Ein echter Wiener geht unter

von Redaktion  |  07. Februar 2008, 18:44
  • Artikelbild: Manuel Rubey bemüht sich als Falco tapfer – kann aber den Film "Falco – Verdammt, wir leben noch!" auch nicht ungeschehen machen.  - Foto: MR-Film

    Manuel Rubey bemüht sich als Falco tapfer – kann aber den Film "Falco – Verdammt, wir leben noch!" auch nicht ungeschehen machen.

Thomas Roth bemüht sich gerade sehr erfolgreich, mit der filmischen Biografie "Falco – Verdammt, wir leben noch!" das Andenken des Künstlers zu schmälern

Wien - Am 6. Februar jährt sich zum zehnten Mal der Todestag der wunderbaren Wiener Kunstfigur Falco. Immerhin zwei Erkenntnisse kann der geneigte Besucher nach 109 nicht immer froh stimmenden Minuten beim Verlassen des Kinos mit nach Hause nehmen:

1. Man soll zu Frauen nicht zu oft "Gfrast" sagen, sonst laufen sie einem weg. Speziell auch, wenn man dieses Wort mit einer Flasche Whiskey und Marschierpulver kombiniert. "Künstler sind schwierige Menschen" und Weltstar-Bonus zählen nicht: Schon muss man wieder bei der Schwiegermutter am Land auf der Tacke stehen und Besserung geloben, damit sie einem ihre Tochter herausrückt.

2. Wenn man sich aufgrund eines schlimmen Erlebnisses sehr bedrückt fühlt, ist das nicht unbedingt die eigene Schuld. Anfänglicher Schrecken neigt nun einmal dazu, in stille Verzeiflung überzugehen. Der Heldentod ist dann zwar eine Erlösung – aber er ist keinesfalls das Ende! Das Leben geht weiter. Hey, das war doch nur ein Film!

Mit der chronologisch abgespulten und nur von wenigen pfiffigen Zeit- und Perspektivenwechseln unterbrochenen Biografie Falco – Verdammt, wir leben noch! ist Regisseur und Drehbuchautor Thomas Roth zwar vieles nicht, aber eines doch gelungen – die endgültige Etablierung eines oft belächelten, wenn nicht lachhaften Genres.

Glaubte man bis zu dieser Arbeit noch, dass sich die freiwillige heimische Kabarettisierung des Kinos und das Trauerspiel der dunklen, düsteren Autorenfilmtragödie gegenseitig ausschließen, so wird nun mittels eines Coup de Grace zusammengeschustert, was bis dato nur in Ein echter Wiener geht nicht unter ansatzweise versucht wurde. Die Passionsgeschichte einer Wiener Rabiatperle (L steht für Meidling!), dargestellt mit den Mitteln des Theaters in der Josefstadt, überführt in den Gaudimax. Der Schalk sitzt im Nacken. Und der Teufel steckt im Detail.

Kaisermühlen-Blues

Für die Jugendjahre des Hansi Hölzel in den späten 70er-Jahren etwa, die der gelernte Bassist und künftige Weltstar ("Weißt, Mama, ich möcht’ einmal so ein Popstar werden.") als Jazz-Beatle in Bands wie Hallucination Company oder Drahdiwaberl fristete, kaufte man nicht nur ganze Humana-Filialen leer. Auch beim letzten ORF-Gschnas hätte niemand als Hippie gehen können. Die Perücken im Fundus waren aus.

Allein wie hier Manuel Rubey als Falco und Arno Frisch als sein Musikerfreund Hansi Lang am Anfang dieses schweren Ganges von der Wiener Discothek U4 bis zur Turist Disco in der Dominikanischen Republik tapfer versuchen, im auf der Schauspielschule perfektionierten nasalen Schönbrunnerdeutsch den Proleten heraushängen zu lassen und immer dabei mitzudenken, dass die absurden Haarteile verrutschen könnten, lässt einen wehmütig den Kaisermühlen-Blues anstimmen: "Oh Lord, habe Gnade! Wenn du machst, dass ich armer Sündermann heil aus dem Kino komme, werde ich nie wieder etwas gegen den Villacher Fasching sagen, uh-yeah!"

Dabei kann der sympathisch wirkende Hauptdarsteller Manuel Rubey am allerwenigsten etwas dafür. Immerhin hat er brav gelernt, wie man den Falco-Darsteller Hans Hölzel eins zu eins vom verächtlichen Mundwinkel und den gespreizten Fingern bis zum Gesang nachmacht.

