SAP hat keine Angst vor einer Rezession

6. Februar 2008, 13:49
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4.000 neue Jobs geplant - Oracle bleibt auf Distanz

er deutsche Unternehmenssoftware-Hersteller SAP will sein Wachstumstempo auch bei einer Abkühlung der Weltwirtschaft hoch halten. "Unsere Software ist in jedem Konjunkturzyklus gefragt", sagte der Chef des Softwarekonzerns, Henning Kagermann, auf der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch in Frankfurt. Seit vier Jahren lege der Software-Verkauf jedes Quartal um einen zweistelligen Prozentsatz zu.

Dieses Tempo werde der deutsche Weltmarktführer für Unternehmenssoftware 2008 beibehalten. "Wir werden weiterhin stärker als der Markt wachsen und unseren Wettbewerbern Marktanteile abnehmen", sagte der bis Frühjahr 2009 amtierende Vorstandschef.

4.000 neue Jobs geplant

Auch die Rendite soll leicht steigen, obwohl SAP die 43.900 Menschen starke Belegschaft nochmals um 4.000 aufstocken will und zusätzlich Geld in die Entwicklung seiner Mittelstands-Software stecken muss. Gegen den Markttrend gehörten die Aktien zu den Gewinnern im Dax und verteuerten sich um 1,5 Prozent auf 31,94 Euro.

Hauptkonkurrent ist der durch milliardenteure Zukäufe in die SAP-Domäne eingebrochene US-Datenbankanbieter Oracle, der SAP wegen angeblichen Diebstahls von geistigem Eigentum verklagt hat. Die Kunden lässt der Rechtsstreit offensichtlich kalt. Der Walldorfer Konzern stellte auch für 2008 einen Zuwachs der Erlösen aus dem Verkauf von Software-Lizenzen und -Wartung um 12 bis 14 Prozent in Aussicht - von Wechselkurseffekten und dem Zukauf von Business Objects abgesehen.

7,4 Mrd. Euro umgesetzt

2007 hatte SAP mit Software 7,4 Mrd. Euro umgesetzt und mit einem Zuwachs um 17 Prozent seine Erwartungen deutlich übertroffen. Besonders gut laufen die SAP-Produkte in Asien und Russland, inzwischen der weltweit viertgrößte Absatzmarkt. Der SAP-Vorstand ist zufrieden. "Wir haben ein sehr erfolgreiches Jahr hinter uns", sagte Kagermann. "Das Umsatzwachstum war so stark wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr", ergänzte Vertriebschef Leo Apotheker. Die Konkurrenz halte SAP auf Distanz. "Wir haben Oracle binnen eines Jahres 800 Kunden abgenommen", sagte er.

Mit der fast fünf Mrd. Euro teuren Übernahme von Business Objects, eines Anbieters von Software zur Analyse von Geschäftsdaten, will SAP bis zu 30.000 neue Kunden gewinnen. Zusammen mit der Tochter, an der SAP fast 95 Prozent hält, will der Konzern 2008 den Umsatz mit Lizenzen und Wartung um gut ein Viertel erhöhen.

Die Rendite soll unter der Integration nicht leiden: Die operative Marge werde - Akquisitionskosten und Währungseinflüsse herausgerechnet - auf 27,5 bis 28 Prozent steigen. 2007 hatte SAP vor Steuern und Zinsen 2,74 Mrd. Euro verdient, 27,3 Prozent vom Umsatz. Unter dem Strich blieben 1,94 (2006: 1,88) Mrd. Euro.

"Nicht schlecht für ein Jahr, in dem SAP den Zukauf von Business Objects verdauen muss"

Die Investoren zeigten sich mit den Erwartungen zufrieden. "Nicht schlecht für ein Jahr, in dem SAP den Zukauf von Business Objects verdauen muss", lobten die Analysten der Citigroup. Um die von Investoren geforderten Fortschritte bei der Rendite zu erreichen, will SAP weniger Geld in den Rückkauf eigener Aktien stecken. Dafür sind nur noch 500 Millionen Euro vorgesehen, die Hälfte des Betrags von 2007.

Die Investitionen in Entwicklung und Vertrieb der neuen Mittelstands-Software "BusinessbyDesign" werden um bis zu 100 Millionen auf 175 bis 225 Millionen Euro aufgestockt. Das seien 1,5 Prozentpunkte an Marge, rechnete Finanzvorstand Werner Brandt vor. SAP hat bisher 150 Kunden für die Software gewonnen, die über das Internet angeboten wird und für Firmen mit 100 bis 500 Beschäftigten geschneidert wurde. Bis Ende 2008 sollen es 1.000 Kunden werden. Damit betritt SAP Neuland, da die Produkte des 1972 gegründeten Unternehmens bisher auf Großunternehmen zugeschnitten waren. (von Hendrik Sackmann/Reuters)

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