Zwei tragende Internet-Backbones im Mittelmeer zerrissen

7. Februar 2008, 10:13
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Schiffe beschädigten Glasfaserleitungen - Arabische Länder und Indien ohne Internet - Reparatur soll mindestens zwei Wochen dauern

In zahlreichen arabischen Ländern ist das Internet seit zwei Tagen zum Teil komplett ausgefallen. Nach Angaben von Internet-Providern in Kairo vom Donnerstag ist ein unterseeisches Glasfaserkabel im Mittelmeer defekt. Auch in Indien ist die Verbindung ins weltweite Datennetz erheblich eingeschränkt. "Die Bandbreite ist um 50 bis 60 Prozent gekappt", sagte Rajesh Chharia, Präsident des Verbands der indischen Zugangs-Anbieter.

Call Center und IT-Unternehmen

Indische Call Center und IT-Unternehmen seien am stärksten betroffen, da sie auf Telefonate und den Datenverkehr über das Internet angewiesen sind. In Ägypten sind Medienberichten zufolge 70 Prozent der Netzkunden von dem Ausfall betroffen. Zum Teil sind ihre Internet-Verbindungen völlig abgebrochen, zum Teil sind die Leitungen deutlich langsamer.

"Es würde mich aber nicht wundern, wenn das sogar noch zwei Monate dauert."

Das schadhafte Kabel liege zehn Kilometer entfernt von der ägyptischen Mittelmeerküste bei der Hafenstadt Alexandria, hieß es in Kairo. Die Reparatur wird vermutlich mindestens zwei Wochen oder noch deutlich länger dauern, schätzt Christian Müller, Technikvorstand des deutschen Internet-Dienstleisters Strato AG. "Es würde mich aber nicht wundern, wenn das sogar noch zwei Monate dauert." Der Internet- Verkehr könnte in der Zwischenzeit zwar auf andere Kabelverbindungen umgeleitet werden, die ursprüngliche Leistungsfähigkeit wäre dann aber noch nicht gegeben.

Drei Verbindungen

Während Deutschland rund 30 Internet-Anbindungen ins Ausland hat, führten nach Ägypten lediglich fünf Glasfaserkabel, sagte Müller. Durch das Mittelmeer verlaufen insgesamt drei Verbindungen, die die Daten über den Golf von Kuwait bis nach Indien leiten. Die äußerst stabilen Kabel bestehen aus mehreren Schichten und sind unter anderem mit einem Stahlgeflecht geschützt. Sollte tatsächlich ein Schiffs- Anker den Schaden verursacht haben, wie es in Medienberichten hieß, müsse es ein sehr großes Schiff mit enormer Zugkraft gewesen sein, sagte Müller.

In Saudi-Arabien blieb mehr als die Hälfte der Netzkunden ohne Internet

Der Ausfall des Internet-Kabels wirkte sich auch auf andere Länder in der arabischen Region aus. In Saudi-Arabien blieb mehr als die Hälfte der Netzkunden ohne Internet, berichtete die Tageszeitung "Arab News" unter Berufung auf die Saudi Telecom. Beeinträchtigungen gab es auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Die beiden Anbieter "du" und "etisalat" leiteten zwar ihren Datenverkehr auf andere Verbindungen um. Wegen deren Überlastung kam es aber zu einem Absinken der Übertragungsgeschwindigkeit, schrieb die in Dubai erscheinende Tageszeitung "Gulf News". (Reuters)

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