US-Wahlkampf im Internet abseits herkömmlicher Umfragen

8. Februar 2008, 11:38
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Medienpräsenz, Zugriffsstatistiken, Online-Börsen - Web bietet Trendmessungen der neuen Art

Der US-Wahlkampf findet in einem nicht zu vernachlässigenden Ausmaß auch im Internet statt. Neben den herkömmlichen Umfrageergebnissen von Meinungsforschern bietet das Internet zahlreiche Möglichkeiten, Trends im Wahlkampf an weniger beachteten Parametern zu messen. Die Methoden sind zwar nicht wissenschaftlich, doch stimmen bekanntlich auch die Prognosen von Meinungsforschungsinstituten nicht immer.

Wirkung eines Kandidaten

Der einfachste Weg, die Wirkung eines Kandidaten zu messen, ist die Medienpräsenz. Je öfter jemand erwähnt wird, desto besser für die Person, sei es aufgrund eines Skandals oder eines Erfolges. Daylife.com bietet mit seinem Trendtool die Möglichkeit, die Medienpräsenz einzelner Kandidaten - eingeschränkt auf englischsprachige Medien - abzufragen. Auf der chronologischen Zeitlinie sind hier die Demokraten Hillary Clinton, gefolgt von Barack Obama, eindeutige Sieger.

"Es gibt viele Methoden, um den Erfolg von Wahlkampfprogrammen zu messen. Die meisten dieser Verfahren konzentrieren sich auf Meinungsumfragen und lassen die Online-Berichterstattung unberücksichtigt", so Arno Scharl vom Institut für Neue Medientechnologie der Modul University Vienna. Mit semantischer Technologie arbeitet der von ihm gemeinsam mit einem österreichischen Forscherteam entwickelte "US Election 2008 Web Monitor".

"Wie häufig berichten Online-Medien über die Parteien und Kandidaten?

Das Web-Portal, welches die Online-Berichterstattung der Kandidaten weltweit beurteilt, verwertet Daten aus Online-Medien, Blogs, von NGOs und führenden US-Unternehmen. Die Analyse soll Fragen beantworten wie: "Wie häufig berichten Online-Medien über die Parteien und Kandidaten? Überwiegen positive oder negative Kommentare? Welche Themen werden mit den einzelnen Kandidaten assoziiert? Existieren Trends oder regionale Unterschiede in ihrer Popularität?"

Geht es nach Google-Trends, so gaben in den vergangenen 30 Tagen die meisten Internet-Nutzer die Namen der demokratischen Kandidaten, Obama gefolgt von Clinton, in die Suchmaschine ein. Bei den Republikanern ist das Ergebnis nicht so eindeutig. Das Interesse scheint jedoch am häufigsten bei John McCain und Mitt Romney zu liegen. Die Webseite verrät außerdem, von welchem Bundesstaat und welcher Stadt die Anfragen kamen.

Blogs

Weniger repräsentativ sind wohl die Erwähnungen der Präsidentschaftsanwärter in Blogs (Internet-Journal). Dennoch gibt es von ihnen bereits eine beträchtliche Zahl im Internet. Die Angaben variieren zwischen 100 und 200 Millionen weltweit. Blogpulse durchsucht mit seinem Trend Search-Werkzeug die Blogs nach Begriffen und stellt sie gegenüber. Knapper Favorit ist hier Obama, während Clinton auf der Blogger-Plattform Technorati mehr Erwähnung findet.

Einen interessanten Aufschluss über die semantische Seite des Wahlkampfes bietet TagCrowd. Die Online-Maschine bereitet die häufigsten Wortvorkommen (Tags) einer Webseite grafisch auf. Clintons Webseite zu ihren Wahlkampf-Positionen zeigt, dass die Begriffe "Familie" und "Frauen" weniger oft vorkommen als "Kinder", "Immigration" und "Irak". Obama setzt mehr auf die Begriffe "Sicherheit", "Familie", "Bildung" sowie "Wirtschaft" und weniger auf "Armut" und "Umwelt". Bei McCain dominieren "Sicherheit" und "Gesundheit". Die Seite eignet sich auch gut zur Analyse von Wahlkampfreden, da nicht nur Web-Adressen, sondern auch Texte direkt eingegeben und ausgewertet werden.(APA)

  • Barack Obama im Wahlkampf

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