"Doctor Who": Von der schrägen Insel

29. Februar 2008, 21:03
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ProSieben bietet die Möglichkeit, der britischen Seele anhand der längstdienenden Science-Fiction-Serie näherzukommen

Die Briten. Inselvolk, eigenartiges. Es war an der Zeit, dem Kontinentaleuropäer zwischen Bozen und Rostock die Möglichkeit zu geben, das Wesen der Menschen hinter dem Ärmelkanal zu ergründen. ProSieben bietet an Samstagnachmittagen die Möglichkeit, der britischen Seele anhand der längstdienenden Science-Fiction-Serie näherzukommen: Doctor Who.

Also, wie sind die Briten, beschreibt man sie über ihr liebstes Alltagsfernsehen seit 1963? Mittels Zeitmaschinen träumen sie sich weg in vergangene und zukünftige Welten, um sich dort in flacher, verquerer Handlung allerlei Verschwörungen und außerirdischen Bedrohungen zu stellen. Gereist wird selbstverständlich stilvoll, in einer alten Telefonzelle aus den 50er-Jahren. Der Held, der "Doctor", ist einfach nur der "Doctor", eigentlich aber ein mysteriöser "Timelord", der in wechselnder Begleitung täglich die Welt rettet.

Schräg sind sie natürlich, liebevoll kultivierte Skurrilität lässt schon mal eine Figur von einer Mülltonne fressen, um sie dann vom plastikkontrollierenden Monster als Schaufensterpuppe wiedererstehen zu lassen. Es wird das Ende der Erde beobachtet, wenn die Sonne zur Supernova wird, und Charles Dickens besucht, um mit ihm Gespenster zu jagen. Alles eilig und ideenreich inszeniert mit billigen Effekten.

2005 wurden nach 16 Jahren Pause neue Folgen gedreht. Die Briten konnten das kaum erwarten, die Quoten waren unglaublich. In Deutschland fielen die ersten Folgen bei den Sehern durch. Es braucht eben Zeit, die Briten zu verstehen. (pum/DER STANDARD; Printausgabe, 2./3.2.3008)

  • Der Doctor (Christopher Eccleston) besucht mit Begleitung Rose (Billie Piper) am Samstag Charles Dickens im Jahr 1869.
    foto: bbc

    Der Doctor (Christopher Eccleston) besucht mit Begleitung Rose (Billie Piper) am Samstag Charles Dickens im Jahr 1869.

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