Der Westen will im Wettbewerb mithalten

29. Jänner 2008, 19:09
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Der Gründer des Biozentrums Innsbruck, Lukas Huber, im STANDARD-Interview über das Institut, die Forschungs- Schwerpunkte und die Konkurrenz in Wien

Lukas Huber ist Gründer und Leiter des Biozentrums Innsbruck. Der angesehene Zellbiologe sprach mit Klaus Taschwer über die Chancen einer solchen Großstruktur, deren Forschungsschwerpunkte, die Konkurrenz in Wien und über die Vor- und Nachteile des Forschungsstandorts Innsbruck.

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STANDARD: Sie haben an der Medizin-Uni Innsbruck die zweitgrößte biomedizinische Forschungseinrichtung Österreichs mitaufgebaut. Wie ist der Stand der Dinge?

Huber: Wir sind jetzt im vierten Jahr, haben insgesamt rund 200 Wissenschafter inklusive technisches Personal. Im Jahr 2006/07 gelang es uns, rund fünf Millionen an Drittmitteln einzuwerben - vom FWF, dem österreichischen Gen-Au-Programm, von der EU, von Stiftungen wie der Nationalbank. Und unser Publikations-Output und auch die Impactfaktoren bei den Publikationen gehen kontinuierlich nach oben.

STANDARD: Was sind denn die Vorteile einer solchen Großstruktur?

Huber: Zum einen kann man im Vergleich zu den einzelnen Ordinariaten Ressourcen viel sinnvoller verteilen: Statt dass jedes Ordinariat für sich alle paar Jahre ein durchschnittlich gutes Mikroskop anschafft, legt man zusammen und kann jährlich das Beste kaufen. Man kann zum anderen auch richtige inhaltliche Schwerpunkt setzen und dabei auch mehr Schwungmasse generieren. Das war allerdings nicht leicht umzusetzen.

STANDARD: Warum nicht?

Huber: An einer medizinischen Universität gibt es viel mehr Hierarchien als an einer naturwissenschaftlichen Fakultät. Das ist schon auch sinnvoll, weil man keine Klinik auf Kumpelbasis führen kann. Entsprechend musste man den Mut haben, sich bei dem Umbauprozess die eine oder andere blutige Nase zu holen und trotzdem daran weiterzuarbeiten.

STANDARD: Hatten Sie für diese Idee auch Vorbilder?

Huber: Ich habe mich vor allem an jenen Instituten orientiert, wo ich selbst tätig war: dem Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg und dem Institut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien. Im Wesentlichen ging es darum, ein modernes Forschungszentrum zu gründen, das vor allem auch jungen Leuten Entfaltungsmöglichkeiten bietet und das beim Einwerben von Forschungsgeldern reüssieren kann. Weil man dann früher oder später auch international beim Publizieren dabei ist.

STANDARD: Was sind denn die inhaltlichen Schwerpunkte des Zentrums?

Huber: Das Biozentrum ist thematisch absichtlich sehr breit aufgestellt. Das heißt, es wird bei uns Krebsforschung, aber auch Infektionsbiologie oder Immunologie betrieben. Das sind Bereiche, die sich sinnvoll ergänzen, denn bei all diesen Erkrankungen sind ähnliche Signalwege und ähnliche Moleküle betroffen. Neben dem Biozentrum gibt es aber auch noch einige sinnvolle organisatorische Ergänzungen.

STANDARD: Nämlich?

Huber: An der Medizin-Uni Innsbruck gibt es seit 2003 einen vom FWF unterstützen Sonderforschungsbereich zum Thema Krebsforschung. Aus dem SFB ist dann wiederum ein internationales Doktoratsprogramm hervorgegangen und vor kurzem Oncotyrol, eine Art Inkubator für die Überführung der Grundlagenforschung in Richtung Pharmaindustrie (siehe Text unten). So ist ein Gesamtkonzept entstanden, mit dem wir gut aufgestellt sind und im Wettbewerb mithalten können. Wir sind noch nicht zufrieden, aber wir wissen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

STANDARD: Apropos Wettbewerb: Wie schätzen Sie die Rolle des Biozentrums in der nationalen Forschungslandschaft ein?

Huber: Österreich hat sich in den letzten Jahren im Bereich der biomedizinischen Grundlagenforschung durch die Institute am Vienna BioCenter sehr stark entwickelt: Mit dem IMP, dem IMBA von Josef Penninger oder den Max Perutz Laboratories gibt es in Wien einige exzellente Institute. Dazu kommen das AKH, die Boku und die Veterinärmedizinische Uni. Österreich ist fast so wie Frankreich, wo sich auch fast alles in der Hauptstadt abspielt. Für uns im Westen ist es entsprechend schwierig, da mitzuhalten.

STANDARD: Ist Innsbruck ein großer Standortnachteil?

Huber: Im Vergleich zu Wien sind in Innsbruck die Ressourcen natürlich endlicher. Wir haben hier aber auch Vorteile. Zum einen gibt es hier eine lange Tradition hervorragender Chirurgen, Internisten oder Urologen, die seit vielen Jahrzehnten Forschung betreiben. Das Biozentrum hat sich da organisch dazuentwickelt. Der zweite Vorteil ist der räumliche. Wir sitzen in Innsbruck aufgrund der engen Tallage alle recht nah beieinander. Während in Wien Biocenter und AKH für gemeinsame Forschungen eigentlich zu weit entfernt sind, kann ich hier zu Fuß in ein paar Minuten in jedem Labor sein. Das ist ein Riesenvorteil. (DER STANDARD, Printausgabe, 30.1.2008)

Zur Person
Lukas Huber (47) studierte Medizin in Innsbruck, ehe ihn eine internationale Karriere unter anderem an das Deutsche Krebsforschungszentrum, an das Europäische Molekularbiologische Labor (EMBL) in Heidelberg, an die Uni Genf und an das Institut für Molekulare Pathologie in Wien führte, wo Huber Gruppenleiter war. 2002 erhielt der Zellbiologe einen Ruf an die Universität Innsbruck.

Nach der Ausgründung der Medizin-Uni baute er dort das Biozentrum auf, das er seit 2005 ebenso leitet wie die Abteilung für Zellbiologie. Huber ist außerdem Leiter der Proteomik-Plattform des österreichischen Genomforschungsprogramms GEN-AU, Koordinator des EU-Projekts Growthstop und Autor von über 100 Fachpublikationen. (tasch)
  • "Im Vergleich zu Wien sind in Innsbruck die Ressourcen endlicher. Dafür kann ich hier in ein paar Minuten in jedem Labor sein." Der Zellbiologe und Biozentrumsmitgründer Lukas Huber über Standortvor- und -nachteile.
    foto: der standard/urban

    "Im Vergleich zu Wien sind in Innsbruck die Ressourcen endlicher. Dafür kann ich hier in ein paar Minuten in jedem Labor sein." Der Zellbiologe und Biozentrumsmitgründer Lukas Huber über Standortvor- und -nachteile.

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