Mühlviertler Disco plante wundersame Heilung - Das fragwürdige Motto: "Jeder Gast mit einer gültigen Krankmeldung bekommt eine Flasche Wodka als Medizin"
"Fehler sind doch menschlich. Da haben wir halt beim Programm ein bisschen gepatzt." Stefan Süss versteht die Aufregung nicht. Der Betreiber der Disco "Empire" in St. Martin im Mühlkreis hatte ursprünglich für kommenden Samstag eine Faschingsparty der besonderen Art geplant.
"Jeder Gast mit einer gültigen Krankmeldung bekommt eine Flasche Wodka als Medizin" lautete das fragwürdige Motto für den närrischen Event im Mühlviertel. "Wir haben jetzt aber eh alles abgeblasen. Wir stehen zu dem Fehler", gibt sich Disco-Chef Süss im Gespräch mit dem Standard kleinlaut. Dabei hätte der launige Discoabend noch so einiges zu bieten gehabt. So hätten etwa "sexy Krankenschwestern" den Gästen den Puls gemessen. Offen bleibt, ob vor oder nach der Flasche Wodka. Und jene, die "eine Narbe vorzeigen können, die länger als zehn Zentimeter ist", hätten eine Golden Member Card und einen Zehn-Euro-Gutschein bekommen.
Ob es nicht verantwortungslos sei, die vorwiegend jungen Disco-Besucher so abzufüllen? "Ma bitte, andere machen auch Fehler", entgegnet Stefan Süss knapp.
Strafe für Wirte
Ganz so entspannt sieht man das krankheitsbedingte Saufgelage bei der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse (OÖGKK) nicht. "Streng rechtlich gesehen ist es eigentliche eine Anstiftung zum Sozialbetrug", erläutert GKK-Sprecher Harald Schmadlbauer. Generell habe die Gebietskrankenkasse in Fällen, wo ein Krankenstand nur vorgetäuscht wird, die Möglichkeit, diesen zu beenden. "Dann fehlt die gesetzliche Grundlage für das Fernbleiben vom Job. Arbeitsrechtliche Schritte sind die Folge", warnt Schmadlbauer.
In Zusammenhang mit Regresszahlungen nach komatösen Alk-Verkostungen macht die OÖGKK jetzt übrigens Ernst. Neun Zahlungsaufforderungen "zwischen 108 und 850 Euro" ergingen vergangene Woche an Wirte und Festbetreiber in Oberösterreich. Besagte Veranstalter sollen an Jugendliche Alkohol ausgeschenkt haben und so maßgeblich dafür gesorgt haben, dass der Abgang der Jugendlichen aus den Lokalen liegend und mit Blaulicht erfolgte. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD-Printausgabe, 2./3.2.2008)