Die Polizei will keine neue Überraschung

1. Februar 2008, 10:41
69 Postings

Nach den Ausschreitungen in der Wiener Innenstadt am letzten Freitag rüstet die Polizei auch für den Opernball auf - mit Grafik

Wien - Die Gäste am Kärntner Ring und die Zuseher zu Hause vor den Fernsehgeräten sollen am Donnerstag ja einen "gelifteten" Opernball erleben - mit neuem roten Defilee-Zelt, einem Sportpokal (jenem der EURO) auf der Feststiege und Opernguckern statt Fächern. Ob sich die Neuerungen auch rund um das Haus am Ring fortsetzen werden und gewalttätige Ausschreitungen eine Renaissance feiern, wagt die Polizei dagegen noch nicht abzuschätzen. Der aus Sicht der Exekutive misslungene Einsatz vom vergangenen Freitag lässt aber die Alarmglocken schrillen.

Was war passiert? Freitagabend hatte der Wiener Korporationsring in der Hofburg getanzt, während Gegner der schlagenden Burschenschafter zu einem Gegenfest im nahegelegenen Museumsquartier geladen hatten. Die Polizei erließ rund um die Hofburg ein Platzverbot und setzte einige 100 Beamte zur Sicherung ein. Überflüssigerweise, wie es zunächst schien. Denn die unter anderem von der Österreichischen Hochschülerschaft unterstützte Gegenveranstaltung lief friedlich ab.

"Nicht typisch österreichisch"

Was dann geschah, war "nicht typisch österreichisch", wie Werner Autericky vom Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) am Montagabend vor Journalisten eingestand. Die Lage schien ruhig, die Polizei wog sich in Sicherheit, schickte Einheiten nach Hause und hob um 22.30 Uhr schließlich das Platzverbot auf. Genau darauf hatten Randalierer gewartet.

"Die Mobilisierung ist sehr, sehr schnell gegangen", konzediert Autericky. Offenbar mittels SMS alarmiert, sammelten sich rund eine Stunde nach Aufhebung des Platzverbotes zwischen 200 und 400 Menschen vor dem Museumsquartier. "Nur ein ganz kleiner Teil kam aber vom Fest drinnen, die übrigen sind einfach aufgetaucht", schildert der LVT-Leiter. Die teilweise vermummte Menge versuchte zunächst, zum Heldenplatz zu gelangen, zündete Parkbänke und Mistkübel an und zog sich schließlich über die Mariahilfer Straße, wo Auslagenscheiben zu Bruch gingen, zurück.

Randalierende Deutsche

Für die Polizei auffallend: Bei den Überprüfungen der Identitäten zeigte sich, dass viele Randalierer aus Deutschland stammten. "Wir wissen jetzt nicht genau, ob diese Personen Wien bereits verlassen haben oder noch auf den Opernball warten", beschreibt Landespolizeikommandant Karl Mahrer die "unklare Lage". Gerätselt wird auch noch, wo die Demonstranten in Wien untergekommen sind. Eine neuerliche Überrumpelung soll es am Donnerstag jedenfalls nicht mehr geben. Der ursprüngliche Plan, den Ring heuer nicht zu blockieren und eine deutlich reduzierte Mannschaft einzusetzen, wurde fallengelassen.

"Sichtbare Polizeipräsenz ist die beste Prävention" gegen gewaltbereite Splittergruppen, sagt Polizeipräsident Gerhard Pürstl. So werden nun doch wie im Vorjahr insgesamt 700 Beamte die Ballbesucher abschirmen, ab 19 Uhr gilt ein Platzverbot rund um die Oper (siehe Grafik). Zusätzlich sollen Polizisten in Zivil ausschwärmen, um etwaige Zusammenrottungen zu erkennen. Offiziell angemeldet war vorerst keine Demonstration bei der Oper. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 30.1.2008)

  • Artikelbild
Share if you care.