Mit Excel und Visual Basic zum Milliarden-Betrug

von Redaktion  |  17. April 2008, 10:17
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Jérôme K. brachte die Société Générale mutmaßlich um fast fünf Milliarden Euro - Ein großer Hacker musste er dafür nicht sein

Es ist einer der größten Skandale in der Geschichte des Bankwesens. Liest man die Schlagzeilen der vergangenen Tage und Wochen, lässt sich erahnen, welches Ausmaß der Societe-General-Betrug mittlerweile angenommen hat:

- "Societe-General-Aktien eröffnen fast vier Prozent im Minus" (24-01-08 / 12:20)

- "Händler rätseln über Milliardenskandal bei Societe General" (24-01-08 / 14:58:04)

- "Regierung spricht bei Societe General von Krise" (29-01-08 / 10:15:33)

- "Gewerkschafter weisen nach SocGen-Skandal auf Suizide hin" (29-01-08 / 19:27:07)

- "Vorgesetzte müssen Bescheid gewusst haben" (30-01-08 / 06:03:30)

- "SocGen-Aufsichtsrat in Krisensitzung - Zukunft von Bankchef unklar" (30-01-08 / 14:03:00)

One-Man-Show

Im Zentrum des Skandals steht der Aktienhändler Jerome K. Er soll nach Angaben von SocGen illegale Geschäfte im Volumen von 50 Milliarden Euro gemacht und die Bank dabei um 4,82 Milliarden Euro gebracht haben. Verurteilt wurde der Manager bisher nicht, deswegen gilt für ihn die Unschuldsvermutung. Das Management der Bank hat nach eigenen Angaben bis vor wenigen Tagen nichts von den ungenehmigten Geschäften gewusst.

Als untergeordneter Mitarbeiter waren die Summen, die K. einsetzen konnte, begrenzt. Societe General erklärte allerdings, der 31-Jährige habe dank seiner Erfahrungen aus anderen Geschäftsbereichen der Bank das Wissen gehabt, die Sicherheitskontrollen zu umgehen. Vorwürfe, er habe sich auf Kosten der Bank bereichern wollen, wies er zurück. Er habe jedoch auf einen doppelt so hohen Jahresbonus für 2007 gehofft, wie die 300.000 Euro, die ihm angeboten worden seien.

Durchgeschleust

Das erstaunliche an den Ereignissen: K. hatte für die Umgehung der Sicherheitsmechanismen nicht mit besonderen Computerkenntnissen aufwarten müssen. Nach Berichten von InformationWeek genügte dazu lediglich der geschulte Umgang mit Microsofts Office und grundlegende Kenntnisse in Microsofts Visual Basic.

Die Programmiersprache soll er genutzt haben, um automatisierte Arbeitsabläufe für Tabellen einzurichten. Vermutungen besagen, er habe diese Funktionen genutzt, um Exceltabellen zu fälschen, die er dann seinen Vorgesetzten vorgelegt hatte. Zusätzlich soll er Zugangsdaten seiner Kollegen für die Erstellung fingierter Konten verwendet haben. Mit fiktiven Verlustgeschäften habe er, laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters, sein Millionenspiel verschleiert.

Unbemerkt?

Letztlich hätten offiziell noch 55 Millionen Euro in den Büchern gestanden, berichtet Reuters. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Vorgesetzten das Geld nicht bemerkten, das ich einsetzte", sagte K. den Berichten zufolge. "Es war unmöglich solche Gewinne mit kleinen Positionen zu erreichen." Die dabei von ihm genutzten Techniken seien nicht kompliziert gewesen.

Den Aufzeichnungen der Ermittler zufolge machte K. ein systematisches Versagen von Computer- und Management-Kontrollen für seine Geschäfte verantwortlich, die der Bank zufolge zu einem Schaden von fast fünf Milliarden Euro führten. Ein Anwalt der Bank zweifelte die Aussagen K. an.

Folgen

Gegen K. wird wegen des Verdachts auf Vertrauensbruchs, der missbräuchlichen Verwendung von Computern und der Fälschung ermittelt. Bei einer Verurteilung drohen ihm drei Jahre Haft.

Die Bank selbst musste einen massiven Gewinneinbruch im vierten Quartal um 40 Prozent auf unter eine Milliarde Euro hinnehmen. Zurzeit kursieren Übernahmegerüchte seitens ausländischer Banken und der französischen BNP Paribas.

Eine Mitarbeiterorganisation kündigte rechtliche Schritte wegen Fahrlässigkeit gegen die SocGen an. Der Skandal habe finanzielle Auswirkungen auf die Angestellten, hieß es. Bei dem Institut arbeiten etwa 120.000 Menschen.

