Aufregung um 30 neue Plakatwände vor Schloss Schönbrunn

4. Februar 2008, 12:28
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Demontage vor dem Schloss gefordert - Schönbrunn-Chef: "Sonst brauchen wir bei jeder Kleinigkeit eine Bewilligung - aber Werbung ist kein Problem"

Wien – Ein Schlagerabend, ein Kickbox-Schaukampf, eine Bollywood-Show: An der Westeinfahrt zum Schloss Schönbrunn wirbt der Plakatriese Gewista seit kurzem nicht mehr nur mittels ein paar kleinerer Plakate für die Attraktionen des nahegelegenen Tiergartens, sondern auch für sämtliche Veranstaltungen in Wien, die im allerweitesten Sinne mit Kultur zu tun haben.

Ein Umstand, den der Direktor der Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft nicht hinnehmen will. "Natürlich sind auch die Zoo-Plakate nicht besonders schön", sagt Franz Sattlecker. "Aber die gab es erstens schon vor meiner Zeit und passen zweitens wenigstens thematisch." Die dreißig sogenannten Halbschalen, die jetzt die SPÖ-nahe Plakatfirma an der Westeinfahrt zum Schloss an sämtlichen Lichtmasten zusätzlich anbringen ließ, möchte der Schönbrunn-Direktor hingegen weghaben. "Die sind doch wirklich grauslich", sagt Sattlecker.

Bewilligung

Die für Stadtbildfragen zuständige Magistratsabteilung MA 19 wurde laut Kontrollamtsbericht in Sachen Halbschalen-Werbung nicht konsultiert. Auch das ärgert Sattlecker. "Bei jeder Kleinigkeit, die wir in oder um Schönbrunn verändern wollen, brauchen wir eine Bewilligung. Aber wenn die Gewista direkt vor einem historischen Gebäude dreißig neue Werbetafeln anbringt, ist das kein Problem." Die Auflagen der Wiener Stadtbildpfleger gingen zuletzt so weit, dass die Errichtung einer Notstiege für einen in einem Nebengebäude untergebrachten Kindergarten von der MA19 abgelehnt wurde – aus ästhetischen Gründen.

Brief an Bürgermeister

"Wir wollten einen zweiten Notausgang bauen. Wenn's nach der Stadt Wien geht, müssen die lieben Kleinen aber im Notfall einfach schneller laufen", sagt Sattlecker, der wegen der Halbschalen bereits vor zwei Wochen einen Brief an die Gewista sowie an Bürgermeister Michael Häupl (SP) geschickt hat und nach wie vor auf eine Antwort wartet.

Pflichtversäumnis

Kritik an den Plakathalterungen (5000 Stück will die Gewista in Wien aufstellen) kommt aber auch aus der eigenen Branche. Peter Drössler, Obmann des Fachverbands für Werbung in der Wirtschaftskammer, wirft Gewista-Chef Karl Javurek, der gleichzeitig Obmann der Fachgruppe Plakatwerbung ist, Pflichtversäumnis vor. "Seine Aufgabe als Interessensvertreter wäre gewesen, alle Unternehmer seiner Fachgruppe über die gravierende Marktveränderung zu informieren", sagt Drössler.

Werbung auf Lichtmasten und Stromkästen

Seit sich die Gewista die Lichtmasten mittels Halbschalen unter den Nagel gerissen hat, kommen freie Plakatierer nämlich schwer an Aufträge. Auch Thomas Blimlinger, grüner Bezirkschef in Wien-Neubau, fühlt sich übergangen: "Laut Bescheid verfügt die Gewista seit 2004 über eine Genehmigung, auf Lichtmasten und Stromkästen zu werben. Kein Bezirkschef wurde darüber jemals informiert." (Martina Stemmer, DER STANDARD Printausgabe, 30.1.2008)

  • Dreißig sogenannte Halbschalen hat der Plakatriese Gewista an der Schlosseinfahrt platziert
    foto: schönbrunn/tragner

    Dreißig sogenannte Halbschalen hat der Plakatriese Gewista an der Schlosseinfahrt platziert

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