Mehr ein Viertel aller Studenten hat Migrationshintergrund

31. Jänner 2008, 14:26
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"Bildungsinländer" mit Migrationshintergrund sind meist aus Akademikerfamilien

Wien - Mehr als ein Viertel der Studenten in Österreich hat einen Migrationshintergrund: Entweder sind sie selbst oder zumindest ein Elternteil im Ausland geboren. Knapp die Hälfte kam extra zum Studium nach Österreich, während die andere Hälfte den Schulabschluss bzw. Hochschulzugang in Österreich erhielt. Das ist das Ergebnis einer Befragung des Institut für Höhere Studien (IHS) im Rahmen der Studierenden-Sozialerhebung 2006.

Bildungsdaten

In der Teilstudie "Internationale Mobilität und ausländische Studierende" erhoben Martin Unger und Angela Wroblewski vom IHS u.a. die Situation "ausländischer Studierender" im Erststudium (alle Studienformen mit Ausnahme des Doktorats). Auf Grundlage der Hochschulstatistik legten sie Daten zu in- und ausländischen Studierenden anhand ihrer Staatsbürgerschaft vor. Als "aussagefähigeres Konzept" erhoben die Autoren zudem erstmals auf Grundlage von Befragungen Daten zu "Bildungsinländern" sowie "Bildungsausländern", die Migrationshintergrund sowie Muttersprache berücksichtigen, wie "Der Standard" (Donnerstagausgabe) berichtete.

"Bildungsinländer

Von allen in Österreich Studierenden im Erststudium sind 86,4 Prozent sogenannte Bildungsinländer (Schule in Österreich besucht und Hochschulzugang im Inland erworben haben). 13,6 Prozent sind als Bildungsausländer zum Studium nach Österreich gekommen.

Unter den Bildungsinländern haben knapp über vier Prozent keine österreichische Staatsbürgerschaft. 15,6 Prozent aller Studierender, die in Österreich einen Schulabschluss absolvierten, haben einen Migrationshintergrund. Entweder sind sie (1. Generation) oder mindestens ein Elternteil (2. Generation) im Ausland geboren. Rund zwei Drittel gehören laut der Studie der zweiten Generation an - sie wurden also bereits in Österreich geboren.

MigrantInnen an der Uni meist aus Akademikerfamilien

Bei den Bildungsinländern mit Migrationshintergrund erhoben die Autoren einen leicht höheren Frauenanteil sowie einen stark ausgeprägten Anteil von Studenten aus Akademikerfamilien. Letztere sind "fast zweifach überrepräsentiert". Gleichzeitig ist aber auch der Anteil an Studierenden, deren Väter maximal über einen Pflichtschulabschluss verfügen, überdurchschnittlich hoch.

"Von den Bildungsausländern haben (inzwischen) zwei Prozent die österreichische Staatsbürgerschaft, und nahezu alle haben Migrationshintergrund", schreiben die Autoren. Unter den Bildungsausländern gaben etwa zwei Drittel (65,9 Prozent) Deutsch als Muttersprache an, bei 34,1 Prozent ist die Muttersprache nicht Deutsch.

Sozialer Aufstieg

Bei jenen, die zum Studieren nach Österreich kamen, ist das Studium laut den Autoren sehr häufig mit einem sozialen Aufstieg verbunden. Studierende der 2. Generation "kommen überdurchschnittlich oft entweder aus niedrigen oder aus hohen Schichten, aber seltener aus der 'Mittelschicht'", so die Autoren.

Im Wintersemester 2006/07 studierten rund 240.000 Personen an österreichischen Hochschulen, an den Universitäten waren mehr als 210.000 Studenten zum Studium zugelassen. Dabei gab es laut Hochschulstatistik mehr als 42.000 ausländische Studierende in Österreich, "viermal so viele wie noch vor 30 Jahren". Die Zahl ausländischer Studierender ist laut den Autoren allerdings weniger stark gestiegen "wie jene der inländischen Studierenden". (APA)

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    foto: unterberger
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