Insider

Die Staatsanwaltschaft verzichtet vorerst dagegen auf Ermittlungen wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Ein Verwaltungsrat der Bank hatte wenige Tage vor Bekanntwerden der Probleme in großem Stil SocGen-Aktien verkauft.

Wie der Verwaltungsrat beschloss, soll der bisherige Chef Daniel Bouton auf seinem Posten bleiben. Er hatte im Zuge des Skandals seinen Rücktritt angeboten. (zw)

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»Posting 1 bis 25 von 192
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Werner Keil 
02.02.2008 21:43
Verwundert nicht wirklich

Habe selbst in einem Weltkonzerns erlebt, dass in deren Pariser Filiale mit Excel-Tabellen, und diversen SQL Scripts, deren wahre Funktion nur einem oder zwei Personen wirklich klar schien ganze Unternehmensbereiche finanziell dominiert und kontrolliert.
Der Versuch, diese Programme und Scripts durch anerkannte und nachvollziehbare Systeme zu ersetzen gestaltete sich extrem schwierig.
Dass es in aehnlich grossen Unternehmen in Frankreich oft nicht so rosig um den Ersatz solcher "One Man Shows" stehen mag ist also naheliegend.

Der Österreicher
02.02.2008 20:45

300.000 Euro Bonus für einen untergeordneten Mitarbeiter. Das ist doch krank!

Valerius  
05.02.2008 13:00

Bei den Summen, um die es da geht, ist das nicht mal ein Tropfen in einem Buschfeuer.

enrico-palazzo
01.02.2008 15:04
jerome k.

für mich jetzt schon the man of the year!!

kopfsalat
01.02.2008 16:18
jerome kerviel

heisst der mann. warum trauen die sich nicht mehr als k. zu schreiben?

Simon Says
01.02.2008 15:00
Prinzipielles bei einer Bank

Also, eine Bank hat diverse Abteilungen die zwar ohne IT nicht mer auskommen aber es immer noch Menschen die Fehler machen.

Die verpflichtenden Einrichtungen einer Bank (zumindest in Ö) sind:
4 Augen Prinzip (ein Zweiter muss das Geschäft bestätigen)
RISK-Management (Nochmals mind. 2 Personen müssen das Geschäft überprüfen.)
Bei so großen Beträgen wird die GF informiert da ja ein Händler nur ein gewisses Portfeuil hat mit dem er "Zocken" kann.

Sicher wird vieles durch die IT abgefangen aber der Mensch muss es Bewußt ein zweites Mal Bestätigen.

Peter Falber
01.02.2008 14:25

ich frag mich gerade, wie man mit vb eine excel tabelle "faelschen" koennen soll.

RS69
01.02.2008 14:44

SIe schreiben ein script, dass beim Speichern die Daten zu Ihnen rüber schreibt, und stattdessen Zahlen aus einem File bei Ihnen einliest. Dann müssen Sie ihm nur noch Leserechte auf das betreffende Ihrer Verzeichnisse geben.

Braucht keine Bereichtigungen, weil's ja der ausführt, dem der Accout gehört, und der die Rechte hat. Sie müssen ihn nur dazu bringen, Ihr File zu verwenden.

Fraglich ist, warum es passieren kann, dass es länger niemandem auffällt.

Peter Falber
01.02.2008 14:55

hm, verstehe nicht ganz, warum ich da nicht gleich "meine" zahlen in das excel schreiben koennte ...

oder soll man davon ausgehen, dass die excel datei eingaben checkt, die man aushebelt indem man mit vb direkt reinschreibt? das waer aber dann nullsecurity, wenn die daten etwa aus einem so "gefaelschten" excel-file ungeprueft uebernommen wuerden.

Alex M
02.02.2008 02:05
es würde ja schon reichen die minus-zeichen bei ...

... grossen zahlenbeträgen zu entfernen. ein paar sollte man schon drinlassen, damit es nicht auffällt :)

RS69
01.02.2008 15:14

Weil SIe keinen Zugriff auf seine Files haben? Dafür bräuchten Sie sein Passwort.

Beiddenker
01.02.2008 14:17
Und die wirklichen Verantwortlichen ...

... putzen sich wieder ab. Selbst wenn J.K. aufgrund seiner Kenntnisse Sicherheitslücken nutzen konnte, wie zum Teufel können Milliardenbeträge nicht auffallen?!?! - Hier krankt es ja an etwas Grundlegendem. Aber die dafür Verantwortlichen - Vorstand/Aufsichtsräte - sind ja eh meist nur hochdotierte Versorgungsposten - und das rächt sich immer.

der postbote
01.02.2008 14:13
glaubt das wer?

