du sendest, was du isst: : Schwere Kost auf dem Küniglberg

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Als hätten es die ORF-Mitarbeiter gerade nicht schwer genug mit 100 Millionen Miese 2008, Sparplänen, geplanten Nulllohnrunden, Auslagerungen, und dergleichen. Auch das Essen auf dem Küniglberg ist nicht gerade leicht.

Gerd Bachers "bester Erdäpfelsalat der Welt" ist lange Geschichte: Den lobte der ORF-General stets bei den Sitzungen seines Aufsichtsrates, das damals noch Kuratorium hieß. Wahrscheinlich wollte er nur deshalb zweimal als ORF-General partout zurück auf den Küniglberg. Schnitzel gab es damals immer, Gulasch oft, eine klare Suppe, Paradeiser- und Gurken- und eben den berühmten Erdäpfelsalat. Alles serviert vor dem Sitzungssaal, wo die Journalisten darauf warten, dass einer der Räte herauskommt, um beim Essenfassen von der an sich geheimen Sitzung zu erzählen.

Majo statt Butter

Daran lag wohl, dass Monika Lindner das Essen für die Stiftungsräte in den Sitzungssaal verlegte. Ihr bisweilen etwas problematisches Verhältnis zum Medienjournalismus in der Zeit als Generalin ist ja bekannt. Dass auch die berüchtigten Sandwiches vor der Tür (große Haufen Eiaufstrich, gewaltige Mayonnaiseportionen als Butter-Ersatz...) eine Zeitlang ausblieben, war ein angenehmer Zwang entweder zur Diät oder zum erträglichen Allerweltssushi aus dem so genannten "Sondergastraum" (ein Fluchtpunkt für hungrige Kantinenverweigerer auf dem Kü'berg).

Die Stiftungsräte bekommen seit 2007 kein warmes Essen mehr - Sitzungen damit abzukürzen gelangt bisher allerdings kaum. Da war schon effektiver, dass das Gremium auf Drängen von Rot und Grün Alkohol während der Tagungen untersagte. Manch ORF-Mann und Stiftungsrat schaffte den Stoff dann eben im Plastiksackerl in die Sitzung - oder verlängerte seine persönlichen Pausen ein bisschen zwecks Tankstopp.

Krautfleckerl galore

Journalisten dürfen seit Dienstantritt von Alexander Wrabetz an Sitzungstagen auf ORF-Kosten aus dem Kantinenangebot wählen - Essen, wohlgemerkt, nicht Alkohol. Und weil wir spätestens seit Sascha Walleczek wissen: "Du bist, was du isst", erforschen wir in unsere neuen kleinen Serie über Medien-Mahlzeiten das Kantinenangebot einschlägiger Betriebe.

Ich will jetzt nicht undankbar klingen, aber manche Dinge, die wir da essen, sind etwas schwer, gerade auf dem Küniglberg: der Auflauf etwas zerkochten Gemüses zum Beispiel, den wir schon hatten, oder die gewaltigste Portion (relativ anständiger) Krautfleckerl. Wer soll nach solchen Dehnungsübungen noch arbeiten können? Oder ist das nur ein subtiler Versuch, uns Medienjournaille am Schreiben über den Stiftungsrat zu hindern? Saltimbocca gab's auch schon, das war vor allem ziemlich hart und trocken - Kantinenproblem Warmhalten, nehm ich.

Symptom des Niedergangs

Anderes Angebot: klare Rindsuppe mit Frittaten (angenehm unauffällig, die Frittaten hatten halt schon bessere Tage hinter sich) oder Gemüsecremesuppe (dick, rich im eher unerfreulichen Sinn), gegrilltes Seehechtfilet (gebraten, aber - danke! - ohne dicke Pampe und eigentlich verhältnismäßig ok) mit Mischgemüse (nicht zerkocht!) und Kartoffeln oder Wiener Schnitzel vom Schwein mit Kartoffelsalat. Und jetzt kann ich endlich zum ersten Mal vom Soufflieren schreiben: Davon konnte bei diesem Panierschwein keine Rede sein, die Panier ziemlich fetttriefend und dunkel. Ich darf Kollegen Bruckenberger von der stets objektiv-ausgewogenen APA zitieren: "Ein kulinarisches Symptom des Niedergangs des ORF." Und der Erdäpfelsalat? Bacher, übernehmen Sie! Auf ein sechstes Mal ORF-General kann's doch bitte nicht ankommen.

Eher unerfreulich auch das Backhendl bei einer weiteren Stiftungsratssitzung: blutig am Knochen muss nicht unbedingt sein, oder? Aber auch hier eine gewaltige Portion - ein halbes Huhn, und was für eines. Pius Strobl, als  Kommunikationschef des ORF und Burgenländer ein Universalexperte, vermutete ein "burgenländisches Großhuhn" auf dem Teller, "wahrscheinlich eine Trappe".

"Sendepause"

Da versöhnt mich auch nicht, dass die Kantine vor geraumer Zeit in "Sendepause" umbenannt wurde. Dürfte aber keine Hommage an mein erstes Medienbuch gleichen Titels aus 1999 sein (hab ich übrigens schon erwähnt, dass diese Woche mein Lexikon "Österreichs Medienwelt von A bis Z" im Falter-Verlag erscheint?). Ich vermute eher, dieser Titel signalisiert den Zustand am Arbeitsnachmittag nach dem Kantinenbesuch.

Deep Throat

Das fiel naturgemäß nicht nur mir auf, berichtet ein ORF-Mitarbeiter, der lieber ungenannt bleibt, bevor sich die Kantine womöglich revanchiert. Also quasi der Deep Throat von Schmecks: "Seit seinerzeit durch den Pächterwechsel (vom langjährigen Betreiber zu Sodexho) hat sich die Qualität zwischenzeitlich drastisch nach unten bewegt. Damals wurde sogar vom Betriebsrat eine "Kantinenkommission" ins Leben gerufen, was den Stellenwert des Themas unterstreicht. Dafür freuen sich mittlerweile altgediente ORFler: War früher der Mittwoch der traditionelle Schnitzel-Tag, so werden die Fettflecken mittlerweile auf Wunsch täglich in die Fritteuse geworfen. Unverdrossen wird auch im Jahr 2008 Alkohol ausgeschenkt.

Die Alternativen sind rar: Neben der erwähnten Sushi-Bar gibt es aber für hungrige ORFler 1.) Stockwerkswagerl mit Kuchen, belegten Brötchen, Weckerl etc., die durch ihr notorisches Gebimmel permanent die Stimmung eines Feueralarms verbreiten und 2.) den ADEG, bei dem immerhin bis zu vier Sorten Leberkäs (klassisch, Käse, pikant und Pferd) sowie recht anständige Fleischlaberl erhältlich sind. Die Schlange vor der ADEG-Feinkosttheke gibt an manchen Tagen markanten Aufschluss über die aktuelle Großküchenperformance.

Anekdote anbei: Im Zuge des Pächterwechsels wurde das Kantinenpublikum befragt, und es gab unter anderem einen Ideenwettbewerb, um neue Namen für Kantine, Theatercafe und Sondergastraum zu finden. Für letzteren hatte ein anonymer Kollege die wundervolle Namensidee "Bonzenbeisl". Warum es das letzlich nicht geworden ist, entzieht sich meiner Kenntnis."

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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    Lieber nur Getränke aus der ORF-Kantine - Pago und Cola light. ORF-General Alexander Wrabetz wird wohl wissen, warum.

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