Die nackte Ikone: Dita von Teese tanzte für Richard Lugner

31. Jänner 2008, 10:39
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Ganze zehn Minuten pritschelte sie rund um und in einem Martiniglas - und war das Gegenteil klassisch-billiger Männerphantasien einer Stripperin

Wien – Nach exakt 10 Minuten und 46 Sekunden war die Sache vorüber: Ein bulliger Mann stellte sich vor das überdimensionale Martiniglas auf der Bühne eines Kinos in der Lugner City, wickelte die Dame, die soeben noch im Champagner-Warmwassergemisch gepritschelt hatte, in ein schwarzes Frotteetuch – und brachte Dita von Teese von der Bühne.

Routine nicht ernstgenommen zu werden

Das Publikum applaudierte. Und Richard Lugner gab Anweisung, den Lugner-am-Opernball-Film fortzusetzen, den sein Gast Mittwochabend um 19.30 Uhr wegen der optimalen Pritscheltemperatur unterbrechen hatte lassen. Das Publikum aber war undankbar und unhöflich: Es ging. Denn wen kümmert schon ein Zusammenschnitt alter Lugner-Kamellen, wenn man gerade einem Idol bei dem zusehen konnte, was es am besten kann? Idolsein nämlich. Doch der Gastgeber der "Burlesque-Tänzerin" trug es wohl mit Fassung. Erstens, weil Richard Lugner Routine darin hat, nicht ernstgenommen zu werden.

Zweitens, weil er ohnehin bekommen hat, was er wollte: "Wir haben mit Dita von Teese sogar mehr Presse als voriges Jahr mit Paris Hilton."

Auf Wolke Sieben

Drittens wegen des kleinen, befriedigenden Bonus, den Herr Mörtel da heuer einstreifen konnte. Nein, nicht die 25 Euro, die ein Platz im Kino kostete: Nach der Show (und nach einem Dinner im Sacher) war Richard Lugner als Gast in den Club 2 geladen. Um – unter anderen – mit Staatsoperndirektor Ioan Holender über Sinn und Vereinnahmung des Balles zu streiten. Und allein die Tatsache, dass sein "Intimfeind" (Lugner) da nicht bloß über, sondern mit ihm reden müssen würde, ließ den vielbelächelten und oft geschmähten Selbstdarsteller schon vor von Teeses Show auf Wolke Sieben schweben.

Keine billige Männerphantasie

Ebendort schwebten nach der Show auch die Fans. Vor allem die weiblichen – während manche Herren fast enttäuscht wirkten. Wieso? Dita von Teese hatte 10 Minuten und 46 Sekunden getanzt. Rund um und in einem Martiniglas. Dabei hatte sie sich (fast) aller Kleidungsstücke entledigt. Nur war sie dabei unangreifbar und autonom geblieben – das Gegenteil klassisch-billiger Männerphantasien einer Stripperin.

Kein Wunder also, dass der Zauberer Toni Rey beim Verlassen des Kinos meinte: "Ich habe Jahrzehnte im Nachtgeschäft gearbeitet. Ich sag' Euch eines: Jede Stripperin im Etablissement Renz hat mir in kürzerer Zeit mehr eingeheizt." Aber vielleicht ist ja just das der Unterschied zwischen "Burlesque" und "Strip". (Thomas Rottenberg/ DER STANDARD Printausgabe 31.1.2008)

Zum Thema: Wir berichten am Donnerstag etwa ab 22:00 Uhr von den ersten Eindrücken am Opernball

  • Von Teese erfreute mit ihrem Tanz exakt 10 Minuten und 46 Sekunden
    foto: standard/ corn

    Von Teese erfreute mit ihrem Tanz exakt 10 Minuten und 46 Sekunden

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