KTM 990 Supermoto

31. Jänner 2008, 17:00
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Mehr Leistung, mehr Hubraum und eine Einspritzung - Ein gelungenes Update! Das hat schon was: Mitte Jänner mit einer Supermoto brav am Knie zu fahren

Die Knierutscher sind ja schon völlig entwöhnt. Also ist es eh höchste Zeit, dass die Saison wieder eröffnet wird – Jänner hin oder her. Klar es ist ein bisserl frisch und es schneit zwischendurch ganz leicht, aber das Eisen, auf dem ich sitze, ist heiß. Die neue KTM 990 Supermoto. Da muss ich schauen, dass ich auch heiße Fotos krieg und entsprechend fahren. Ich komm grad aus einer schönen Rechtskurve, pledder am Fotografen vorbei. Schön posen. Ein bisserl eine andere Linie fahren als es sich gehört. Nur damit es am Foto gut ausschaut.


foto: standard/grabner

Das Popscherl schön reinrücken, das Knie raus und am Graf Foto vorbei schleifen. Es blitzt, passt, Foto ist im Kasten. Aufrichten, fertig machen für die 180-Grad-Linkskurve. Gas stehen lassen. Umsetzen, Einlenken, Umlegen. Den Blick so weit wie möglich auf den Kurvenausgang richten und ganz locker durchziehen. Das Knie setzt auf. Gut. Auf einmal ein ungutes Knarzen. Die Fußraste setzt auf. Nicht gut. Die Temperatur ist irgendwo um den Gefrierpunkt. Der Reifen tut sich ein bisserl schwer mit seiner Arbeit. Kein Wunder eigentlich. In dem Moment, in dem ich mir denke, dass ich aus den aufsetzenden Fußrasten etwas lernen und die Geschichte wohl besser ein wenig gemütlicher angehen sollte – man überlegt sich ja oft ganze Romane, während man am Motorrad sitzt, manch einer schreibt sie dann auch – egal, während ich zur Kenntnis nehme, dass mir die KTM gerade gesagt hat, dass ich mich ein wenig am Riemen reißen soll, sagt sie mir noch etwas: Es reicht. Das ist der Moment, in dem die Fuhre über beide Radl gemütlich in Richtung Graben zu rutschen anfängt. Während sie das tut, hab ich noch ein bisserl Zeit zu überlegen.


foto: standard/grabner

Das wird ein Hallo sein! Als man mir vertrauensvoll den Schlüssel zum orangen Gold übergab, bat man mich noch, doch bitte heute nicht zu deppert zu sein und es gemütlich angehen zu lassen. „Ja, ja“, hab ich gesagt. „Ein paar Fotos am Knie und wir fahren schon wieder heim!“ Man legte mir nahe, das Knie am Tank und weit weg vom Boden zu lassen.


foto: standard/grabner

Und jetzt? Holladrio rutscht die neue 990er-Supermoto in Richtung Werksatt. Schad drum. Das Radl macht nämlich sehr viel Spaß. Man mochte es nach der 2005 vorgestellten 950er-Supermoto ja schon nicht glauben, dass das so gut geht. (Das Werkl, nicht das Zerlegen. Das geht immer gut.) Danach haben die Mattighofener auch noch die Supermoto R – damals für die Presse – auf den Pannoniaring gestellt. Ein wenig hat man bei der R am Fahrwerk gespielt und hat auf einen Satz das Handling verbessert.

>>>Beim Fliegen kommt’s nicht auf die PS an

Im Jänner 2008 sind es stolze 17 PS mehr, die jetzt aus der Kurve fliegen, als es bei der Vorgängerin 2005 gewesen wären. Gelungen ist die Pferdezüchterei auf 115 PS durch eine Hubraumvergrößerung und eine geänderte Gemischaufbereitung. Die 990 SM hat nun einen Brennraum mit 999 Kubikzentimetern. Was ich da so eloquent mit Gemischaufbereitung gemeint hab: Die KTM hat nun eine Einspritzung. War die Vorgängerin noch mit einem Vergaser ausgerüstet und lief extrem weich, ist die neue regelrecht giftig, weil der Sprit direkt in den Brennraum eingeschossen wird.

foto: standard/grabner

Einschießen wird die KTM auch bald. Nämlich in den Reifenstapel, auf den sie zurutscht. Ich rechne mir das durch. Ganz billig wird mich der Einschlag der Kanten nicht kommen. € 13.398 sind ein fairer Preis für das Radl, aber in der Portokasse hab ich das Geld grad nicht. Na gut, Totalschaden wird’s eh keiner. Außerdem wäre es extrem schade um den Bock. Mir gefällt die Einspritzung des V-Zwei-Motors, auch wenn die Lastwechsel etwas ruppig ausfallen. Das Fahrwerk vom niederländischen Zulieferer WP entspricht dem, was man sich erwartet. Über die Reifen könnt ich grad zu diskutieren anfangen, weil sie jetzt nicht halten. Aber Pirelli bietet außerdem auch einen straßensportlicheren Reifen für die KTM an. Dass der Grip bei diesen Temperaturen abreißt, mag ich dem Reifen eigentlich auch nicht vorwerfen.

foto: standard/grabner

Nachdenklich stimmen sollte mich, dass er überhaupt so lange gehalten hat. Aber zum Nachdenken habe ich grad keine Zeit, wo ich mich doch dem Grünstreifen nähere. Doch dann fällt mir ein: Die haben einen derartig leichten Rahmen in die KTM verbaut, wiegt nicht einmal zehn Kilo, das Rohrzeugs. Und die ganze KTM hat grad einmal 191 Kilo. Da muss man doch was ausrichten mögen, wenn man das Haxerl ein bisserl weiter wegspreizt. Ich drück das Knie auf den Boden. Die Knieschützer sollen schließlich auch was vom Saisonstart haben. Die KTM richtet sich leicht auf, grad so viel, dass die Fußraste nimmer schleift, und wir fahren aus der Kurve raus. Gut, auf der Ideallinie kommen wir nimmer raus. Aber das ist jetzt nicht mein Problem. Mein Problem ist, dass der Graf Foto eine Kurve weiter vorne knotzt und natürlich kein Foto gemacht hat.

foto: standard/grabner

Fotos: Wolf-Dieter „Graf Foto“ Grabner
Text: Guido Gluschitsch

Guido Gluschitsch ist Chefredakteur von Motorradnet.at.

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KTM

  • Teuflisch verkehrte 999 Kubikcentimeter, hat die neue 990SM von KTM. "Regelrecht giftig", nennt sie Guido Gluschitsch im Test.
    foto: standard/grabner

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