"Eine todsichere Branche"

7. Februar 2008, 18:58
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Irgendwann nimmt notgedrungen jeder ihr Service in Anspruch – Beratungsgespräch bei der Bestattung

Sein Kunde ist König, aber selbst das beste Service kann ihm selten ein Lächeln entlocken. Wenn Johann Krug morgens gut gelaunt sein Geschäft auf der Landstraßer Hauptstraße im dritten Wiener Gemeindebezirk aufsperrt, dann hält auch sein Lächeln nicht lange an. Zumindest überdauert es nicht das erste Kundengespräch. Johann Krug ist Bestatter. Ein Bestatter aus Berufung: Früher hatte Krug als gelernter Elektroverkäufer gearbeitet. Dann starb sein Großvater und wurde, der ländlichen Tradition folgend zu Hause aufgebahrt. Für Krug der Moment, in dem ihm seine Bestimmung klar wurde.

Seit nunmehr 28 Jahren hilft der 58-Jährige gebürtige Mistelbacher Hinterbliebenen bei der formalen Abwicklung nach einem Todesfall: "Ein Partner in schweren Stunden", wie auf dem Firmenprospekt der Bestattung am Rochusmarkt zu lesen ist. Das Servicepackage umfasst Amtswege, Abholung und Einkleidung der Toten, sowie die Organisation von Überführungen und Trauerfeiern. Für Krug ist es "eine schöne Tätigkeit. Eine Ehre".

Der Kaufmann der besonderen Art

Acht Stunden täglich mit Menschen zu verbringen, die todunglücklich sind – dafür bedarf es einer dicken Haut. Und die bringen offenbar am ehesten Personen aus der Verkaufsbranche mit. "Die sind kundenorientiert, haben Freude am Umgang mit Menschen", sagt Johann Krug. Doch auch ein Bestatter will ordentlich ausgebildet sein: Erst wenn man im Leichen- und Bestattungsgesetz, sowie in der Friedhofsordnung firm ist, geht es ans Praktische. Mittels Rollenspielen wird das Kundengespräch geübt. "Man soll schließlich weder ein todtrauriges Gesicht machen, noch lachen", sagt Krug. Der Umgang mit den Kunden muss professionell und menschlich sein.

Er vergleicht seinen Job mit dem von Ärzten und Krankenpflegern: Man baut eine gewisse Distanz auf. "Außer, wenn Kinder sterben. Das geht an die Nieren", sagt Krug. Aber wenn die psychische Belastung zu groß wird, könne man sich bei der Bestattung Wien mittels Supervision aufrichten lassen.

Ein sicherer Job

Seitdem 2004 mit der Gewerbenovelle die Bestattung auch für Privatfirmen freigegeben wurde, gibt es die Bestattung am Rochusmarkt, die mit insgesamt vier Filialen trotzdem Tochter der Bestattung Wien ist. Seit einem halben Jahr ist Krug Geschäftsführer. Davor hatte er 23 Jahre lang bei der Bestattung Wien gearbeitet – gab über die "Kummernummer" Telefonauskünfte. Unter seinen sieben Mitarbeitern ist nur ein Mann. Das liege daran, dass Frauen feinfühliger seien, glaubt Klug. "Sie eignen sich einfach besser." An Bewerbungen mangelt es nicht: etwa 100 bis 150 folgen auf ein Inserat.

Was sind das für Menschen, die Bestatter werde möchten? "Da ist vom Gärtner bis zum Akademiker alles dabei. Quer durch den Gemüsegarten", sagt Johann Krug. Krug spricht mit sonorer Stimme, legt nach jedem Wort eine bedächtige Pause ein. Man fühlt sich an eine Sonntagspredigt erinnert. "Viele reizt das interessante Aufgabengebiet, die Herausforderung", sagt Krug. Und: "Wir wollen uns nichts vormachen: g'storben muss werden. Das ist eine todsichere Branche." (bock/glicka, derStandard.at, 6. Februar 2008)

  • Johann Krug, Chefbestatter.
    foto: derstandard.at/gedlicka

    Johann Krug, Chefbestatter.

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