Import von IT-Spezialisten ist "grandios gescheitert"

14. Februar 2008, 12:06
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Experten sehen anhaltenden Fachkräftemangel in der IT-Branche - Erfahrene Mitarbeiter sind Mangelware

Der Bedarf an spezialisierten IT-Mitarbeitern in heimischen Betrieben ist ungebrochen. "In vielen Bereichen ist der Arbeitsmarkt wie leergefegt, was zu steigenden Gehältern führt", erklärte Personalberater Robert Fitzthum Donnerstagabend, bei einer Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community in Wien. Nachgefragt würden zurzeit weniger Generalisten als vielmehr Spezialisten, die außerdem Fähigkeiten im Bereich Kommunikation, Projektmanagement und Vertrieb aufweisen könnten.

"Der Anteil von Frauen in der IT-Branche geht laut Marktbeobachtern EU-weit zurück, weil die Maßnahmen nicht greifen."

Ein besonderer Dorn im Auge ist dem Berater der Umgang von Firmen mit weiblichen sowie älteren Bewerbern. "Der Anteil von Frauen in der IT-Branche geht laut Marktbeobachtern EU-weit zurück, weil die Maßnahmen nicht greifen. Und dass Ältere generell weniger Leistungsfähigkeit aufweisen, ist absoluter Schwachsinn", so Fitzthum. Als Gegenmaßnahmen zum Fachkräftemangel schlägt er höhere Investitionen in die Ausbildung, eine flexiblere Kurspolitik des Arbeitsmarktservice (AMS) und ein stärkeres Engagement der Unternehmen vor. Die Öffnung des Arbeitsmarktes für EU-Bürger habe zwar zu einer Entspannung geführt, gehe aber nicht weit genug, plädierte Fitzthum für eine weitere "(Fern-)Ost-Öffnung". Außerdem sollte Österreich eine "Green-Card-Lösung" in Betracht ziehen.

Grandios gescheitert

"Deutschland ist grandios daran gescheitert, IT-Fachkräfte zu importieren. Das funktioniert nicht. Die Betriebe selbst müssen in die Aus- und Weiterbildung investieren", meinte hingegen Alexander Hahnefeld, Human-Resources-Manager bei Microsoft. "Auch bei uns sind die Bewerbungen eindeutig rückläufig, was zu gewissen Schwierigkeiten führt. Denn die Stellen müssen rasch nachbesetzt werden", sagte Hahnefeld. Im Vorjahr habe man mehr als 40 Prozent der neuen Mitarbeiter über Mundpropaganda akquiriert. Hilfreich dabei und attraktiv für potenzielle Bewerber sei eine positive Unternehmenskultur.

In dieselbe Kerbe schlug auch Christine Donner, Mitglied der Geschäftsleitung von Hewlett-Packard (HP): "Gute Leute überlegen sich mittlerweile genauer denn je, wo und in welchem Umfeld sie arbeiten wollen. Nur attraktive Arbeitgeber können diese Personen für sich gewinnen und sie auch langfristig ans Unternehmen binden", gab sich Donner überzeugt. Von Fachhochschulen und Universitäten komme zwar eine gut ausgebildete Mitarbeiterschaft nach, das sei aber erst im vergangenen Jahr spürbar geworden, bemängelte Julia Kniescheck, HR-Managerin beim Softwareentwickler Anecon. Besonders Positionen, in denen eine drei- bis fünfjährige Berufserfahrung vorausgesetzt wird, könnten nur schwer besetzt werden.

Wissensdurst

Europa müsse den "Wissensdurst" kultivieren und letztlich als überlebensnotwendig anerkennen", ergänzte Wolfgang Leindecker von NextiraOne Austria. "Kinder aus ärmsten Verhältnissen in Indien kaufen sich bei Straßenhändlern um ein paar Rupien gebrauchte Bücher zum Thema Java-Programmierung, theoretische Physik oder anorganische Chemie - und verschlingen diese mit einem unglaublichen Lerneifer. Auf der anderen Seite sehen wir in Österreich Bewerber, die sich nach ihrem Fachhochschul-Studium und einem Jahr Praktikum eine Management-Position erwarten und saftige Gehaltsvorstellungen abgeben", so Leindecker.

"Die Schulungen sind da, an Bereitschaft und Vertrauen fehlt es aber"

Die IT-Mitarbeiter von morgen müssten Know-how im Projektmanagement, kaufmännische Kenntnisse und kommunikative Fähigkeiten mitbringen, erwartet Albert Gebauer vom Wirtschaftsförderungsinstitut (Wifi) künftig eine breitere Palette an Anforderungen. Allerdings würde von Privaten, Unternehmen und der öffentlichen Hand immer weniger Zeit und Geld in die Qualifizierung investiert. "Die Schulungen sind da, an Bereitschaft und Vertrauen fehlt es aber", bemängelte Gebauer.(APA)

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