Simon Says
01.02.2008 13:01
VB vs. VBA

Ich glaube in dem Artikel wurde VB und VBA ein wenig verwechselt.

VBA (Visual Basic for Application) ist die Makroprogrammiersprache für Officeprodukte (automatisierte Abläufe in Excel....).

Mit VBA kann zwar viel gemacht werden aber auch nicht alles. VB verlangt schon tiefere Programmierkenntnisse um für Excel Makros zu Programmieren (Compilieren usw....), da VBA ja nur die aufgezeichneten Makros verarbeitet (die dann im VBA-Editor nachbearbeitet werden können).

Der Verfasser dieses Artikels hat sich wohl nicht ganz richtig Informiert was VB und was VBA ist.

gschuettelter
01.02.2008 17:14
Simon Says ...

... alle Klugsch*** heben die hand!

*zwinker*

Midnight Rambler
01.02.2008 12:37

wenn der Hr. Jérôme K. als "User" seines Unternehmens die gesamte Office Palette uneingeschränkt nutzen kann, incl. Access, Visual Basic etc.... selber schuld.
In jedem Größeren Unternehmen gibts Experten die für die IT Infrastruktur verantwortlich sind, Experten die für die IT-Security verantwortlich sind, und genau so etwas verhindern sollten.
VB ist ein reines Entwicklungstool und hat in einem Unternehmen beim Anwender nichts verloren.
Punkt!

Fußballgott Acimovic
01.02.2008 13:47
ROFL

Selten so einen Blödsinn gelesen.

Was hat das Benutzen von Applikationen mit Berechtigungs.- & Kontrollstrukturen zu tun?

Das VBA von Excel ist ein Entwicklungstool?

Erklären sie das unseren Kollegen vom Controlling und der Buchhaltung. Die arbeiten nämlich damit.

Midnight Rambler
01.02.2008 19:50

wenn sie nicht wissen, was in einem Unternehmen das benutzen von Applikationen mit Berechtigungs.- & Kontrollstrukturen zu tun haben, ist jede Debatte mit ihnen sinnlos, zumindest was den IT-Bereich betrifft, sorry.
hier gehts ja nicht um die IT vom Pizzaflitzer.

vielleicht habens vom Kicken mehr Ahnung.

Fußballgott Acimovic
02.02.2008 11:42
Darf ich raten?

BWL-Student.

Midnight Rambler
02.02.2008 12:10

falsch, kleiner Hinweis, ich plag mich auch mit usern in einem großen Unternehmen, die meinen sie müssen alles dürfen.

Fußballgott Acimovic
02.02.2008 14:27
In dem Unternehmen möcht ich auch arbeiten

Da glaubr die IT durch restrigieren von Applikationen die Sicherheit zu erhöhen.

Security through Obscrity

Gut, kein BWLer nur ein Mircosoft ausgebildeter.

Aaaaaaaaaaargh

. Carnap  
01.02.2008 13:33

So einfach ist das nicht. Gut und schön: der IT-Verantwortliche sollte sicherheitstechnisch sagen, wos lang geht.

Bloß: das passiert so gut wie gar nicht. Viele Vorgesetzte des IT-verantwortlich schwafeln von Sicherheit, lassen sich aber Sonderrechte einräumen, die das Sicherheitskonzept des Verantwortlichen untergraben.

IT-Laute werden sehr oft verheizt, ich glaube, das ist der Normalfall und nicht die Ausnahme.

hommadesollasnedbraucht 
01.02.2008 13:32
entwicklungstool?

Wenn VB ein Entwicklungstool ist will ich nicht mehr Entwickeln.
VB (und VBA und VBS) sind reine Enduserspielzeuge mit denen man die Grenzen der Anwendungen etwas hinausschieben kann.

Midnight Rambler
01.02.2008 19:53

Enduserspielzeuge, vielleicht im Privatbereich, oder einem Unternehmen mit max. 10 Mitarbeitern, aber sicher nicht im Bankbereich.

vielleicht sind sie ein guter Programmierer, von einer IT-Infrastruktur in einem Großunternehmen habens leider keine Ahnung, tut mir leid, wenn ich ihnen das so rüberreiben muss.

Che Buchinger
07.02.2008 16:21
Entschuldigen Sie,

aber wenn Sie wirklich das glauben, was Sie schreiben, dann läuft der IT-Betrieb in Ihren Unternehmen an Ihnen vorbei

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