der schönste Tag der Woche: Mysterien der Politik

1. Februar 2008, 16:26
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Wenn das Wetten nicht in Verruf geraten wäre, würde ich heute darauf setzen, dass es in spätestens zwei Monaten eine Schlagzeile über Norbert Darabos geben wird

Wenn das Wetten durch Thomas Gottschalk nicht derart in Verruf geraten wäre, würde ich heute zehn Euro darauf setzen, dass spätestens in zwei Monaten eine Schlagzeile über Norbert Darabos lauten wird: "EWIG TSCHAD UM IHN." Wobei ich zu jenen Leuten gehöre, die Darabos keine Träne nachweinen würden, weil er sich durch seine Politik ja selbst ins Abseits manövriert hat. Das Bundesheer soll von mir aus abgestürzte Kühe retten oder Sandsäcke schlichten, aber im Tschad hat es genauso wenig verloren wie in Afghanistan oder im Irak. Was Darabos mit seiner merkwürdigen Verteidigungspolitik bezweckt, ist mir ohnehin schleierhaft. Möglicherweise ist es der Versuch, sich vom Makel des Zivildieners zu befreien und zu demonstrieren, dass er mittlerweile weiß, dass eine Jägerbrigade nicht zur Treibjagd da ist, sondern "als flexibler Kampfverband auch in Unruheregionen eingesetzt werden kann". Ein riskantes Spiel, das Darabos da spielt, denn als gebildeter Mensch sollte er eigentlich wissen: "Abyssus abyssum invocat." – "Ein Fehler zieht den anderen nach sich."

Womit wir direkt bei Darabos‘ Vorgänger Günther Platter gelandet wären, der sich nicht nur als Innenminister, sondern auch als Chefdirigent der Musikkapelle Zams und Präsident des Tiroler Landestrachtenverbandes einen Namen gemacht hat. Bevor Platter in die Politik ging, war er bekanntlich bei der Gendarmerie in Landeck und Imst als Bezirkssportwart tätig, wo offenbar die Grundlagen zur Entfaltung einer Persönlichkeit gelegt wurden, die Platter so beschreibt: "Wer mich kennt, weiß, dass ich gerade im menschlichen Bereich besondere Qualitäten habe."

Diese Feststellung gilt sicherlich auch für Ministerin Claudia Schmied, die sich von MAK-Direktor Peter Noever gerade ihr Büro umgestalten ließ und auch einen neuen Teppich mit einem Zitat von Thomas Bernhard bekam: "Wien ist eine fürchterliche Genievernichtungsmaschine." Ich bin mir sicher: Hätte Bernhard geahnt, dass eine Kunstministerin diesen Satz einmal "mit Füßen treten" wird, hätte er sich nach Ohlsdorf in sein Bauernhaus zurückgezogen und für den Rest seines Lebens Schweine gezüchtet. Schmied fühlt sich in ihrem neuen Büro aber pudelwohl, was wohl auch daran liegt, dass dieses jetzt farblich perfekt zu ihren Seidenschals passt. Gemäß dem Motto von Hansi Hinterseer: "Wichtig ist, dass alles passt: Die richtigen Leut’ und die richtigen Ideen zur richtigen Zeit!" Vielleicht sollte Schmied Hansi Hinterseer ja aus Anlass seines 54. Geburtstags am 2. Februar in ihr neues Büro einladen, dann könnte er für sie gleich singen: "Du hast mich heut’ noch nicht geküsst". Den Rest schauen wir uns dann in den "Seitenblicken" an. (Kurt Palm, ALBUM/DER STANDARD, 02./03.02.2008)

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  • EWIG TSCHAD UM IHN?
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    EWIG TSCHAD UM IHN?

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