Grazer "Thinnfeld": Alter Name, neues Gesicht

3. Februar 2008, 19:51
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HDA und Kunstverein sind nun Kunsthaus-Nachbarn - Revitalisierung im Auftrag der Stadt Graz um 2,3 Millionen Euro

Graz – Jahrelang stand das Palais "Thienfeld" unbeachtet neben dem Eisernen Haus. Unter anderem war ein Outlet für verbilligte Kleidung im Parterre des Palais untergebracht, bevor mit dem Kulturhauptstadtjahr 2003 und der nebenan wachsenden blauen Blase des Kunsthauses das Thienfeld als Festivalcenter und Bar belebt wurde. So weh es Stammgästen des Szenetreffs tat, es war klar, dass dieser ein Ablaufdatum hatte.

Ein europaweit ausgeschriebener und vom Berliner Büro Ifau mit Jesko Fezer gewonnener Wettbewerb sollte das aus den 1740er-Jahren stammende Haus für moderne Kunst und Architektur fitmachen. Am Dienstag wurde das nun wieder nach der alten Schreibweise "Thinnfeld" getaufte Haus von der Grazer Bau- und Grünlandsicherungsgesellschaft, die das Gebäude im Auftrag der Stadt Graz um 2,3 Millionen Euro revitalisieren ließ, an die neuen "Bewohner" übergeben.

Zu ebener Erde zieht das Haus der Architektur (HDA) ein, wobei die neue Innenstadtlage auch ihren Preis hatte: Statt der über 1000 Quadratmeter der Gründerzeitvilla in der Engelgasse, die die Stadt günstig vermietete, muss man nun mit 320 Quadratmetern auskommen. Der neue Vorstand, bestehend aus Danijela Gojic, Manfred Hasler, Anke Strittmatter, Fabian Wallmüller und Markus Bogensberger, lässt sich von der neuen Enge nicht einschüchtern und präsentierte ein fülliges Zweijahresprogramm, das unter dem Generalthema "Gemeinsam" Politiken, Formensprachen und Netzwerke zeitgenössischer Architektur untersucht.

Einen Stock höher bezog der wissenschaftliche Direktor des Joanneum, Wolfgang Muchitsch, im einstigen Spiegelsalon ein feudales Büro. Weiters fand auf der Belle Etage ein Archiv, der kommunikativ platzierte Sozialraum und ein Besprechungszimmer in der früheren Hauskapelle Platz. Im Dachgeschoß freut sich der Chef des Grazer Kunstvereins, Sören Grammel, dass man in die "Kirsche auf dem Kuchen" ziehen durfte. Heute, Mittwoch, weihen HDA und Kunstverein das Haus mit einem Fest und Musik von Gustav ein. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD/Printausgabe, 30.01.2008)

  • Der neue Eingang zum wiederbelebten Palais.
    foto: gbg/iv

    Der neue Eingang zum wiederbelebten Palais.

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