Die Fichten hoch, die Grade niedrig

6. Februar 2008, 17:00
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Tiefe Temperaturen bescheren dem Böhmerwald ein kleines, aber relativ schneesicheres Skigebiet

Manchmal geht es nur ums Überleben. Auch beim Winterurlaub im oberösterreichischen Mühlviertel. Wenn es Mittag wird im Skigebiet Hochficht im Böhmerwald haben die Skifahrer auf den verschiedenen Pisten am Hochficht selber, dem Reichlberg oder dem Zwieselberg meist nur eins im Sinn: Sie streben von allen Seiten, mit eleganten Schwüngen von oben - oder bequemer mit dem Sessellift von unten herauf - dem kleinen Berggasthaus zu, das diesen ganz speziellen Namen trägt: "Gasthaus zum Überleben".

Knallt im Spätwinter die Sonne erst einmal so richtig auf die langen Tische vor der Hütte, gehen die Blicke auch durch den Dampf der riesigen Germknödel, vorbei an den Mühlviertler Leinölerdäpfeln auf ein Panorama, das den Gästen leicht den Atem verschlägt. Rundum beherrschen hier in den Bergregionen des Böhmerwalds zwar nur bewaldete Erhebungen die Landschaft, doch wirken sie wie gigantische Maulwurfshügel in einem Nebelmeer, über das man hinwegschaut zum benachbarten Bayerischen Wald oder in die Ferne. Da bauen sich am Horizont nämlich bereits die vergletscherte Hochgebirgswelt des Dachstein und die Mauern des Toten Gebirges auf.

Man rückt zusammen, macht Platz für jeden, der sich noch unschlüssig umschaut, wo er denn sein Blunzengröstl abstellen kann. Es geht formlos zu, man ist sofort per du mit jedem. Auch mit dem großen, schlanken Skifahrer im modischen Dress, der sich nun etwas überraschend als Martin Felhofer, Abt des Prämonstratenserstiftes Schlägl, vorstellt.

Der Abt mit Aufstiegshilfe

Wenn der Abt auf die Pisten am Hochficht kommt, geht es ihm nicht nur ums sportliche Vergnügen, obschon er als passionierter Fahrer gilt. Der Abt nimmt Hausherrenpflichten wahr, ist doch das Stift als bedeutendster Waldbesitzer hier im Mühlkreis Eigentümer aller Pisten und Lifte und auch der Pistengastronomie. Auch das "Überleben" ist ein Betrieb des Stiftes, welches sich übrigens rühmen kann, seit dem 16. Jahrhundert die einzige Stiftsbrauerei Österreichs zu betreiben.

Hochficht im Böhmerwald ist freilich kein Name, der den internationalen Ski-Jet-Set anlockt. Gott sei Dank, meint der Abt aus voller Überzeugung - zum Glück, sagen die Besucher, die das überraschend schneesichere Skigebiet in der äußersten Nordostecke Österreichs gut versteckt glauben. Die es kennen und schätzen gelernt haben als ein liebenswertes Ziel für den Winterurlaub, das vor allem von Ursprünglichkeit geprägt bleibt.

Es sind somit vor allem Familien, die den Weg in die Ferienregion Böhmerwald finden, Familien, die überwiegend aus Österreich und mittlerweile auch aus dem nahen Tschechien kommen. Andere Kennzeichen tragen nur wenige Fahrzeuge auf den Parkplätzen an der Talstation der Lifte. Man weiß, was das bedeutet: Wo vor allem Menschen aus einer nun wieder zusammengewachsenen, aber überschaubaren Region sich einfinden, geht alles noch ein wenig gemächlicher, vor allem aber preiswerter zu. Das gilt für die Unterkunft ebenso wie für die Kosten der Skipässe, für den Skischulunterricht genauso wie bei der Einkehr im Pistengebiet.

Eine Höhenlage mit maximal 1338 Metern mag nicht gerade atemberaubend sein, doch wer weiß, dass der Böhmerwald seinem Ruf gerecht wird, sechs Monate Winter und vor allem sechs Monate Kälte durchzuhalten, wird beruhigt darauf vertrauen können, dass wenigstens die 20 Kilometer Pisten durchgehend weiß bleiben. Zumal die tiefen Temperaturen nur selten auslassen und heute achtzig Prozent der Pisten notfalls auch künstlich beschneit werden.

Rote und blaue Pistenmarkierungen überwiegen zwar am Hochficht, doch hört man es hier dennoch nicht gerne, wenn das Skigebiet im Grenzdreieck von Österreich, Deutschland und der Tschechischen Republik als Familienskirevier bezeichnet wird. Fürchtet man doch, der Hochficht, der auch über Europacup-taugliche FIS-Strecken verfügt, könne dadurch als Anfängergebiet abgetan werden.

Immer schön eben

Die Langläufer hingegen lassen keine Zweifel darüber offen, dass sie den Böhmerwald zu den Profi-Revieren zählen. Das Nordische Zentrum Böhmerwald bei Schöneben hält 70 Kilometer zweispurige Loipen, begleitet von einer Skatingspur, bereit. Eine der schönsten Loipen führt durch den Wald zum Aussichtsturm am Moldaublick, von wo aus sich ein großartiger Blick auf den unten in der Tiefe liegenden tschechischen Moldau-Stausee bietet.

Apropos tschechisches Gebiet: Vom Nordischen Zentrum sind es nur wenige Kilometer bis zur Grenze, die inzwischen formlos passiert werden kann; ganz nahe liegt also auch das Dorf Oberplan (heute Horní Planá), in dem jener Mann geboren wurde, der wie kein Zweiter in seinen Werken dem Böhmerwald ein Denkmal gesetzt hat: Adalbert Stifter. Sein Geburtshaus in Oberplan ist heute als Museum zu besichtigen.

Wenn sich das Wetter einmal nicht so pistenfreundlich gibt, lohnt auch das Stift Schlägl einen Besuch. Bei einer Führung werden die Besucher durch eine Bildergalerie geführt, in der kostbare gotische Tafelbilder und Flügelaltäre zu bewundern sind.

Familien mit Kindern sollten jedenfalls nach Haslach fahren und dort die Mechanische Klangfabrik anschauen. Dutzende von mechanischen Musikinstrumenten, von der automatischen Geige bis zum viele Instrumente in sich vereinigenden Orchestrion wurden hier zusammengetragen. Zweimal am Tag gibt es Führungen, bei denen man auch mit den oft recht schrägen Tönen im Böhmerwald Bekanntschaft macht. (Christoph Wend/DER STANDARD/Printausgabe/2./3.2.2008)

Informationen:
Böhmerwald
Hochficht
  • Keine markanten Höhen am Horizont.  Nur konstante Tiefen bei den Temperaturen, die zumeist die künstliche Beschneiung am Hochficht ermöglichen.
    foto: oö tourismus / erber

    Keine markanten Höhen am Horizont. Nur konstante Tiefen bei den Temperaturen, die zumeist die künstliche Beschneiung am Hochficht ermöglichen.

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