Im Rahmen der kommerziellen Ausbeinung Falcos ist man nach Best-of-CDs, Falco meets Classic, Live- und anderen DoRo-DVDs, unzähligen Falco-Imitatoren auf Firmenfeiern oder Begräbnissen sowie einem heute gnädig vergessenen Falco-Musical nun mit Falco – Verdammt, wir leben noch! bloß am Verwertungshöhepunkt dieser schönen Leich’ angelangt. Am 6. Februar 1998 starb Falco bei einem Autounfall. Da darf man – Geiz ist geil! – nicht zimperlich sein und unnütze Gedanken an Drehbuch, Schauspieler- und Kameraführung oder Lalelu verschwenden. Bis zum nächsten Jubiläum, etwa Hölzels 60. Geburtstag, sind es noch neun dürre Jahre. Vielleicht dürfen aber bis dahin Johann Hölzel oben im Himmel und wir hier unten unsere Ruhe vor Falco haben?

Vorher wird jetzt aber mit alten Interview-Zitaten, sattsam bekannten Falco-Onelinern und der plumpen Psychologisierung von alten Falco-Liedern schnell, schnell ein Script gebastelt. Vorher müssen wir noch Durchlaucht Sunnyi Melles als Straßendirne erleben, die dem jungen Hansi mit dem Blick der desillusionierten Gewissheit erklärt, dass man in dem Haus, vor dem sie die Korsage auslüftet, später, wenn man etwas gelernt und viel Geld hat, das Glück kaufen könne. Obacht, Kunstgriff: filmisches Omen!

Mehrmals zwischengeschnitten wird Drama-Queen Grace Jones als rüstige dominikanische Disco-Wirtin. Sie ahnt von Anfang an, dass der Held mit seinem Jeep in knapp zwei Stunden in einen Bus krachen wird. Aber halt! Erst einmal Szenen einer Ehe, "ölige" Manager, debile Radioredakteure, weißes Pulver auf Glastischen, Unsicherheit, Selbsthass, Machotum – und jede Menge eins zu eins nachgestellte Falco-Videos. Aufstieg und Fall eines zum Symbol für die 80er-Jahre gewordenen Kunst-Pülchers. Der kam mit sich und der Welt nie zurecht. Was für ein Filmstoff! Und was für ein Ergebnis. (Christian Schachinger, DER STANDARD/Printausgabe, 02./03.02.2008)

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J G 007 
14.02.2008 11:26
wiedereinmal..

..das leere Gefühl nach einer Standard-Filmkritik - Worthülsen ohne fachlicher Meinung gepaart mit falscher Information. Das ganze in einem Stil, der ebenso stil-und witzlos bleibt. Soviel zur Verlängerung des Abos.

plasticined
11.02.2008 23:34
Wo gehts hier zur Rezension?

Ob man für den Standard oder das Hintertupfinger Bezirksblatt schreibt - eines bewahrheitet sich doch immer wieder: Wem die Inhalte fehlen, der versucht dies durch krampfhaft-aneinandergeschachtelte, leere Worthülsen zu kompensieren. Funktioniert nie. Hat auch hier sowas von nicht funktioniert.

Wenn der Autor Spaß daran hat, sich über Mundl Sackbauer, den Kaisermühlen Blues oder die kostümiert wirkende Mode der 70er auszulassen, soll er dies gerne tun. Aber bitte nicht Filmrezension drüberschreiben. Der Leser könnte dementsprechenden Inhalt erwarten...

Herr Plumm
11.02.2008 11:35

also. bis jetzt haben die leute die den film gesehen haben NUR gutes darüber gesagt...ich versteh unsere so "sophisticated" kritiker nicht, die das gegenteil darüber schreiben...

human ic
12.02.2008 17:52

aha, falco.. panierter psycho, falcos freund.. eh alle lieb, mitarbeiter.. ehrlich und nett, freundinnen.. recht gscheit, mama, radio und presse.. boes.
war da sonst noch was ausser den detaillierten profilen ?

mir war fad im kino.

