Stars, Fans und Fouls auf dem EUROpernball

1. Februar 2008, 19:50
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Die Staatsoper verwandelte sich in der Nacht zum Freitag in ein kleines Stadion - Für Trainerin Treichl-Stürgkh war's ein Heimsieg

Ob der nahenden Europameisterschaft war Fußballfieber angesagt. Und so verhielten sich auch viele der Besucher.

* * *

"Alles EURO" - so das Motto zum traditionellen Opernball-Anpfiff "Alles Walzer". Und schon wandelten sich das Opernhaus und seine Besucher in ein kleines Stadion. Da kamen die üblichen Schlachtenbummler, teils schillernd: "Sag, Jeannine: Ist das dein 20. Opernball oder zählst nimmer?" Da wurden schon beim Einlauf aufs Spielfeld kleine Fouls diskutiert: "Steigen Sie runter von meiner Schleppe!" "Ich steh nicht auf Ihrem Stoff." "Steigen Sie runter!" "Geht's jetzt besser?" "Trampel" (gemurmelt).

Im Mittelpunkt der fußballbegeisterten Ballinszenierung: das deutsche Team rund um Franz Beckenbauer, Hansi Müller und Otto Rehhagel. Mit ihnen kamen viele Fans und erlebten in der Oper teils ihr gesellschaftliches Córdoba: "'tschuldigung zum Ballsaal - wissen Sie, wo der ist?"

Schnell noch ein paar Gruppenfotos - Promis und Politiker posieren mit EURO-Bällen, die ihnen in die Hand gedrückt wurden. Dann wird schon hin und wieder retour taktiert - die Regierungsmitglieder bleiben gemäß ihrer roten und schwarzen Dressen meist in ihrer eigenen Hälfte.

Doch es dauert nicht lange bis zur ersten Attacke. Opernsängerin Anna Netrebko dribbelt in Richtung Strafraum (Interview in der Mittelloge) und wird im Logengang abgeblitzt. Doch da geht sie in einem gnadenlosen Konter unter: Der Lugner und Dita von Teese walzen, umringt von einer Journalistentraube, alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellt. Die Netrebko wird buchstäblich an die Wand gespielt.

"Auszieh'n! Auszieh'n!"

Als Dita von Teese umringt von Bodyguard-Manndeckung wieder retourläuft, laufen auch die Zuschauer auf den Rängen mit ihren Sprechchören zur Höchstform auf: "Auszieh'n! Auszieh'n!", schallt es aus einer Gruppe, in der der Chefredakteur eines Wochenmagazins und ein Doch-Nicht-(Ski)-Olympiasieger kudern.

Wenig später eine geniale Kombination des Künstlerteams: Startenor José Carreras posiert vor einer Loge für das Blitzgewitter - als hinter der Fotografen-Mauer der Stardirigent Seiji Ozawa geschickt und unerkannt vorbeiwieselt.

Vielen gelingen elegante und professionelle Spielzüge: "Desperate Housewife" Teri Hatcher etwa - die von Superfund-Gründer Christian Baha aufgestellt worden war -, posierte zu Beginn ausgiebig auf dem "Red Carpet" für alle Bilderwünsche - um sich für den weiteren Abend weitgehend unauffällig aus dem Spiel zu nehmen. Auch die Netrebko lieferte sich mit den Medien einen ausgiebigen, aber weitgehend unaufgeregten Doppelpass.

Im Schmäh-Abseits

Andere hatten sich zu diesem Zeitpunkt längst ins Schmäh-Abseits gespielt: Lugners Exfrau etwa, Christina, die für den ORF mit asiatischer, uniformierter Begleitung auflief und unablässig erklärte, der kleine General sei "der Sohn vom koreanischen Führer". Doch im wirklichen Leben könnte ihr Begleiter höchstens in einem Lokalführer verzeichnet sein - er ist Koch am Naschmarkt.

Und wie kommentierte dies die Spielmacherin, Desirée Treichl-Stürgkh, die erstmals für die Aufstellung des Opernballs verantwortlich war? Genau so wie jeder erfolgreiche Trainer: "Ich denke, mein Konzept ist aufgegangen." So sagt man halt nach einem Heimsieg: Der neue rote Teppich vorm Operneingang hatte sich sehr bewährt, und auch die von ihr initiierte "Pink Bar" war ein Volltreffer.

Nur Operndirektor Ioan Holender hatte sich bei der Eröffnung mit dem überlangen getanzten Auftragswerk "Fußballett" quasi wegen Verlängerung ein kleines Eigentor geschossen.

Die EUROpernball-Eröffnung haben übrigens 1,5 Millionen Zuseher im Fernsehen verfolgt. Im Vorjahr waren es noch knapp 1,8 Millionen gewesen.

Eine prominente Frau war übrigens auf dem Opernball - hatte dann allerdings erst am Tag darauf, am Freitagabend, ihren wirklich wichtigen Auftritt: Gemäß ihrer humanitären Mission hielt Bianca Jagger beim Flüchtlingsball im Rathaus die Eröffnungsrede. (Roman-David Freihsl/DER STANDARD-Printausgabe, 2./3.2.2008)

  • Die Stille der Burlesque: Dita von Teese in der Loge
    foto: matthias cremer

    Die Stille der Burlesque: Dita von Teese in der Loge

  • Wenig später jedoch die Schrille der Burlesque - der Konter im Logengang: Lugner walzt mit dem federgeschmückten Stargast von Teese durch die Menge - Anna Netrebko wird im Vordergrund an die Wand gespielt.
    foto: matthias cremer

    Wenig später jedoch die Schrille der Burlesque - der Konter im Logengang: Lugner walzt mit dem federgeschmückten Stargast von Teese durch die Menge - Anna Netrebko wird im Vordergrund an die Wand gespielt.

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    "Housewife" Teri Hatcher erschien mit Sisi-Stern.

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    Treichl-Stürgkhs Spielbilanz: "Mein Konzept ist aufgegangen".

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