Die Erste Adresse in den USA

  • George W. Bush muss mit Ende des Jahres das Weiße Haus verlassen. Dann wird er wohl noch öfter als bisher auf seiner Ranch in Texas anzutreffen sein.

    George W. Bush muss mit Ende des Jahres das Weiße Haus verlassen. Dann wird er wohl noch öfter als bisher auf seiner Ranch in Texas anzutreffen sein.

Das Weiße Haus beherbergt seit über 200 Jahren US- amerikanische Präsi­denten, deren Familien und Haustiere - Ein sehr politischer Ort - und ein sehr privater

Schwarz oder weiß, Frau oder Mann, Republikaner oder Demokrat. Wer das Rennen um die US-amerikanische Präsidentschaft am 4. November machen wird ist noch völlig offen. Einen Brief kann man dem zukünftigen Präsidenten aber schon jetzt schicken. Und zwar an folgende Adresse: The White House, 1600 Pennsylvania Avenue, Washington, DC. Seit mehr als zweihundert Jahren werden von dort aus die Geschicke der Vereinigten Staaten gelenkt.

132 Räume, darunter 16 Gästezimmer, eine Haupt-Küche, eine Diät-Küche eine Familien-Küche und 35 Badezimmer stehen den Bewohnern zur Verfügung - insgesamt etwa 55.000 Quadratmeter Wohnfläche. Um die Außenwände des Anwesens in dem bekannten Weiß erstrahlen zu lassen, braucht es rund 2100 Liter Farbe.

Die Bauarbeiten für den Präsidenten-Sitz begannen 1792, acht Jahre später bezogen Präsident John Adams und dessen Frau Abigail als erste die Räumlichkeiten. Seither hat das Weiße Haus vier Brände überstanden und in der Amtszeit von Harry S. Truman (1945-1953) gab es eine Runderneuerung.

Ein Haus mit Tradition

Wie der Präsidenten-Sitz zu seinem Namen kam, ist nicht gänzlich geklärt. Weiße Tünche sollte zu Beginn das Mauerwerk schützen. Als der Putz zu bröckeln begann, wurde mit weißer Farbe nachgebessert. Wahrscheinlich um ein heruntergekommenes Erscheinungsbild zu vermeiden, spekuliert die White House Historical Association auf ihrer Website. Der Spitzname "Weißes Haus" tauchte auch schon früh auf. Schon 1812 schrieb der Kongress-Abgeordnete Abijah Bigelow an einen Kollegen: "Es gibt viel Ärger im Weißen Haus, wie wir es nennen, ich meine das des Präsidenten." Aber erst Theodore Roosevelt machte 1901 die Präsidenten-Residenz offiziell zum "Weißen Haus".

Obwohl Tradition in den Räumlichkeiten groß geschrieben wird, hat der jeweilige Hausherr in einigen Bereichen doch eingeschränktes Mitspracherecht. Die privaten Zimmer können nach persönlichem Geschmack eingerichtet werden. Um das Wohlergehen des Mobiliars sorgt sich eigens ein Kurator. Seit 2002 hat diesen Posten William G. Allman inne. Jedes Bild und Teeservice muss den strengen Kriterien Allmans genügen, um sich seinen Platz auf Wand oder Tisch zu verdienen.

Sonderwünsche

Mit jeder Präsidentenfamilie wechselt auch das Weiße Haus Stil und Atmosphäre. Ehepartner, Kinder und Haustiere bestimmen den Charakter des Hauses mit. Thomas, der Sohn von Abraham Lincoln, bekam ein eigenes kleines Theater eingerichtet. Die sechs Kinder von Präsident Theodore Roosevelt waren sogar für einen Ausbau des Hauses verantwortlich. Wegen der vielen Kinderzimmer war für Büroräume kaum mehr Platz. Roosevelt gab den Auftrag zum Bau eines Ausweichgebäudes - heute bekannt unter dem Namen West Wing. Jimmy Carter plante und baute für seine Tochter 1977 ein Baumhaus. Als die Carters 1981 nach dem Ende der Amtszeit das Haus wieder verließen, wurde es abgerissen. Die Bau-Skizzen haben ihren Weg ins Archiv gefunden.

Tierisch

Während des Ersten Weltkrieges grasten Schafe auf dem Rasen des Weißen Hauses. Die Herde von 18 Tieren war als Symbol der Unterstützung der Truppen in Übersee gedacht, sparte aber nebenbei einen Rasenmäher und die Wolle wurde um knapp 53.000 Dollar bei einer Auktion zu Gunsten des Roten Kreuzes versteigert.

Heute haben die präsidialen Viecherl weniger Symbolkraft, dafür aber eine eigene Website, die exklusives Bild- und Videomaterial über First Dog Barney, den schwarzen schottischen Terrier, bietet. Socks, der Kater der Clintons, hatte seine Glanzzeit schon 1997 hinter sich, als sich die Familie den Labrador Buddy zulegte. Nach dem Auszug der Clintons aus dem Weißen Haus, kam Socks nicht mit ins neue Heim. Betty Currie, eine ehemalige Sekretärin Clintons, kümmert sich jetzt um ihn.

Welche Haustiere der neue Präsident mitbringen wird, welche Wünsche Ehepartner und Kinder haben, ist noch nicht bekannt. Eines ist aber sicher: sollten die Clintons nochmal in die Pennsylvania Avenue einziehen, werden sie wohl auf eine Führung durch das Haus verzichten. (mka, derStandard.at, 1.2.2008)

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