Innovationpreis, neue Führungsspitze und Strafanzeige

31. Jänner 2008, 19:54
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Ab April unterstützt CEO Otto Zwanzigleitner Interimsvorstand Peter Löscher, ab Sommer kommen zwei weitere Vorstände dazu

Wien - Der krisengeschüttelte börsenotierte Automobilzulieferer Eybl International, der für 2007/09 (per Ende März) 27 Mio. Euro Verlust erwartet, krempelt die Unternehmensführung komplett um. Im Vorjahr war der Gewinn bereits um 76 Prozent auf 1,5 Mio. Euro geschrumpft. Ab 1. April unterstützt der neue CEO Otto Zwanzigleitner den derzeitigen Interimsvorstand Peter Löscher, ab Sommer kommen zwei weitere - noch nicht bekannte - Vorstände hinzu, gab Großaktionär Rudolf Fries heute, Donnerstag, in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz bekannt.

Der bisherige CEO, Johannes Elsner war am 22. Jänner "mit sofortiger Wirkung und aus höchstpersönlichen Gründen" aus dem Unternehmen geschieden. Ab dem Sommer soll Eybl einen klassischen Dreiecksvorstand haben - mit zwei Vorständen für den Vertrieb (Löschl und Zwanzigleitner), einen für die Produktion und einen für den kaufmännischer Bereich.

"Es wird jetzt in diesem Wirtschaftsjahr ein Schnitt versucht, die Vergangenheit zu beenden", so Fries, der mit seiner Familie über eine Privatstiftung 42,36 Prozent der Unternehmensanteile besitzt. "Wir versuchen derzeit, im Rahmen des Managements eine komplette Neupositionierung aufzuziehen."

Schwach aufgestellt

Gleichzeitig ist Eybl finanziell schwach aufgestellt - mit einer Verschuldung in Höhe von 331,28 Mio. Euro bei einem Eigenkapital von 53 Mio. Euro (per Ende September). "Es wird eine Eigenkapitalstärkung geben - wir werden mit unserer Hausbank (Bank Austria, Anm.) ein Konzept zur Liquiditätssicherung erstellen", kündigte Fries an. Es steht den Angaben zufolge noch nicht fest, ob eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen werden muss.Eine Hauptversammlung muss einberufen werde, wenn die Verluste mehr als das halbe Eigenkapital aufzehren.

Auch Arbeitsplätze wackeln: "In geringfügigem Ausmaß kann auch vorübergehend eine Personalmaßnahme notwendig werden", räumte Fries ein. Es würden aber höchstens "minimale Personalanpassungen nötig sein". Eybl mit Sitz im niederösterreichischen Krems beschäftigt rund 600 Mitarbeiter in Österreich, rund 1.700 an den vier Standorten in Ungarn und weitere 1.700 an einem Standort in Rumänien.

Hoher Abschreibungsbedarf

Der hohe Abschreibungsbedarf im laufenden Geschäftsjahr 2007/08 von in Summe 18,5 Mio. Euro (3,5 Mio. Euro zum Ende des dritten Quartals plus 15 Mio. Euro bis Ende März) verteile sich auf die Bereiche Vorräte, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie aktivierte Entwicklungskosten. Als größtes "Sonderprojekt" wurden Streitigkeiten mit einem Lieferanten genannt, wodurch eine Streitposition von 1,2 Mio. Euro aufgebaut worden sei. Des weiteren seien im Qualitätsmanagement und der Leistungsverrechnung "Prozesse nicht richtig aufgesetzt" gewesen. Der "Operationsbereich" sei so aufgestellt gewesen, dass "nicht die volle Transparenz" herrschte.

Pikanterie am Rande: Eybl gilt als hochinnovatives Unternehmen und hat am Donnerstag - fast zeitgleich mit der Handelsaussetzung infolge des Missmanagements - den Österreichischen Staatspreis für Innovation erhalten, allerdings für den Bereich Umwelt und Energietechnologie.

Rasinger: Fries soll Aktie von der Börse nehmen

Aktionärsvertreter Wilhelm Rasinger hat Fries aufgefordert, das Unternehmen mit einem Übernahmeangebot von der Börse zu nehmen und dann weiterzuverkaufen, um es sanieren zu lassen. "Eybl International hat nichts im Prime Market zu suchen, das zeigen schon allein die Börsenumsätze", sagte Rasinger. Für ihn komme der Ausbruch der Unternehmenskrise "nur vom Zeitpunkt her überraschend", die wahre Verfassung des Unternehmens sei über Jahre hinweg falsch dargestellt worden.

In den Eybl-Erfolgsrechnungen seien lange Zeit hohe Aufwendungen für Produktentwicklung und latente Steuern aktiviert worden. Dies sei rechtlich vielleicht zulässig gewesen, habe aber ein falsches Bild der Lage vermittelt.

Auch der Aufsichtsrat mit Rechtsanwalt Rudolf Fries und dem früheren Finanzminister Ferdinand Lacina habe "versagt". Das Kontrollorgan habe den Vorstand zu lange gewährenlassen und zu wenig "kritische Distanz" zu ihm gehalten. Zugleich habe Eybl mit der Badener Kanzlei von Fries Geschäfte gemacht, was er als kritischer Aktionär ablehne.

Strafanzeige

Laut einem Bericht der Tageszeitung "Die Presse" (Freitag-Ausgabe) ist außerdem eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Krems mit dem Vorwurf der Bilanzfälschung eingegangen.

"Die Anzeige ist gestern bei uns eingelangt", bestätigte Friedrich Kutschera, Sprecher der Staatsanwaltschaft Krems, der "Presse" am Donnerstag. Nun werde diese geprüft. In dem Schreiben, das der "Presse" vorliegt, wird der ehemalige Vorstandschef Johannes Elsner beschuldigt, mit kräftiger Unterstützung des Wiener Logistik-Unternehmens Kühne + Nagel, die Eybl-Bilanzen geschönt zu haben. Elsner hat seinen Chef-Sessel bei Eybl erst vor wenigen Tagen geräumt. Der frühere Kühne + Nagel-Chef, Friedrich Macher, ist mittlerweile Vorstand des ÖBB-Güterverkehrs.

Laut Anzeige soll Kühne + Nagel von Eybl überteuerte Grundstücke in Ungarn gekauft haben, um so die Quartalsbilanz aufzufetten. Zudem soll es vor den Bilanzstichtagen auch zu fingierten Warenlieferungen gekommen sein, heißt es in dem Schreiben an die Staatsanwaltschaft.

"Ich kann mir das nicht vorstellen", wies Kühne + Nagel-Finanzchef Martin Hafner auf Anfrage der "Presse" eine Involvierung seines Unternehmens zurück.

Bei Eybl International hat erst im November jener Manager den Konzern verlassen, der die operative Verantwortung für die Bereiche Produktion und Einkauf getragen hat. Er ist bei Eybl International auch für die Zusammenarbeit mit Kühne & Nagel verantwortlich gewesen, heißt es beim Autozulieferer. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Die "Presse" konfrontierte Eybl-Großaktionär Rudolf Fries mit den Vorwürfen. "Ich weiß nichts von einer Anzeige", beteuerte Fries, Mitglied des Aufsichtsrats bei Eybl. Man überlege auch nicht, selbst Anzeige zu erstatten. Ausschließen wollte er eine mögliche Bilanzfälschung jedoch nicht. Fries wörtlich: "Ich kann gar nichts ausschließen." (APA)

  • Eybl gilt als hochinnovatives Unternehmen.
    foto: eybl international

    Eybl gilt als hochinnovatives Unternehmen.

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