HIV-Neuinfektionen in Österreich dramatisch gestiegen

30. Jänner 2008, 19:25
27 Postings

2007 erstmals seit 1993 wieder mehr als 500 Neuinfizierte - OÖ und Steiermark besonders betroffen - Bisher 1.450 Todesfälle - mit Grafik

Wien/Graz - Die Zahl der HIV-Neuinfektionen ist in Österreich wieder gestiegen: Im Jahr 2007 wurden erstmals seit 1993 mehr als 500 Menschen HIV-positiv getestet. Mit 515 neu diagnostizierten Infektionen gegenüber 442 im Jahr 2006 wurde österreichweit ein Anstieg um 16,5 Prozent registriert. Es steckten sich damit im vergangenen Jahr um 73 Personen mehr mit dem Immunschwächevirus an als ein Jahr davor. Das teilte die Aids Hilfe Wien am Mittwoch in einer Aussendung mit. Besonders betroffen sind offenbar die Steiermark und Oberösterreich.

Auf die Entwicklung verwies auch das Institut für Virologie in Wien. "In Österreich haben wir 2007 deutlich mehr HIV-Infektionen neu nachgewiesen als in den vorhergehenden Jahren. (...) Bei genauerem Betrachten der Daten erkennt man aber, dass es sich hier nicht um ein Phänomen handelt, das gleichmäßig für ganz Österreich zutrifft, sondern dass die neue diagnostizierten Fälle vor allem in Oberösterreich und in der Steiermark stark angestiegen sind (...)", heißt es in den neuesten Virusepidemiologischen Untersuchungen.

In der Steiermark sei der Zuwachs ausschließlich bei Männern in der Gruppe der anonym getesten Personen beobachtet worden. In Oberösterreich seien die Zahlen hingegen sowohl bei Männern als auch bei Frauen stärker gestiegen als in den anderen Bundesländern. Möglicherweise seien aber einfach mehr bisher unbekannte Infektionen mit HIV diagnostiziert worden.

In Wien ist die Anzahl der neuen Ansteckungen von 256 im Jahr 2006 auf 266 im Vorjahr gestiegen. Aber mehr als jede zweite Neuinfektion in Österreich wurde in der Bundeshauptstadt verzeichnet. Die Steigerungsrate liegt mit rund vier Prozent daher deutlich unter dem bundesweiten Schnitt. "Wir müssen diese Entwicklung ernst nehmen", betonte Elke Schlitz, Geschäftsführerin der Aids Hilfe Wien. "Denn 2007 haben sich in der Bundeshauptstadt jede Woche mindestens fünf Menschen mit dem Immunschwächevirus HIV infiziert."

12.000 bis 15.000 HIV-Infizierte

Die Aids Hilfe Wien rechnet inklusive Dunkelziffer mit österreichweit 12.000 bis 15.000 HIV-infizierten Menschen, von denen etwa die Hälfte in der Bundeshauptstadt lebt. Erfreulich ist, dass die Infektionszahlen bei Frauen in Wien nicht mehr ansteigen, sondern mit 53 Neuinfektionen gegenüber den vergangenen Jahren kontinuierlich sinken (Neuinfektionen bei Frauen in Wien: 2006: 59, 2005: 68, 2004: 82).

Problematisch ist für die Aids Hilfe vor allem, dass wegen besserer Behandlungsmöglichkeiten HIV seinen Schrecken weitgehend verloren zu haben scheint. Die Bevölkerung dürfte sorgloser geworden sein. Schlitz: "Man darf keinesfalls übersehen, dass nach wie vor Menschen an Aids bzw. den damit in Zusammenhang stehenden Erkrankungen sterben. Alleine 33 Klientinnen und Klienten der Aids Hilfe Wien starben im vergangenen Jahr."

Insgesamt 1.450 Todesfälle

Die offizielle Statistik des Gesundheitsministeriums weist allerdings für das Jahr 2007 zehn Todesopfer durch Aids auf. Bei der Aids Hilfe Wien erklärte man dazu, dass die Immunschwächekrankheit oft nicht als primäre Todesursache registriert werde. Insgesamt gab es bisher in Österreich 2.576 Aids-Erkrankungen bei 1.450 Todesfällen.

Die Experten vom Institut für Virologie fordern allerdings Konsequenzen aus den Daten: "Auf jeden Fall ist dringend wieder eine intensivere Information und Aufklärung der Bevölkerung über HIV und Aids zu fordern." (APA/Red)

  • Artikelbild
Share if you care.