Herr Plumm
07.02.2008 23:15

...grade zurück vom apollo: herr schachinger ... da schimpf ich grad noch über ihn, das er immer so miese kritiken abliefert...aber siehe da, einmal sind wir einer meinung.

ein wirklich toller film. super schauspieler. da gibts rein gar nichts zu meckern!
hingehn-ansehn-und mehr über falco und sein leben erfahren.

gratulation zu diesem gelungenen meisterwerk

YOGI 1
08.02.2008 13:59
ehrlich gesehen ist der film ein riesenschaß

archivar
05.02.2008 23:11
jeder falco hat seinen schachinger

seltsam, schachingers parfumierter stil hat auch was ziemlich falcoides.

PC 
05.02.2008 15:25
einzelhaft und junge römer, große klasse - dann war der ofen aus und der mann fortan völlig überschätzt.

Mike McCready
08.02.2008 08:02
jo

seh ich ähnlich.

wobei ich die nummern "america" und "emotional" schon sehr mag.

Herr Plumm
08.02.2008 07:17

völlig überschätzt....
es gibt auch leute, die vor 40 jahren mal was geniales im labor gemacht haben, danach nichts mehr....aber dafür den nobelpreis bekommen haben.

Horst Wejr
06.02.2008 10:45

Data de Groove habens vergessen

re-play
04.02.2008 15:23

Na bitte, ganz unten steht ja warum der Film verrissen wird, "debile Radioredakteure" - merke, geh nie auf Journalisten los, weil dann sind sie sich einig ;-)

dimsch
03.02.2008 22:57
Nicht Arno Frisch spielt Hansi Lang...

...sondern Markus Mössmer.

Bitte einfach ein bisschen mehr Journalismus als Selbstverwirklichung beim Filmkritikschreiben, Herr Schachinger

kleingeist von schreiberstein
09.02.2008 23:32
danke, danke ...

.. ach ja, der schachinger. man sollte dem menschen als menschenfreund das ins kino- und auf konzertegehen verbieten. er leidet dort offenbar höllenqualen ...

elloboverde
03.02.2008 16:31
schachinger

der martin humer der österreichischen musikkultur!

JazzPianist
05.02.2008 09:55

Der war gut ! Martin Humer, hihi ;-)

dergelbe 
03.02.2008 13:13
jetzt kommens aus den löchern

avor seinem tod hams ihn alle links liegen lassen und jetzt sans alle die besten freund vom falken gewesen. eh klar. wenns knödel gibt ist allen nix zu schade

Herr Dr. Bitter
03.02.2008 16:19

So ist es.
Und dieser typische Prozess hat eigentlich aber schon vor Fs Tod begonnen.
Deshalb sollte man auch einmal den Robert Ponger lobend erwähnen.
Im Gegensatz zu den anderen Abkassierern, die sich in der Spätzeit um Falco geschart haben und ihn mit ihrer Mittelmässigkeit noch weiter runterzerrten (z.B. seine Liveband), hat der sich Komponist der ersten beiden Alben (Einzelhaft, Junge Römer) nie peinlich in den Vordergrund gespielt und nie an halbseidenen Abzockversuchen beteteiligt (Musicals, Film, posthume Veröffentlichung von abgelehnten Falco-Demos und Live-Mitschnitten).

Auch typisch: Ponger verhält sich einwandfrei, deshalb spricht keiner über ihn und er wird ignoriert :-)

Horst Wejr
06.02.2008 10:46

Ponger hat 3 Alben gemacht auch Data de Groove

ernst thaelmann
03.02.2008 10:02
angeblich..

gibts ja schon ein erstes drehbuch über das interessante leben des herrn schachingers. beleuchtet wird wie ein erfolgloser musiker sich zu einem international beachteten musikkriter entwickelt. quasi ein bob woodward der musikkritik.

el bizarro
04.02.2008 17:46

Super!

daandi
04.02.2008 12:00
na na na

erfolglos vielleicht, aber schlecht waren die obhl nicht. hab ich gern gehört, damals!

FranzKK 
03.02.2008 14:27
Mehr oder weniger

erfolglos vielleicht, aber The OBHL waren zu ihrer Zeit sicher eine der interessantesten Bands hierzulande.
Ausserdem gibt`s ja leider wirklich nicht allzuviel gutes zu schreiben, darüber, was in punkto Musik grossteils so passiert.

sekir 09
06.02.2008 15:04

danke franz, nimm dir schon einmal einen kaffee, bis später christian

stella stein
03.02.2008 13:16
hehe

danke für dieses posting...

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