Der schärfste Zahn von Neustadt

15. Februar 2008, 11:23
6 Postings

Wenn ein Biber an der Wohnungstür klopft, um vorbeizuschauen, ob hier neuer Lebensraum frei wird - Produktions-
Tagebuch, Folge 17

Herzlich willkommen im Neuen Jahr. „Jetzt steht schon ein Achter am Ende und der Film ist immer noch nicht fertig. Was tun die eigentlich die ganze Zeit“, werden sich manche vielleicht fragen, „was kann denn da solange dauern? Wenn ich mir einen Film anschaue, bin ich in längstens zwei Stunden fertig, da war ich aber am Klo auch inzwischen und Bier holen und hab’ meine SMS gecheckt.“

So ist das oft. Ausgetrunken ist rasch, das Brauen dauert länger. Vor allem wenn man das Wasser von vielen verschiedenen Finanzierungsquellen zum sprudeln bringen muß, bis das ganze Budget für den Film zusammen ist, ist eine gewisse Bohrzeit leider nicht zu unterschreiten.

Außerdem gibt es viele praktische Dinge vorzubereiten und zu organisieren. Bei „Solange der Vorrat reicht“ brauchen wir Etliches, das nicht gleich beim Greißler um's Eck zu finden ist.

Etwa einen Biber, der unvermittelt an der Wohnungstür klingelt, um vorbeizuschauen, ob hier neuer Lebensraum frei wird. Sie wissen ja, unser Actionknüller spielt in einer Schwundregion, wo mit viel Verve rückgebaut wird, da kommen dann die Tiere wieder mehr. Man glaubt, der Postler kommt und bringt einen Brief, der den Räumungsbescheid aufhebt, dabei übernimmt die Fauna das Kommando.

Bei unserer Location-Suche sind wir in Deutschland zufällig auf einen netten Herrn gestoßen, der seine Tage und zahlreiche Nächte mit Bibern zubringt. Der hat gemeint, unseren Anforderungen hält ein Biber locker stand, für einen Biber ist das kein größeres Problem, diese Rolle gut zu spielen. Man muß nur Sicherheitsvorkehrungen für Teammitglieder treffen. Beinschutz, Handschuhe, Einschulung u.dgl. mehr. Weil der Biber hat scharfe Zähne, und wenn er sich schreckt oder bedrängt fühlt, dann spitzt er gerne das nächststehende Bein an wie einen Baum am Wasser.

Und: Biber sind streng geschützt, weil sie ja schon eine Zeitlang mancherorts recht selten sind, mancherorts auch schon wieder nicht, man braucht daher einen zugelassenen Tiertrainer und wahrscheinlich psychologische Gutachten, die bestätigen, daß der Biber beim Drehen keinen seelischen Schaden davon trägt. Sonst bekommt man keinen Biber auf die Payroll.

(Bei Menschen ist das übrigens einfacher, da braucht man keine psychologischen Gutachten vor Drehbeginn.) Wer sich das Gutachten sparen will, muß einen Biber finden, der von Menschen aufgezogen wurde und somit durch den direkten Umgang mit Menschen keinen extra Schaden mehr erleiden kann. In Wien gab es angeblich sogar einmal zwei Filmbiber – Fluffy und Flumy. Einer der beiden lebt jetzt im Nationalpark in der Lobau. Müssen wir herausfinden, ob er seine Filmkarriere schon beendet hat oder ob er noch auftreten will. Und natürlich ob ihm auch das Drehbuch gefällt. Dann ist ein Vorvertrag nur noch reine Formsache.

Wenn allerdings wer von Ihnen zufällig mit einem Biber zusammen wohnt, sind wir 24/7 gesprächsbereit. (Martin Puntigam/Leopold Lummerstorfer, 31.1.2008)

Lesen Sie übernächsten Donnerstag (14.2.):
"Opfaz – von Kugeln zersiebt."
  • Artikelbild
    foto: wikipedia/commons/beaver
  • Deutschland 2007, Motivsuche
    foto: blackbox films/robert angst

    Deutschland 2007, Motivsuche

  • ...da kommen dann die Tiere wieder mehr.
    foto: blackbox films/robert angst

    ...da kommen dann die Tiere wieder mehr.

Share if you care.