Microsoft will Google vom Thron stürzen

28. Februar 2008, 13:50
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Mit einer Übernahme von Yahoo! könnte die Windows-Company ihre Online-Schwäche beheben

Microsoft ist ziemlich gut darin, PC-Software zu entwickeln und zu vermarkten. Aber die Zeiten, in denen der Computer der tragende Pfeiler der IT-Branche war, sind lange vorbei. Das Geld wird im Internet gemacht, und die Werbemillionen rollen dorthin, wo es die meisten Mausklicks gibt. Das passiert nicht bei Microsoft, sondern bei Google. Um den Mausklick-König vom Thron zu stürzen, will Microsoft jetzt Yahoo! übernehmen, die Nummer zwei der Internet-Unternehmen.

Kritische Lage

Allein der Kaufbetrag von 44,6 Mrd. Dollar (30 Mrd. Euro) demonstriert, wie kritisch die Lage in der Microsoft-Konzernzentrale in Redmond bei Seattle eingeschätzt wird. "Die Wettbewerbssituation hat sich nicht verbessert", schrieb Vorstandschef Steve Ballmer in einem Brief an den Verwaltungsrat von Yahoo!. In einem Monat wird Ballmer zur Cebit in Hannover erwartet, und da will sich dieser machtbewusste Manager nicht hinter Google verstecken müssen.

Rückgang

Vielleicht waren es die Ende Dezember veröffentlichten Zahlen des Online-Marktforschers Nielsen, die den Microsoft-Vorstand zur Flucht nach vorn veranlassten. Demnach hatte Microsoft trotz aller Bemühungen zur Stärkung seiner Web-Plattformen MSN und Windows Live bei der Internet-Suche in den USA nur einen Marktanteil von 12,0 Prozent - binnen Monatsfrist war das ein Rückgang um 1,8 Prozentpunkte.

Spitzenreiter ist natürlich Google, das seinen Marktanteil von 55,5 auf 57,7 Prozent ausbauen konnte - in Europa liegt dieser Wert noch deutlich höher. Das auf Yahoo! entfallende Stück vom schönen Mausklick-Kuchen wurde ebenfalls kleiner und fiel mit 18,8 Prozent kaum größer aus als das von Microsoft. Wenn sich beide jetzt zusammentun, würde eine neue Ausgangsposition für den Wettbewerb mit Google entstehen.

Attraktivere Web-Dienste

Wie kein anderes Unternehmen hat es dieses kalifornische Unternehmen geschafft, immer neue und immer attraktivere Web-Dienste zu entwickeln oder aufzukaufen. Alles ist kostenlos verfügbar und zieht deswegen Millionen von Nutzern an. Die Datenbank der Web-Suchmaschine mit ihrem eifersüchtig gehüteten Algorithmus für die Sortierung der Ergebnisse ist immer noch der Kern des Online-Geschäfts. Drum herum aber gibt es einen breiten Kranz von weiteren Diensten wie die Google Maps, die Google Mail, Web-Anwendungen für Texte und Tabellen oder das Video-Portal YouTube.

Microsoft hat im November 2005 ein neues Projekt gestartet, um seinen Online-Dienst MSN mit einem ähnlichen Konzept aufzuwerten. Das Portal live.com hat sich seitdem aber nur langsam entwickelt.

Flickr

Innovativer konnte sich da Yahoo! präsentieren. Das Online-Unternehmen besitzt mit Flickr einen Vorzeigedienst des Web 2.0, wie der Trend zu einer aktiveren Nutzerbeteiligung im Internet genannt wird. Zuletzt hat Yahoo! seinen E-Mail-Dienst aufgewertet. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von mobilen Diensten für das Handy.

"Wir wollen die Pioniere für das mobile Internet im neuen Jahrtausend sein."

Auf der Consumer Electronics Show (CES) im Jänner in Las Vegas sagte Yahoo!-Sprecher Cory Pforzheimer: "Wir wollen die Pioniere für das mobile Internet im neuen Jahrtausend sein." Die mobile Plattform von Yahoo! habe das Potenzial, um Milliarden von Handy-Nutzern zu erreichen. Dies würde gut zum Handy-Betriebssystem Windows Mobile passen. Gemeinsam könnten Microsoft und Yahoo! dem "Android"-Konzept von Google Paroli bieten, das im Herbst vergangenen Jahres als neue Software-Plattform für Mobiltelefone vorgestellt wurde.

Zuschauer

Ein gutes halbes Jahr lang haben IT-Branche und Börse zugeschaut, ob der neue Yahoo!-Vorstandschef Jerry Yang die Kurve kriegt. Als das nicht geschah, war Yahoo! seit Anfang des Jahres als Übernahmekandidat im Gespräch. Wenn es Microsoft wie geplant schafft, Yahoo! bereits in der zweiten Jahreshälfte zu integrieren, werden die Karten für die Internet-Geschäfte neu gemischt. Und dort gibt es viel zu holen: Allein in den USA erwartet das Marktforschungsunternehmen eMarketer, dass sich das Geschäft mit mobiler Werbung von 1,6 Mrd. Dollar in diesem Jahr auf 4,8 Mrd. im Jahr 2011 verdreifachen wird. (Von Peter Zschunke/AP)

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