Wenn der Wahlkampf zur Farce wird

29. Februar 2008, 20:50
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"Wag the Dog" ist zu einem Klassiker unter den Politfabeln geworden - ATV, Samstag, 20.15 Uhr

Am Samstag wird im Fernsehen wieder einmal "Wag the Dog" gezeigt, eine schon klassisch-hintersinnige Parodie auf die mediengesteuerte Politik in den USA und auch anderswo. Weil der US-Präsident kurz vor der Wahl wegen einer Sexaffäre mit einem minderjährigen Mädchen unterzugehen droht, wird der skrupelloseste aller Spin-Doktoren engagiert. Conrad Brean (Robert De Niro) weiß tatsächlich Rat: Ein kleiner Krieg muss her, samt patriotischen Aufwallungen der Nation und höchster Popularität des Präsidenten.

Im Medienzeitalter ist es aber gar nicht notwendig, dass da echte Soldaten marschieren und Bomben fallen. In der Politfabel "Wag the Dog" von Regisseur Barry Levinson wird ein Filmproduzent (gespielt von Dustin Hoffman) angeheuert, der das Spektakel eines Feldzuges gegen Albanien rein virtuell inszeniert.

Seit dem Entstehungsjahr 1997 ist "Wag the Dog" zu einem Klassiker unter den Politfabeln geworden, vor allem deswegen, weil er streckenweise wie eine Vorwegnahme der Lewinsky-Affäre von Präsident Bill Clinton wirkt.

Unterhaltsamster Seminargegenstand für angehende Politikwissenschafter

Der Streifen wurde zum wohl unterhaltsamsten Seminargegenstand für angehende Politikwissenschafter. Sie schlagen sich dann mit Fragen wie jener herum, warum das Angriffsziel der USA darin ausgerechnet Albanien ist. (Professoren- und Spin-Doktoren-Antwort: Warum nicht?)

War "Wag the Dog" ein Clinton-Film, so wird im US-Vorwahlkampf 2008 gern auf einen zweimal verfilmten Thriller verwiesen. Weil John McCain, ein Favorit der Republikaner, als Pilot in Vietnam abgeschossen wurde und 1967 - 1973 Kriegsgefangenener im "Hanoi Hilton" war, gilt er manchen als "Manchurian Candidate". Als dessen Titelfigur (1962 von Frank Sinatra, 2004 von Denzel Washington gejagt) wird ein Kriegsgefangener mit posthypnotischen Befehlen als Mordmaschine heimgeschickt. Der US-Präsident geht dabei fast drauf.

Die große Politik der USA ist seit langem ein beliebter Zuschauersport und auch international ein Renner. Schon seit James Stewart in "Mr. Smith Goes to Washington" 1939 im US-Senat Korruption aufdeckte, hat sich Hollywood in zahllosen Filmen der Thematik angenommen. West Wing (mit Martin Sheen), die lange erfolgreiche TV-Serie, gab vor, reale Politik zu zeigen, hat aber viel dem Spin-Doktoren-Wahn jenes Films zu verdanken, in dem der Schwanz mit dem Hund wackelt. (Weil das mit dem Anzetteln eines Kriegs nicht klappt, kreieren De Niro und Hoffmann darin immer absurdere Ideen.)

Larry Beinhart, auf dessen Buch "American Hero" der Film basiert, kommentiert die laufenden Wahlkampagnen auf HuffingtonPost.com als Blogs im "Krieg gegen die Dummheit." (Erhard Stackl, DER STANDARD; Printausgabe, 2./3.2.2008)

"Wag the Dog", Samstag, 2. Februar, 10.15 Uhr, ATV
  • Spin, spin, spin: Anne Heche, Robert De Niro und Dustin Hoffman lassen im US-Wahlkampf den Hund wedeln.
    foto: atv

    Spin, spin, spin: Anne Heche, Robert De Niro und Dustin Hoffman lassen im US-Wahlkampf den Hund wedeln.

  • "Wag the Dog", Samstag, 20.15 Uhr, ATV.
    foto: atv

    "Wag the Dog", Samstag, 20.15 Uhr, ATV.

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