Joomla wird zur Plattform für Web-Software

14. Februar 2008, 12:09
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Neuanfang mit Version 1.5 - Open-Source-Projekt mit 150.000 Teilnehmern

Joomla ist eines der meistverbreiteten Programme für die Gestaltung eines Internet-Auftritts. Mit der jetzt vorgelegten Version 1.5 geht das Open-Source-Projekt aber über das reine "Content Management System" (CMS) hinaus. "Ich kann mir Joomla in Zukunft als ein Application Framework vorstellen", erklärte Joomla-Entwickler Brad Baker. "Joomla könnte also nicht nur für CMS, sondern für eine Vielzahl von Anwendungen genutzt werden." Anzeige

Göttin der Morgensonne

Dazu wurde der PHP-Code von Joomla 1.5 so umgeschrieben, dass sich die Kernplattform mit Hilfe von Modulen sehr viel einfacher erweitern lässt als bisher. Die Software-Schnittstellen (API) wurden so gestaltet, dass Entwickler Anwendungen aller Art problemlos einklinken können. Die weit reichenden Pläne, die mit Joomla 1.5 verbunden sind, äußern sich auch darin, dass diese Version nach Khepri (oder Chepre) benannt wurde, der altägyptischen Göttin der Morgensonne.

"Wir haben voneinander gelernt und wir haben uns geholfen."

"Wir hatten Spaß, und wir haben hart gearbeitet", schrieb der in Australien lebende Baker bei der Freigabe von Joomla 1.5. "Wir haben voneinander gelernt und wir haben uns geholfen." Zahllose Entwickler hätten über mehr als zwei Jahre hinweg zehntausende von Arbeitsstunden daran gesetzt, den Code der Software völlig neu zu schreiben, und sich rund um die Uhr über alle Zeitzonen hinweg darüber ausgetauscht. Die Joomla-Arbeitsgruppen zählen nach Angaben Bakers mehr als 100 aktive Teilnehmer. Die gesamte Community umfasst mehr als 150.000 Mitglieder, darunter auch die in den Support-Foren aktiven Joomla-Nutzer.

Völlig Neues

Weil Joomla 1.5 völlig neu entwickelt wurde, ist der Umstieg von einer mit Joomla 1.0 erstellten Webseite nicht ganz einfach. Zwar wurde dafür ein Migrationstool entwickelt, das die bisherige Datenbank an die neue Struktur der MySQL-Tabellen anpasst. Dies funktioniert aber nicht auf allen Web-Servern. Daher bietet sich Joomla 1.5 zunächst vor allem für neue Internet-Auftritte an. Joomla 1.0 - zurzeit bei der Version 1.0.13 angekommen, wird parallel dazu weiterentwickelt.

Die Installation des neuen Joomla-Pakets ist in wenigen Schritten erledigt: Die 5,3 MB große Installationsdatei, die bereits die Anpassungen für deutschsprachige Seiten enthält, wird in einem Ordner der Festplatte ausgepackt und dann per FTP in das gewünschte Verzeichnis auf dem Webserver hochgeladen. Die weitere Installation findet im Browser statt: Wenn die Web-Adresse mit den Joomla-Daten aufgerufen wird, startet ein Installationsprogramm, das nach dem Namen der neuen Webseite fragt. In einem weiteren Schritt wird die Verbindung zu einer MySQL-Datenbank hergestellt, die zuvor auf dem Webserver eingerichtet wurde.

Module

Jetzt beginnt die eigentliche Bastelarbeit im "Backend", dem Verwaltungsbereich von Joomla. Sie wurde mit der Version 1.5 sehr viel übersichtlicher gestaltet und steht nun auch deutschsprachig zur Verfügung. Joomla stellt dort eine Vielzahl von "Modulen" bereit, die individuell konfiguriert werden wollen. Dazu gehört etwa ein Menü der Webseite, ein Formular für das Anmelden von Benutzern, ein Formular für Online-Umfragen oder ein Bereich, um Informationen einer anderen Webseite als RSS-Feed einzubinden. Jedes Modul wird einzeln aktiviert oder abgeschaltet und erhält eine bestimmte Position in dem meist mehrspaltigen Seitenlayout.

Die grafischen Feinheiten der Webseite werden mit Hilfe von "Templates" bestimmt. Diese bestehen aus einer Sammlung von CSS-Dateien für detaillierte Layout-Vorgaben. Weil Joomla 1.5 auch ein neues Template-Format einführt, gibt es erst relativ wenig solcher Vorlagen. Die rege Joomla-Community stellt aber ständig neue Templates bereit, die sich an die eigenen Wünsche anpassen lassen. Mit Joomla 1.5 werden «Parameter» für Templates eingeführt, so dass man einzelne Layout-Vorgaben in einem Web-Formular ändern kann und nicht unbedingt den Code selbst verändern muss.

Stable

Das neue Joomla 1.5 macht einen stabilen und schnellen Eindruck und ist sehr viel besser für Anfänger geeignet als das Konkurrenzprojekt Typo3. Beim Einrichten einer umfangreichen Webseite kann es in der Praxis zwar immer wieder zu Problemen kommen. Die Lösung dafür findet sich entweder im Forum oder aber in der nächsten Version 1.5.1. Joomla-Entwickler Baker spricht von einer "bemerkenswerten Reise voller Spaß, Entdeckungen und Lernerfolgen, bei der jeder etwas zu bieten hat und jeder etwas beitragen kann". (APA/AP)

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