"Nicht nur Neues, auch Sinnvolles"

1. April 2008, 11:37
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ZIT-Chefin Streissler hofft, mit der neuen Wiener Förder-Richtlinie neue Zielgruppen zu erreichen

STANDARD: Warum braucht eine gute Idee Förderung?

Streissler: Weil eine gute Idee oft sehr riskant ist, und es gerade für kleinere und mittlere Unternehmen schwierig, es ganz alleine zu versuchen. Außerdem verfügen viele Unternehmer nicht über genügend Eigenmittel, um eine Neuerung rechtzeitig auf den Markt zu bringen.

STANDARD: Was macht ein Forschungsprojekt förderungswürdig?

Streissler: Die wichtigsten Kriterien sind, dass etwas Neues entwickelt wird, das auch marktfähig ist. Wir sind durchaus bereit, mit ins Risiko hineinzugehen, eine realistische Umsetzung muss aber möglich sein. Zusätzlich haben wir Kriterien wie: Welche Beschäftigungswirkung wird das Projekt haben? Wie sieht es mit Nachhaltigkeit und der Gleichstellung von Männer und Frauen aus?

STANDARD: Was muss man tun, um Förderung zu bekommen?

Streissler: Es gibt einerseits die Förder-Wettbewerbe. Da entscheidet eine internationale Jury, welche der eingereichten Projekte die besten sind. Wir geben Themen vor, von denen wir glauben, dass sie gesellschaftlich relevant sind. Wir suchen nämlich nicht nur Neues, sondern auch Sinnvolles. Neben den Wettbewerben gibt es Förderprogramme, bei denen offen eingereicht werden kann.

STANDARD: Was bringt die neue Förderrichtlinie, die seit 1. Jänner 2008 in Kraft ist?

Streissler: Mit der neuen Richtlinie versuchen wir, neue Zielgruppen zu erschließen. Wir wollen jene Unternehmen erreichen, die vielleicht eine gute Idee im Hinterkopf haben, aber noch gar nicht daraufgekommen sind, dass das wirklich eine Innovation ist, die auf dem Markt Chancen hat.

STANDARD: Sie sind jetzt seit vier Monaten im Amt. Was machen Sie anders als Ihre Vorgängerin?

Streissler: Es geht da nicht so sehr um das anders machen. Wir wollen uns von einer Technologie-Förder-Agentur zu einer breiter aufgestellten Technologie- und Innovations-Agentur weiterentwickeln. Dazu gehört auch, die Bevölkerung stärker mit einzubeziehen. Und wir müssen unseren Kindern das Forschen als Berufsbild vermitteln. (Martina Stemmer, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 1.2.2008)

ZUR PERSON : Agnes Streissler (40) ist seit 1. Oktober 2007 Chefin des Zentrums für Innovation und Technologie (ZIT). Davor leitete sie die Abteilung Wirtschaftspolitik der AK Wien.
  • ZIT-Chefin Streissler hofft, mit der neuen Wiener Förder-Richtlinie neue Zielgruppen zu erreichen. Außerdem will sie Kindern das Forschen als Berufsbild vermitteln.
    foto: standard/urban

    ZIT-Chefin Streissler hofft, mit der neuen Wiener Förder-Richtlinie neue Zielgruppen zu erreichen. Außerdem will sie Kindern das Forschen als Berufsbild vermitteln.

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