Kein Holler, der Holler

6. Februar 2008, 17:00
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Holunder gibt es jetzt auch zum Cremen - Warum die schwarzen Beeren für ältere und spröde Haut gut sind, verrät Herbert Böchzelt im derStandard.at-Interview

Holler für die Haut: Nach zweijähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit haben das Grazer Joanneum Research und das steirische Thermenland gemeinsam eine neue Kosmetiklinie auf den Markt gebracht: "Styria Sambucus" – ein Plegeöl und eine Körperpackung auf Basis von Holunderbeeren. Projektleiter Herbert Böchzelt im derStandard.at-Gespräch über Holunderduft und den Mehrwert von Abfallprodukten.



derStandard.at: Wieso eignet sich ausgerechnet Holunder als Basis für Kosmetik?

Böchzelt: Der Holunder gilt als Heilpflanze, das ist schon seit dem Altertum bekannt. Unser Anliegen war es, Naturkosmetik zu machen. Dabei haben wir uns auf die Inhaltsstoffe konzentriert, die in den Schalenresten und Kernen der Holunderfrucht vorkommen.

derStandard.at: Wie kann man sich das genau vorstellen?

Böchzelt: Grundlage für unsere Kosmetikprodukte ist Holundertrester – eigentlich ein "Abfallprodukt". Es fällt bei der industriellen Verarbeitung von Holunderbeeren an, aus denen schwarze und blaue Lebensmittelfarbe oder Holundersaft gewonnen werden. Trester ist das, was dabei übrig bleibt. Er besteht aus Schalenresten, ein bisschen Fruchtfleisch und den Kernen der Frucht.

derStandard.at: Wie entsteht aus einem "Abfall"- ein Pflegeprodukt?

Böchzelt: Für die Holunderpackung wird der gesamte, getrocknete Trester vermahlen und dann vorwiegend mit Basaltmehl – einem Gesteinsmehl aus dem steirischen Vulkanland – und Talkum vermischt. Das Ergebnis ist eine hautpflegende Wärmepackung. Durch das Öl, das in den Kernen enthalten ist und mitvermahlen wird, wird die Haut zart und geschmeidig.

derStandard.at: Und das Öl?

Böchzelt: Für das Körperöl werden die trockenen Kerne aus dem Trester herausgereinigt und kalt gepresst. Dadurch bleiben die Antioxidantien der Frucht erhalten, die dem Öl eine grünliche Farbe verleihen. Sie schützen die Haut vor den so genannten Freien Radikalen und verlangsamen damit den Alterungsprozess. Wir verwenden ausschließlich unraffiniertes Öl: Nach der Pressung wird es nur filtriert.

derStandard.at: Für welche Hauttypen eignet sich Kosmetik auf Holunderbasis?

Böchzelt: Die hautpflegende Wirkung von Holunder ist grundsätzlich für alle Hauttypen interessant. Wegen seines hohen Gehalts an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Vitamin E und Phytosterolen eignen sich Kosmetikprodukte auf Holunderbasis aber besonders für die Pflege von älterer, spröder und trockener Haut. Holunder mildert Juckreize und verhindert Feuchtigkeitsverlust.

derStandard.at:Wieviel Zeit hat die Entwicklung der Kosmetiklinie in Anspruch genommen?

Böchzelt: Von der Idee bis zur Produktpräsentation sind zwei Jahre vergangen – für die Entwicklung eines völlig neuen Produkts eine kurze Zeit.

derStandard.at: Und wie sind Sie "auf den Holler gekommen"?

Böchzelt: Wir wollten ein Produkt von der Region für die Region machen – Rohstoffgewinnung und -verarbeitung sollten also im Thermenland möglich sein. Der Anbau von Holunder hat eine lange Tradition in der Steiermark, wir zählen zu den größten "Holunderfabrikanten" Europas. Also haben wir auf eine in dieser Gegend bewährte Heilpflanze zurückgegriffen.

derStandard.at: Es wird aber nicht bei einem Pflegeöl und einer Körperpackung bleiben?

Böchzelt: Wir planen eine umfangreiche Kosmetiklinie auf Holunderbasis, mit Lotions, Cremes und anderen Pflegeprodukten. Mit der Entwicklung haben wir bereits begonnen.

derStandard.at: Holunderölgepflegt duftet man nach...?

Böchzelt: Mit natürlichen ätherischen Ölen ist es uns gelungen, einen Holunderblütenduft in die Produkte hinein zu bringen, der dennoch an die Beere erinnert. Die Packung hat den typisch fruchtigen Holunderbeerenduft.
(Nicole Bojar, derStandard.at, 6.2.2008)

Zur Person
Herbert Böchzelt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Joanneum Research und stellvertretender Leiter des Instituts für Nachhaltige Techniken und Systeme (NTS). Er leitet Projekte, die sich mit der Forschung und Entwicklung nachhaltiger, feinstofflicher Nutzungsmöglichkeiten von Pflanzen befassen – so auch das "Styria Sambucus"-Projekt in Zusammenarbeit mit dem steirischen Thermenland.

Styria Sambucus
Die Kosmetiklinie "Styria Sambucus" wird in den Thermen des steirischen Thermenlands vertrieben. Dort werden wahlweise Massagen und/oder Körperpackungen mit Holunderprodukten angeboten. Das Körperöl kann man sich auch mit nach Hause nehmen: 125ml kosten 18,50 Euro.

  • Herbert Böchzelt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei JOANNEUM RESEARCH und Projektleiter bei der Entwicklung der Kosmetiklinie "Styria Sambucus"
    foto: joanneum research

    Herbert Böchzelt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei JOANNEUM RESEARCH und Projektleiter bei der Entwicklung der Kosmetiklinie "Styria Sambucus"

  • Der Holunder gilt bereits seit dem Altertum als Heilpflanze
    foto: joanneum research

    Der Holunder gilt bereits seit dem Altertum als Heilpflanze

  • Eine Körperpackung aus Holundertrester und Basaltmehl sorgt für glatte Haut
    foto: steirisches thermenland

    Eine Körperpackung aus Holundertrester und Basaltmehl sorgt für glatte Haut

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